Wie sehen Sie die Situation des Logistikstandortes Österreich heute?

Die österreichische Logistik ist grundsätzlich sehr gut aufgestellt. Im Logistik-Performance-Index der Weltbank liegen wir auf Platz sieben unter über 160 Ländern weltweit. Das ist eine gute Ausgangssituation. Allerdings stehen wir in unmittelbaren Wettbewerb zu unseren Nachbarländern – und da liegt unser größter Nachbar, Deutschland, auf Platz eins des Index. Für uns gilt es, aktiv dranzubleiben und uns immer weiter zu verbessern.

Wie beurteilen Sie die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen?

Wir haben grundsätzlich gute infrastrukturelle Rahmenbedingungen und die heimischen Logistikunternehmen sind gut aufgestellt. Nicht umsonst sind von internationalen Logistikern einige CEE-Headquarters bei uns. Diese Stellung gilt es aber zu verteidigen und auszubauen. Und da kommt die Politik ins Spiel: Wir haben in Österreich je nach Bundesland divergierende Bedingungen, etwa bei der Widmung von Logistikflächen.

Eine konkrete Forderung an die neue Bundesregierung ist daher, es zu vereinfachen, Logistikflächen zu bekommen. Zunehmend stehen wir vor dem Problem, dass Waren nicht mehr in Österreich umgeschlagen werden, sondern dass etwa zum Beispiel direkt aus Deutschland geliefert wird, ohne dass es bei uns zu Lagerung oder Feindistribution kommt. Das führt zu einem Wertschöpfungsverlust.

Wie beeinflusst Österreichs Geographie die Branche?

Wenn Sie die Schweiz als Vergleich nehmen: Dort ist es von jedem Eck des Landes gleich weit ins Zentrum. Aber Österreich liegt gerade für CEE sehr gut, was wiederum ein Vorteil ist. Wir haben zum Glück einige europäische Haupteisenbahnstrecken bei uns. Natürlich haben wir den vermeintlichen Nachteil, über keine Seehäfen zu verfügen.

Die Frage ist aber, ob man daraus ein Defizit macht oder sich an entsprechende Häfen anbindet. Die Anbindung an die Nordhäfen ist passabel, die an die Südhäfen leider weniger. Die gilt es auszubauen, etwa nach Triest und Koper. Das ist sehr wichtig, um unseren Standort aufrechtzuerhalten.

Stichwort Fernverbindungen: Wie stehen Österreichs Chancen für die neue Seidenstraße?

Wir haben da eine wichtige Forderung, nämlich die Breitspurverlängerung. Die ist für den China-Verkehr unerlässlich. Hier an der neuen Seidenstraße zu partizipieren und die Breitspurverlängerung nach Österreich zu bekommen, ist eine historische Chance, die man keinesfalls verpassen darf. Wir brauchen einen Breitbahnterminal. Dafür gibt es zwar einen Regierungsbeschluss, aber den gilt es jetzt relativ rasch umzusetzen.

Wie gut funktioniert der Verkehr nach Südosteuropa und Asien heute?

Er funktioniert gut, die Branche profitiert hier von der guten Konjunktur, weshalb das Wachstum durchaus passabel ist. Nach Asien aber gibt es zwei Komponenten: Auf der einen Seite steht die Arbeit der Speditionen und Logistiker, wo es eben Wachstum gibt.

Auf der anderen Seite steht die Politik, wo manche Nachbarländer mehr tun – denken Sie nur an Ungarn, das erst vor Kurzem direkt beim chinesischen Staatspräsidenten für den Ausbau der Seidenstraße lobbyiert hat. Immerhin kann ein solches Projekt für beide Seiten mehr Wertschöpfung bringen.

Welche Möglichkeiten gibt es für den intermodalen Verkehr?

Intermodalität ist heute unglaublich wichtig, gerade in unserer Branche. Je schneller der Umstieg einer Ware vonstattengeht, desto besser. Hier ist die öffentliche Hand gefordert, etwas mehr in Richtung attraktiver Lösungen für KundInnen zu tun. Es braucht echte Anreize für Spediteure.

Derzeit wird die Schiene gefördert, aber nicht derjenige, der die Ware wirklich bewegt. Solange das nicht der Fall ist – Stichwort Anbindung von Terminals an den Schienenverkehr – ist die Schiene weniger kompetitiv als sie sein könnte.