Nur ein leises Surren ist zu vernehmen. Schon ist das Gerät wieder außer Sichtweite. Man muss sich schon beeilen, will man ein Regalbediengerät erspähen. Mit bis zu 210 Metern pro Minute rasen sie durch das riesige Regallager. 45 Meter hoch türmen sich Regale. Die Gassen dazwischen sind über 100 Meter lang. Die Dimensionen moderner Regal-systeme waren noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar – ebenso wie die Möglichkeiten, Regale je nach individuellem Bedürfnis zusammenzustellen.

Moderne Lagersysteme sparen Platz und sind zudem je nach Automatisierungsgrad von Lagerarbeitern unabhängig. Das Ein- und Auslagern der Ware funktioniert per Knopfdruck. Über Rollen, Ketten, Schienen oder per Elektrohängebahn gelangen die Produkte zu den Regalen. Dort nehmen Bediengeräte sie auf und entschwinden hoch in die Regalebene, genau zu dem Punkt, an den der Materialflussrechner sie lotst. Lichtschranken und Lasersensoren erkennen währenddessen, ob die richtige Palette auf dem Weg ist.

Nicht ohne meine Maschine

Dort, wo noch nicht alles voll automatisiert funktioniert und man doch den einen oder anderen Menschen im Lager antrifft, ist der Mitarbeiter natürlich auch stets mit technischer Unterstützung unterwegs. Der herkömmliche Handhubwagen wirkt dabei schon fast antiquiert, kommt aber immer noch zum Einsatz. Schubmaststapler muten schon etwas futuristischer an. Sie setzen besonders in beengten Verhältnissen neue Maßstäbe: Höhere Beschleunigung sowie Hub- und Schubgeschwindigkeiten sorgen für verbesserte Umschlagleistung.

Beim Kommissionieren muss die Schnittstelle Mensch/Maschine optimal funktionieren. Daher verfügen diese Flurförderfahrzeuge über höhenverstellbare Lenkeinheiten, um sich an den jeweiligen Arbeiter anzupassen. PIN-Aktivierung und individuelle Fahrprogramme für niedrige bis hohe Geschwindigkeiten sorgen für erhöhte Fahrsicherheit. Ähnliche Eigenschaften besitzen Schlepper. Auf Basis einer festgelegten Route fahren Schleppzüge im Milchmann-Prinzip eine Station nach der anderen ab. An den einzelnen Haltestellen werden Frachten auf- und abgeladen. Dadurch kann eine hohe Anzahl von Lasten von nur wenigen Fahrzeugen transportiert werden.

Lager der Zukunft

Die Zukunft der automatisierten Intralogistik sind wohl Lagersysteme mit Behältern, in denen die Ware liegt. Denn Kunden bestellen immer weniger pro Auftrag, die Zahl der Bestellungen dagegen steigt. Der Warenumschlag im Lager wächst deshalb schnell. Darauf sind Logistiker mit Behältersystemen gut vorbereitet. Sie können kleine Mengen besonders schnell transportieren. Die Technik basiert auf einer simplen Idee: Kleine Fahrzeuge fahren über Schienen durch die Lagergassen und können die Ebenen nach oben und unten wechseln. Kompakte Systeme mit bis zu 25 000 Behälterbewegungen pro Stunde sind so realisierbar.

Optimierung des Arbeitsfluss

Neue Steuerungssysteme stehen ebenfalls im Mittelpunkt der Forschung und Entwicklung. Viele Steuerungsvorgänge lassen sich etwa in ein bereits vorhandenes System integrieren. Wo früher ein eigener Materialflussrechner nötig war, gibt es heutzutage Softwarekomponenten zur Lagerverwaltung, die mit dem Steuerungssystem kompatibel sind. Das Ziel ist es, dass in Zukunft ein System die Ware von der Auslieferung bis zum Ziel überwacht.

Dabei sind die unternehmensinternen Logistiksysteme miteinander vernetzt. Die Waren und Fahrzeuge sind mit Funketiketten ausgestattet. Eine Software lässt die verschiedenen Komponenten miteinander kommunizieren. So kann das System selbstständig den schnellsten Weg zum Ziel der Ware finden.

Egal wie die Zukunft der modernen Lagertechnik aussieht: Der Mensch wird wohl immer mehr aus ihr verschwinden. Denn waren es in der Vergangenheit noch die Maschinen, die den Arbeitsfluss gebremst haben, sind es mittlerweile die menschlichen Mitarbeiter – beispielsweise als Kommissionierer bei der Warenannahme – die dem vorgegebenen Tempo nicht immer folgen können. Die Systeme zur Lagersteuerung werden in Zukunft durch selbst agierende Agenten immer intelligenter und somit auch effizienter. Somit ist ein noch schnellerer Warenumschlag möglich, was nicht zuletzt auch den Kunden zu Gute kommt.