Univ. Prof. Dr. Ing. DI Prof. eh. Dr. h.c. Wilfried Sihn
Geschäftsführer des Fraunhofer Austria Research Instituts, Professor am Institut für Managementwissenschaften der TU Wien

„Die Zukunft liegt in der Lean Production, einer schlanken und effizienten Produktion“, erklärt Prof. Dr. Wilfried Sihn, Geschäftsführer des Fraunhofer Austria Research Instituts.
 
Die Idee der Lean Production hat ihren Ursprung bei Toyota in Japan. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen dem Unternehmen wenig Mittel zur Verfügung, trotzdem musste höchste Qualität geliefert und durften möglichst keine Fehler gemacht werden. Aus dieser Notsituation heraus ist die Idee entstanden, möglichst lean, das heißt möglichst schlank zu produzieren. „Letztlich geht es darum, den Produktionsprozess so zu gestalten, dass mit dem geringsten Einsatz das bestmögliche Ergebnis herauskommt“, erklärt Dr. Wilfried Sihn, Professor am Institut für Managementwissenschaften der TU Wien und Geschäftsführer der Fraunhofer Austria Research.

Strategieentwicklung durch Analyse

„Österreich ist ein Hochlohnland. Gegenüber China oder Indien können wir bezüglich (Lohn)Kosten kaum punkten. Wir müssen versuchen, die Produktivitäts-, Qualitäts- und Logistikkosten nachhaltig zu senken, um am Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein.“

Lean Production als Oberbegriff besteht aus einer Vielzahl von Methoden, Tools und Vorgehensweisen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens, die je nach aktueller Zielsetzung des Unternehmens variabel angewandt werden. „Als allererstes muss aber die Frage stehen, wo ein Unternehmen im Vergleich zur globalen Konkurrenz steht. Anschließend müssen Strategien und Maßnahmenpläne erarbeitet werden“, erklärt Prof. Dr. Sihn.

Kombination zweier Welten unter Industrie 4.0

In jüngster Zeit werden unter dem Begriff „Industrie 4.0“ oftmals Lean Elemente zur Prozessverbesserung eingesetzt. Industrie 4.0 ist eine sehr erfolgreiche Initiative, die 2012 in Deutschland geboren wurde. Deren Grundsatz ist es, möglichst innovativ zu produzieren, um auf dem Weltmarkt bestehen zu können.

„Industrie 4.0 ist eine Kombination aus zwei Welten: Der Cyberwelt, die aus Informations- und Kommunikationstechnologie besteht, und der physischen Welt der Produkte und Prozesse. Es gibt Branchen, wo der Leistungsdruck größer ist als bei anderen, etwa im Maschinenbau, der Elektronik oder Autozulieferbetrieben,“ so Sihn. In diesen Unternehmen gäbe es öfter Ansätze für Lean- bzw. Industrie 4.0-Aktivitäten.

Intelligente Roboter und moderne Fabrik

Der Trend geht heute ganz eindeutig in Richtung der Mensch-Maschinen-Kopplung. Roboter sind heute wesentlich intelligenter und so in der Lage, z.B. in Montageprozessen eng mit Menschen zusammenzuarbeiten. Bestimmte schwere Tätigkeiten kann so beispielsweise der „Kollege“ Roboter ausführen. Durch ihre Sensorik erkennen sie, wo sich der Mensch gerade befindet und können diesen unterstützen, ohne ihn zu gefährden. Dadurch wird es u.a. möglich sein, ältere Mitarbeiter länger in der Produktion zu beschäftigen, weil ihre körperliche Belastung geringer wird, sie aber ihr großes Wissen und ihre Erfahrungen in den Prozess einbringen können. „Die Fabrik der Zukunft eines österreichischen Unternehmens muss in Österreich bleiben. Wir müssen Produktionsstrukturen schaffen, mit denen wir konkurrenzfähig sind, und dazu brauchen wir hochinnovative Produkte und Prozesse“, unterstreicht Sihn und ergänzt, dass im Zentrum dennoch immer der Mensch stehen muss. „Die Zukunft der österreichischen Fabriken liegt bei den Menschen, die darin arbeiten. Das wird unser entscheidender Vorteil sein!“