Die Hälfte des festen Siedlungsabfalls Europas soll bis 2020 in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden. Österreich zählt mit seinen 63 Prozent wie Deutschland (62), Belgien (58), die Niederlande (51) und die Schweiz (51) zu den Staaten, die bereits 2013 bessere Recyclingquoten für Haus- und ähnlichen Abfall, auch Lebensmittelverpackungen, erreichten (Quelle: EUA 2013).

Das klingt nach einem Wertstoffkreislauf, der ziemlich „rund“ läuft, Herr Österreicher …

Dietmar Österreicher, Fachbeamter für Gebrauchsgegenstände im Bereich Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz: „Das kann man schon so sagen.

Dietmar Österreicher
Referent Abteilung II/B/14 (Bereich Lebensmittel-sicherheit und Verbraucherschutz) im österreichischen Bundesministerium für Gesundheit

Wir haben auch für Lebensmittelverpackungen hierzulande gute Quoten bei PET-Flaschen, Karton/Papier und Metall.“

 

Spricht die Bestquote für das ausgeprägte Bewusstsein der österreichischen Verbraucher für das Thema Wertstoff-Recycling?

„Ganz sicher. Ich glaube, es wird die Sinnhaftigkeit gesehen. Gleichwohl der Gedanke der Wiederverwertung sich noch stärker ausbauen ließe. Es sind ja trotzdem noch gewaltige Ressourcen, die als Müll verbrannt oder deponiert werden.“

Wie ließe sich das Bewusstsein des Verbrauchers beeinflussen, sodass er sich noch stärker als aktiver Teil des Verpackungskreislaufs wahrnimmt?

„Die positive Bilanz von heute, u.a. gegründet auf bewusstem Tun wie Mülltrennung, Recycling aber auch Einsparen von Verpackungen, ist von recht kurzlebiger Natur. Unsere Vernunftbegabung fordert zunehmend umweltbewusstes Handeln; und den nachkommenden Verbrauchern muss immer wieder neu bewusst gemacht werden, was es heißt, nachhaltig mit Ressourcen umzugehen. Die zugehörige Aufklärung ist als Daueraufgabe zu sehen.“

Die Erwartungen an Lebensmittelverpackungen sind heute sehr hoch. Ihre Sicherheit ist uns nahezu selbstverständlich…

„Mit Recht! Gesunde und sichere Lebensmittel sind ein hohes Ziel, daran hat auch die Verpackungstechnologie ihren Anteil. Der Verbraucher darf sichere Verpackungen erwarten! Und er wird nicht enttäuscht: So sicher wie heute waren Lebensmittel nie verpackt. Doch mit neuen Technologien der - heute beinahe pharmazeutisch rein – produzierenden Lebensmittelindustrie kommt auch ständig Neues auf den Verbraucher zu. Er soll wissen, was er kauft und warum es gerade so verpackt wurde. Manch moderne Verpackung kollidiert mit dem traditionellen Umgang mit Lebensmitteln. Das muss dem Verbraucher erklärt werden!“

Besteht die Gefahr, dass Hersteller ihre Produkte mit Hilfe einer hübschen Verpackung „veredeln“?

„Ab und zu findet man noch Mogelpackungen, das kommt nicht gut an. Man braucht auch nicht jedes Wurstradl extra zu verpacken!Verpackung braucht nicht hässlich zu sein, aber sie soll ihren Zweck erfüllen, und ist zugleich auch Informationsträger. Am wichtigsten ist uns die Sicherheit. Doch in Europa haben wir Behörden das ganz gut im Auge. Dafür sind Zertifikate, Normen und nicht zuletzt ganz unaufgeregte Kontrollen ja da.“

Das klingt entspannt …

„Es hilft ja nicht, in Hysterie auszubrechen und laut aufzuschreien - und reißerisch zu berichten (lacht) -, wenn wir dank neuen Wissens entdecken, dass eine Verpackung nicht (mehr) unseren Erwartungen genügt. Es muss schließlich erst einmal eine Alternative her, die tatsächlich besser ist. Das kann gewisse Zeit dauern.“

Und darum bemühen sich die Hersteller?

„Offensichtlich. Die einen mit größerem Erfolg als die anderen. Und da gibt’s ja auch noch die gesetzlichen Vorschriften. Ich verstehe aber auch, wenn mancher fragt: ‚Muss die Verpackung überhaupt sein?‘ ‚Warum gerade diese?’ Der Verbraucher sollte wissen, was der Hersteller alles dafür tut/ tun muss, damit sein Produkt einwandfrei und sicher beim Konsumenten ankommt.“

Auch was die Verpackung kostet?

„Auch das. Eine sichere Lebensmittelverpackung hat ihren Preis.“