o.Univ.-Prof. Dr. phil.Dr.h.c.mult. Bruno Buchberger
Gründer des Forschungsinstituts RISC der Johannes Kepler Universität und Leiter des Softwareparks Hagenberg.

Software macht das universelle Werkzeug „Computer“ (PC, Laptop, Handy, Hochleistungsrechner,…) für jede mögliche Problemstellung in Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft zum individuellen Problemlöser. Software ist konzentrierte Intelligenz, konzentriertes Know-how, konzentrierte Problemlösekompetenz. 

Die Entwicklung von Software ist eine hohe Kunst, die Sprachpräzision und Analytik genauso umfasst wie ästhetische und künstlerische Prinzipien des Erfindens und Entwerfens. Softwareentwicklung involviert die subtilsten Ebenen der Logik und Mathematik genauso wie Detailwissen in der sich ständig erneuernden Landschaft von Sprachen und Systemen und Fachwissen in den Anwendungsgebieten. Ein Land, das technologisch, wissenschaftlich und wirtschaftlich auch in Zukunft ganz vorne dabei sein möchte, muss daher in der Lage sein, sein Know-how und seine Problemlösekompetenz in Software zu gießen, und muss größten Wert darauf legen, in dem intellektuellen Magma von Logik, Mathematik, Informatik und Software („Denktechnologien“) die besten Kräfte aus der ganzen Welt anzuziehen und in einem vibrierenden Netzwerk zwischen Forschung, akademischer Ausbildung, wirtschaftlicher Umsetzung und Investment- Kapital zu Spitzenleistungen anzuregen.

Die österreichischen akademischen Forschungs- und Bildungseinrichtungen in diesem Bereich haben deshalb eine zentrale Zukunftsaufgabe. Es gibt in Österreich bereits einige Spitzeninstitutionen im Bereich der Denktechnologien mit weltweitem Ruf. Diese Bastionen müssen ausgeweitet werden und dazu benutzt werden, die Software-begeisterte Jugend aus der ganzen Welt nach Österreich zu bringen, um so in modernen Bereichen der Software (beispielsweise Semantic Web, Cloud Computing, Softwareunterstützte Softwareentwicklung, Entwurf und Verifikation sicherer Systeme, Software für komplexe technische Anwendungen, Künstliche Intelligenz, Symbolic Computation etc.) technologische Führerschaft auszubauen.

 

„Die Wirtschaftsposition Österreichs am Weltmarkt kann nur durch Aufbau höchster Kompetenz im Softwarebereich gesichert werden.”

 

Es wäre außerordentlich gefährlich, wenn der zentrale Bereich der Software-Entwicklung so wie schon viele andere Bereiche, dem „Outsourcing“ zum Opfer fiele. In diesem Zusammenhang ist es erfreulich, dass zum Beispiel im neuen österreichischen Vorzeigeinstitut ISTA (Institute für Science und Technology Austria) den Denktechnologien und ihrer nahtlosen Verknüpfung mit den anderen Bereichen der Wissenschaft ein wichtiger Stellenwert zugewiesen wird. 

Genauso erfreulich ist es, am anderen Ende der Skala, dass sich inzwischen an mehreren Technologie- und Wirtschaftsstandorten in Österreich, Cluster von jungen ITFirmen mit Geldgebern (Venture Capitalists, Equity Capitalists und Business Angels) zusammenfinden, um österreichischen Softwareinnovationen einen weltweiten Markt zu öffnen.

Die Verbindung zwischen Forschung und Business im Software- Bereich wird durch die akademischen Ausbildungsinstitutionen (Universitäten und Fachhochschulen) geschlossen, die im Bereich Software und Informatik in Österreich hohes Niveau bieten. Es kommt jetzt darauf an, diese einzelnen Inseln in Software-Forschung, -Ausbildung und -Business in Österreich, als gemeinsame österreichische „Software- Szene“ abzurunden und aufzufüllen und am internationalen Markt, sowohl den jungen Fachkräften als auch des fast unerschöpflichen Magmas der Kundenwünsche, bekannt zu machen.