Univ. Prof. Dipl. Wirtsch.-Ing. Dr. Ing. Prof. eh. Dr. h.c. Wilfried Sihn
Vizepräsident der BVL

Unsere globale und vernetzte Welt ist ununterbrochen in Bewegung: Material und Waren wandern ständig zwischen Lieferanten und Kunden hin und her, Informationen werden von A nach B geschickt, Gelder über den ganzen Globus transferiert.

Jeden Tag stehen wir vor gewaltigen logistischen Aufgaben. Aufgaben, welchen man sich auch innerhalb eines Unternehmens stellen muss: „Die Intralogistik ist die Verknüpfung sämtlicher Aufgabenstellungen innerhalb eines Unternehmens und darüber hinaus die Schnittstelle zu Lieferanten und Kunden“, sagt Wilfried Sihn.

Damit beschreibt der Vizepräsident der Bundesvereinigung Logistik (BVL) ein komplexes System an Material- Waren- und Informationsflüssen, das heute kaum noch auf einzelne Bereiche einzuschränken ist. „Gerade unter Globalisierungsaspekten müssen logistische Aufgaben ganzheitlich angegangen werden“, so der Logistik-Experte.

Länder wie Österreich können von der gut ausgebauten Logistik- Infrastruktur profitieren und sich auf dem internationalen Markt einen Vorteil verschaffen – vorausgesetzt, man ist offen für die kommenden Trends.

 

Revolutionärer Schritt: Industrie 4.0

Nichts weniger als die vierte industrielle Revolution sehen viele Experten in einem der Logistik-Trends: Nach Mechanisierung, Massenproduktion und Automatisierung ist für sie die Informatisierung der nächste große Schritt. „Dahinter verbirgt sich die Verknüpfung von Informations- und Kommunikationstechnologie mit physischen Systemen“, erklärt Sihn.

„Nichts weniger als die vierte industrielle Revolution sehen viele Experten in einem der Logistik-Trends“

Etwas einfacher formuliert könnte man auch sagen: Es geht um intelligente Päckchen, die sich selbst ihren Weg suchen können, wissen, welche Temperatur sie brauchen, und ihr Ziel kennen.“ Technologische Grundlage dafür sind sogenannte cyber-physische Systeme, auf neudeutsch Industrie 4.0 genannt. Dabei handelt es sich um eine Technologie, wie wir sie bereits aus der Autoindustrie kennen: „Intelligente“ Autos, die miteinander kommunizieren oder den Fahrer mit Zusatzinformationen über Straßenbegebenheiten, Verkehrssituation oder Wetter versorgen, sind groß im Kommen.

Nachhaltigkeit auch auf der letzten Meile

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt bei logistischen Fragen eine wichtige Rolle. Wo dieses Prinzip Anwendung finden könnte, ist für jeden leicht ersichtlich, so Sihn: „Die ganzen Handelsketten fahren mit ihren großen und schmutzigen LKWs in die Städte rein.“ Aus Nachhaltigkeits- Perspektive ein großes Problem: „Mittlerweile gibt es massive Bestrebungen, die sogenannte last mile – die letzte Meile zum Endkunden hin – mit anderen logistischen Systemen zu versorgen.“

Eine Möglichkeit zur Lösung dieses Problems sind „intermodale Hubs“, wo die Ware von den großen LKWs in kleinere, elektrobetriebene Transporter umgeladen wird. Dadurch kann der CO2- und Schadstoffausstoß deutlich reduziert werden. Gerade für den Standort Österreich bergen modern logistische Systeme große Chancen: „Intelligente Lösungen ermöglichen es, Aufgaben schneller, bei niedrigeren Kosten und über höhere Produktivität zu erledigen.“