Was muss ich mir grundsätzlich unter „Intermodalem Verkehr“ vorstellen?

Kurz gesagt den Transport von Gütern in derselben Ladeeinheit. Dabei ist aber ein Wechsel auf verschiedene Verkehrsmittel möglich. So bleibt die Ladung die gleiche, der Verkehrsträger ändert sich aber. Beim Thema "Intermodaler Verkehr" geht es prinzipiell darum, dass die einzelnen Verkehrsträger wie der Straßenverkehr, die Schiene oder etwa der Luftfahrtbereich ineinander greifen können.

Denn wenn das unkompliziert, schnell und effizient möglich ist, ergibt sich ganz von selbst eine tolle Chance: Man kann die Vorteile der unterschiedlichen Verkehrsträger optimal kombinieren, um das bestmögliche Ergebnis rauszuholen. 

Welche Herausforderungen tauchen dabei für Spediteure und Logistiker auf?

Die wesentlichen Herausforderungen sind in Zeiten von just-in-time und just-in-sequence der Faktor Zeit, die Kosten und die gesetzlichen Rahmenbedingungen. Diese drei Faktoren würde ich als die essenziellsten sehen. Und um diese drei Faktoren bedienen zu können, brauchen wir die optimalen Rahmenbedingungen bei der Verlagerung der Güter von einem Verkehrsträger auf den anderen.

Wenn Waren kompliziert umgeladen werden müssen, weil gesetzliche Rahmenbedingungen beispielsweise erzwingen, ein- und dieselbe Ware auf der Schiene anders transportieren und sichern zu müssen als auf dem LKW, dann wird die Intermodalität grundlos erschwert.

Welche Vorteile bringt der intermodale Gütertransport?

Wir Logistiker beschäftigen uns von Natur aus damit, wie man die Effizienz im Güterverkehr steigern kann und damit einhergehend auch ökologischer transportiert. Das heißt aber auch, dass viele Vorteile aus Notwendigkeiten generiert sind. Manchmal ist es beispielsweise notwendig, bei der berühmten „Last Mile“ hin zum Kunden einen bestimmten Verkehrsträger zu nutzen, weil es einfach nicht anders geht. Man stelle sich vor, eine Ware muss in den innerstädtischen Bereich. Da bringt mir die Breitspurbahn rein gar nichts, ein kleiner LKW oder Kastenwagen wird deutlich besser sein.  

Also sucht man sich immer den idealen Verkehrsträger für die jeweilige Strecke aus?

Genau. Jeder Verkehrsträger hat seine Sinnhaftigkeit bei einer bestimmten Streckendistanz. Bei der Eisenbahn sagt man, dass der Gütertransport ab einer Distanz von 300 Kilometern Sinn macht. Alles unter 300 Kilometern Entfernung ist mit dem LKW flexibler, effizienter und dadurch möglicherweise sogar ökologischer. Die Suche nach dem richtigen Verkehrsmittel gehört mit zu den Kerngeschäften des Logistikers.

Der Container von Shanghai nach Hamburg wird sinnvollerweise entweder mit einem Containerschiff transportiert werden oder aber durch den Ausbau der Breitspurbahn von Asien bis nach Österreich ermöglicht. Das würde noch um einiges schneller gehen als auf dem Seeweg.

Also könnte oder sollte man Ihrer Ansicht nach auch kontinentübergreifend Güter mit der Bahn transportieren?

Wenn die Breitspur-Infrastruktur ausgebaut wäre, dann wäre das der ideale Weg, ja. Gerade für Österreich wäre das ein großer Vorteil. Wir haben das Problem, keinen direkten Seehafen zu haben. Daher finde ich es besonders wichtig, den Logistik-Standort Österreich zu pushen, indem man sich für einen Breitspur-Hafen als Endpunkt einer Bahnlinie von Asien nach Europa einsetzt. Denn wenn eines unserer Nachbarländer den Zuschlag dafür bekommt, dann wird Österreich letztendlich mehr Transitverkehr haben. Die Wertschöpfung bleibt aber aus.

Gibt es im intermodalen Verkehr auch Nachteile?

Aus meiner Sicht gibt es genau dann Nachteile, wenn gesetzliche Zwänge vorhanden sind. Etwa, wenn ein Umlagern von Gütern vorgeschrieben ist, ohne dass es ökonomisch und ökologisch Sinn macht. Denn das erschwert den Warenverkehr und verteuert das transportierte Produkt. Je besser jeder der unterschiedlichen Verkehrsträger ausgebaut ist und je besser man sie miteinander verzahnt, umso besser ist es auch für die Logistik.

Wie sehen Sie die Zukunft des intermodalen Verkehrs?

Schauen wir in die Vergangenheit, um Rückschlüsse auf die Zukunft zu ziehen. In den 1960er-Jahren wurde der genormte Container erfunden. Für uns ist das der Vater der Intermodalität. Ich glaube, dass solche großen Innovationen auch in Zukunft stattfinden werden. Stichwort: Industrie 4.0 und Logistik 4.0. Eine große Herausforderung für die Branche sehe ich auch in der Neudefinition der gesamten Supply Chain.