Ao.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Markus Vincze
Projektkoordinator „Hobbit“, Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik, Technische Universität Wien

Er heißt, als sei er einem Fantasy-Roman von John Tolkien entsprungen. Doch als der britische Schriftsteller und Philologe 1973 verstarb, haben wohl nur einige wenige Visionäre zu träumen gewagt, was sich in Wien zu Beginn des Jahres 2014 hinter dem Projektnamen „Hobbit“ finden lassen würde. Mit den Halblingen aus dem Auenland, die antreten, einen magischen Ring im Schicksalsberg zu vernichten, hat der Pflegeroboter aus der österreichischen Bundeshauptstadt hauptsächlich die Größe gemeinsam.
 

Foto: © Haus der Barmherzigkeit/APA-Fotoservice/Michele Pauty

Was aber soll dieser Roboter genau können?

„Die zentrale Aufgabe ist die Sicherheit der Anwender“, sagt Alexandra Schmid, die das Projekt von medizinischer Seite verantwortet. Nach ausgiebigen Studien, Forschungen und Tests wurde im Frühjahr 2014 der erste funktionsfähige Prototyp des Pflegeroboters realisiert.
Als das Projekt startete, war die Zielvorgabe, einen Heimhilferoboter zu entwickeln, der älteren Menschen hilft, sich zu Hause sicher zu fühlen. Er soll Dinge vom Boden aufheben oder holen und heranbringen können, über ein einfach zu bedienendes Entertainmentsystem verfügen und vor allem Notfallsituationen erkennen und mittels einer Alarmfunktion Hilfe holen können. „Um eine gute Akzeptanz des Roboters in der Gruppe älterer Menschen zu erreichen, setzen wir beim Hobbit auf eine Kombination aus konkretem Alltagsnutzen, ansprechendem Design und einfacher Bedienbarkeit“, erläutert Schmid.
 

Zusatzfunktionen und kleine Hürden im Alltag meistern erhöhen die Akzeptanz

„Der Zusatznutzen des Roboters war für uns von Anfang an sehr wichtig. Davon hängt nämlich die Akzeptanz des Roboters ab“, erklärt der technische Projektkoordinator, Markus Vincze. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wurden zunächst potentielle Anwender des Hobbit befragt. Dabei zeigte sich etwa, dass der Roboter nicht zu groß sein dürfe – was in Kombination mit dem Greifarm nicht leicht zu bewerkstelligen war, so der Techniker.
„Zunächst dachten viele, die den Roboter zum ersten Mal sahen, dass er ihnen gar keine Hilfe wäre – weil er ja nicht Fenster putzen und ähnliche Dinge kann“, schildert Vincze. „Als sie dann aber gesehen haben, dass er ihnen Dinge aufheben kann, waren sie sofort überzeugt.“ Es handelt sich also oft um kleine Hürden im Alltag, an die man zuerst gar nicht denken würde.

Alexandra Schmid ergänzt: „Die Fragen, vor denen wir standen, lauteten daher zum Beispiel: Wie groß darf ein Roboter sein, um nicht als Bedrohung wahrgenommen zu werden? Wie schnell darf er sich bewegen? Wir haben uns zuerst die Frage gestellt, welches Gerät unsere Nutzer in ihrem privaten Lebensbereich akzeptieren würden – und nicht, was technisch machbar wäre“.
 

Mag.a Alexandra Schmid
Leiterin der HB Akademie für Altersforschung

Hilfe holen und Betreuung von Senioren

Wenn es um die Betreuung von Senioren geht, stehen Aspekte der Sicherheit und medizinische Hilfe im Vordergrund. „Der Roboter ist darauf ausgelegt, alle drei Stunden einen Rundgang zu machen“, sagt Vincze. Das tut er auch abhängig davon, wie sehr der Anwender sonst mit ihm interagiert. Identifiziert der Hobbit einen Notfall, beginnt eine Eskalationskette zu laufen. „Der Hobbit kann darauf programmiert werden, zunächst etwa eigene Kinder oder Nachbarn zu verständigen – erst wenn diese nicht erreichbar sind, setzt er einen Notruf bei der Rettung ab“.

Doch nicht nur im Notfall hilft der Hobbit: Per Sprachausgabe kann das Gerät an Arzttermine oder die Einnahme von Medikamenten erinnern. Außerdem soll es dank Gesichtserkennung Personen von statischen Objekten unterscheiden können. Über einen modernen Touchscreen sind neben den Spielen auch Terminkalender verfügbar, die bei der Gestaltung des Alltags helfen. „Wir legen viel Wert auf das Look and Feel - der Hobbit soll einmal als eine Art Lifestyle Produkt gesehen werden und nicht als lästiges medizinisches Hilfsmittel“, ergänzt Alexandra Schmid, der es zunächst um Sicherheits- und Wohlgefühl der Anwender geht. „Der Roboter kann seine Aufgaben nur erfüllen, wenn sich seine Besitzer gerne und regelmäßig mit ihm beschäftigen und ihn als Bereicherung, nicht als Störung empfinden“.

Der Hobbit soll in etwa fünf Jahren markt- und serienreif und dann auch für Jedermann erschwinglich sein, betont Vincze. Angepeilt wird ein Preis von rund 5000 Euro. Dafür werden regelmäßig Tests mit potentiellen Anwendern durchgeführt – hierzu sucht das Haus der Barmherzigkeit alleinstehende Menschen über 75 aus Wien und Umgebung, wie die Projektkoordinatoren erwähnen. Somit wäre eine weitere Parallele zum berühmten Epos von Tolkien gegeben: Wenn viele Menschen gemeinsam etwas beitragen, sind auch ambitionierte Projekte mit hohen Erfolgschancen gesegnet.