Vor 20 Jahren begann man, E-Mails, die elektronische Post, im Geschäftsverkehr regelmäßig zu verwenden. Das Smartphone in seiner heutigen Form gibt es erst knapp zehn Jahren [1]. Neben dem Tablet hat es als Endgerät und zugleich als persönlicher, mobiler IKT-Assistent Einzug in die Arbeitswelt gehalten.

Digitalisierung

Es ist Konsens unter den Trendforschern, dass die Digitalisierung die Arbeit weiter massiv verändern wird. Arbeitsprozesse werden völlig neu konzipiert werden. Sie werden strukturierter und systematischer und können mit den Arbeitsprozessen der Kunden und Lieferanten vernetzt werden. Das erfordert eine bessere und längerfristige strategische Planung. Mit umfassenderen Informationen und komplexeren Rahmenbedingungen werden in Zukunft Entscheidungen früher gefällt werden müssen als heute.

Die Veränderung der Arbeitsprozesse durch die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, den Ort und den Zeitraum des Arbeitens mit dem Ziel des bestmöglichen Ergebnisses zu wählen [2]. Die Erstellung eines neuen Businessplans kann z.B. zu Hause, wenn die Kinder im Bett sind, mit VPN-Zugriff auf alle notwendigen Programme und Informationen erfolgen, oder es kann z.B. die Wartung technischer Anlagen direkt vom Leitstand des Serviceunternehmens aus durchgeführt werden, ohne dass das Wartungspersonal bei jeder Anlage vor Ort sein muss.

Neue Arbeitswelten

Mit der Digitalisierung werden einfache und sich oft wiederholende Arbeiten automatisiert und rationalisiert. Sie werden weniger. Die planerischen und kreativen Arbeiten werden anspruchsvoller und mehr. Das bringt einen steigenden Anteil der Kommunikationsarbeit, das heißt Abstimmungsgespräche und Teamarbeit, formell in geplanten Besprechungen und informell in ungeplanten Begegnungen in der Teeküche, am Arbeitsplatz oder in den öffentlichen Bereichen des Bürogebäudes. Kommunikationsarbeit heißt aber auch Zusammenarbeit über die Kommunikations- und Informationstechnik, wie Skype-Konferenzen, Foren oder Webinare.

Die realen, aber auch die virtuellen Orte der Begegnungen und das gemeinsame Schaffen sind Ankerpunkte der Arbeitswelten, sie stiften Identität und sozialen Zusammenhalt.

Sind die heutigen Gebäude zukunftsfähig?

Es sind noch nie so viele Bürogebäude wie in den letzten 25 Jahren errichtet worden. Dabei entwickelte sich ein klarer Trend zu umfangreicher und multifunktionaler Gebäudetechnik. Nach den Erfahrungen in den ersten Jahren der Nutzung weisen diese Gebäude noch höhere Folgekosten bezogen auf die Nutzfläche auf und werden nach einhelliger Expertenmeinung je nach Bauart eine wirtschaftliche Lebensdauer von nur 20 bis 30 Jahren haben [3].

Gerade der am stärksten wachsende Teil, die Regelungs-, Informations- und Kommunikationstechnik weisen typische Erneuerungszyklen von etwa 10 Jahren auf und erhöhen die Instandhaltungskosten eines Gebäudes beträchtlich.

Entwickler, Betreiber und Nutzer von Bürogebäuden sind verunsichert. Sind die heute gebauten Bürogebäude in der Lage, in den Arbeitswelten von 2040 und 2050 erfolgreich und wirtschaftlich genutzt zu werden? Und als Umkehrschluss: Wie müssen Gebäude beschaffen sein, damit sie den Anforderungen der Arbeitswelten von 2040 und 2050 gerecht werden, also zukunftsfähig sind?

Gebäude für morgen

Die Arbeitswelten von morgen brauchen Gebäude, die alle diese Orte für Konzentrationsarbeit, vor allem aber Orte der Begegnung und Orte des gemeinsamen Schaffens enthalten. Von der Art des Unternehmens abhängig, wird es auch spezielle Räume für bestimmte Aktivitäten geben: Vortragssäle, Geschäftslokale, Werkstätten, Labors und Operations- und Behandlungsräume.

Die Arbeitswelten von morgen werden flexibler und wirkungsorientierter sein als heute. Daher müssen Gebäude, die sie behausen, entsprechend flexibel und änderungstolerant sein. Sie müssen wie ein multifunktionales Werkzeug konzipiert werden. Darüber hinaus sollen sie ökonomisch nachhaltig, also langfristig leistbar sein. Viele Ressourcen und Wertstoffe sind in Gebäuden verbaut und werden bei der Nutzung verbraucht.

Deren Einsatz muss im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit optimiert und ihre Wiederverwendung mitgedacht werden. Das bedeutet auch einen maßvollen Einsatz der Kommunikations- und Informationstechnik. Das klassische KISS-Prinzip (keep it small and simple) gilt ohne Einschränkung auch für die Gebäude für morgen und ist für Bauherren und Immobilienprojektentwickler eine riesige Herausforderung.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Smartphone [2017]

[2] Zinser, St.(Hrsg.), 2007, Flexible Arbeitswelten 2 – so geht’s!

[3] Vgl. Bundeskanzleramt,(Hrsg.), Österreichischer Baukulturreport 2011, p.50, http://www.baukulturreport.at/