Die Internationalisierung der Wirtschaft eröffnet Chancen, bietet aber auch Risiken, die für den Bereich des Handels etwa daran liegen, dass ein immer größer werdender Teil der österreichischen Kaufkraft durch digitale Märkte ins Ausland abfließt. Schätzungsweise wandert jeder zweite Euro, den Herr und Frau Österreicher im Onlinehandel ausgeben, über die österreichische Landesgrenze. Damit verbunden ist ein Rückgang der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Österreichs, der Steuern und der Arbeitsplätze. Nur: Was tun?

Handel goes www

Immer noch gibt es eine Reihe österreichischer Handelsbetriebe, die online noch nicht aktiv sind. Wir sehen es daher als eine unserer zentralen Aufgaben, für das digitale Thema zu sensibilisieren.

2013 startete unsere erste Roadshow „Handel goes www“ mit allgemeinen Informationen über den Aufbau eines erfolgreichen Vertriebskanals. Im Jahr 2014 sind wir mit einer weiteren Informationsreihe durch die Bundesländer getourt und haben einerseits konkrete Fragen aus der Praxis beantwortet, andererseits einzelne Händler mit ihren digitalen Erfolgsgeschichten vor den Vorhang gebeten.

Auch heuer wurde eine Roadshow gestartet, die sich diesmal vor allem an jene Handelsbetriebe richtet, die bereits eine Website haben oder einen Webshop betreiben.

Es geht dabei etwa um Marktplätze, rechtliche Spezialfragen, Suchmaschinenoptimierung, Social Media und auch Content-Produktion.

Multichanneling

So wichtig es auch ist, sich mit dem digitalen Trend auseinanderzusetzen, so fatal wäre es für einen klassischen (also stationären) Handelsbetrieb, nur mehr auf online zu setzen. Natürlich ist jeder Einzelfall gesondert zu analysieren. Generelle Rezepte, die den wirtschaftlichen Erfolg garantieren würden, gibt es nämlich nicht. Grosso modo liegt das Geheimnis nicht in einen Entweder-Oder, sondern in einem Sowohl-Als auch.

Durch ein Multichannelling können verschiedene Kundenkreise angesprochen, gehalten und erschlossen werden. Den klassischen Konsumenten, der entweder im Geschäft oder im Internet einkauft, gibt es schon lange nicht mehr. Die einen informieren sich im Internet über das Produktangebot eines Händlers, bei dem sie dann ihre Waren abholen, die anderen lassen sich im Geschäft beraten und kaufen dann im Onlineshop.

Der sogenannte Beratungsdiebstahl läuft also in beide Richtungen. Es nützt nichts, diese Entwicklung zu beklagen, denn sie findet jedenfalls statt. Das einzig taugliche Mittel für den Händler ist es, die Stärken online und offline möglichst plastisch zu präsentieren, um sich in einem ständig ändernden Markt behaupten zu können.

Niemand darf sich von einem Internetauftritt oder einem Onlineshop das „Paradies für Händler“ erwarten. Nicht nur aus rechtlicher Sicht drohen nämlich eine Unzahl von Fallen. Auch wird der Wettbewerb zu anderen Händlern im Internet immer härter.

Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass mit der Digitalisierung ein Strukturbereinigungsprozess verbunden ist, der vielen Betrieben arg zu schaffen macht. Die Strategie dagegen kann aber nicht darin liegen, den Mut zu verlieren, sondern eben mit Multichanneling gegenzusteuern.