Können Sie einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Logistik in den vergangenen 10-15 Jahren geben? Welche Geschäftsfelder wurden neu erschlossen?

Die Aufgaben in der Logistik haben sich stark verändert. War sie einst auf die Funktionen Transport, Lagerung und Umschlag reduziert, ist sie heute ein ganzheitlich planendes und steuerndes Führungsinstrument – unternehmensintern wie global. Auslöser dafür war die Prozessorientierung in den Unternehmen und der zunehmende Einsatz von IT zur Steuerung und Optimierung von Informations- und Warenströmen bis hin zur Vernetzung mit Kunden und Lieferanten.

Neue Businessmodelle entstanden. Ein Beispiel: Logistikdienstleister übernehmen als Outsourcing-Partner Aufgaben in der Supply Chain für Industrie und Handel wie beispielsweise die Versorgung von Produktionslinien oder die Lagerung, das Customizing und die Warendistribution bis zum Fulfillment.

Die digitale Revolution hat einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel ausgelöst. Der Trend zur Produktindividualisierung hat zu veränderten Marktanforderungen geführt – Stichwort: Losgröße 1. Mit Industrie 4.0 und der hohen Dynamik im E-Commerce kommen weitere Aufgaben auf die Logistiker zu. Digitalisierte und automatisierte Prozesse in der Fertigung und im Supply Chain Management ermöglichen eine leistungsfähige Logistik, bieten Vorteile im globalen Wettbewerb, werden aber auch unsere Arbeitswelt verändern. Wirtschaft und Politik müssen sich mit den Auswirkungen von Smart Production und Smart Logistics auf das Arbeitsumfeld des Menschen auseinandersetzen.

Sehen Sie allgemein in der Branche derzeit Trends?

In Zukunft wird es noch wichtiger werden, Trends rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen wie den Einsatz von IT, Datennutzung oder die Investition in Mitarbeiterqualifizierung zu setzen. Digitalisierung und Automatisierung, die Anwendung innovativer Software und Technologien sowie Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind aktuelle Themen. Der Automatisierungsgrad in Produktions- und Logistikprozessen, um Produkte für individuelle Kundenanforderungen kostengünstig produzieren und verteilen zu können, steigt. Zudem führt der Fachkräftemangel zu verstärktem Automatisierungsbedarf.

Nachhaltigkeit ist für den Logistiksektor eine zentrale Aufgabe. Kaum eine andere Branche ist mit dem Thema so stark konfrontiert. Das reicht vom verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Ressourcen über die Reduzierung von CO2-Emissionen, energieeffizienten Gebäudebetrieb, Mobilitätskonzepte für den Güter- und Personenverkehr bis hin zur Bündelung von Transporten.

Welche technischen Neuerungen stehen uns hier in näherer Zukunft bevor?

Noch schnellere, transparentere, flexiblere und noch besser aufeinander abgestimmte Prozesse werden die Zukunft prägen. Unternehmen werden verstärkt auf Schlüsseltechnologien setzen, um bei disruptiven Entwicklungen neue Leistungsdimensionen zu erschließen. Die Auswertung von enormen Datenmengen und deren Anwendung werden zu einem entscheidenden Erfolgskriterium. Klassische Technik verknüpft mit künstlicher Intelligenz, der vermehrte Einsatz von Robotertechnologie, die Vernetzung der Wertschöpfungskette sowie der digitale Kundenzugang werden die Treiber für Innovationen sein. Die rasante Entwicklung der letzten Jahre lässt annehmen, dass Visionen schon bald Realität sein können.

Welche Rolle spielt das in anderen Bereichen zunehmende Umwelt- und Ressourcenbewusstsein im Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen?

Der Logistiksektor ist ein enorm innovativer Wirtschaftsbereich und auch hinsichtlich des ressourcenschonenden und umweltbewussten Einsatzes von Rohstoffen und Energie gut aufgestellt. Wiederum ermöglicht der Einsatz innovativer Technologien in den Wertschöpfungsketten den volatilen Energie- und Rohstoffpreisen entgegen zu wirken und dadurch Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Wie die drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziale Verantwortung – vorbildlich umgesetzt werden können, zeigen auch die jährlichen Gewinner des Internationalen Nachhaltigkeitspreises Logistik. Er wird im April 2016 in Wien bereits zum fünften Mal vergeben, das Bewerbungsverfahren läuft noch bis 15. Dezember 2015.