Worin sehen Sie die Vorteile des Einsatzes von Cloud-Services in Start-ups und KMU?

Molzberger: Den größten Vorteil für Start-ups sehe ich darin, dass beim Aufbau einer eigenen Infrastruktur keine hohen Kosten anfallen. Die bestehenden Ressourcen können stattdessen in die Weiterentwicklung der eigenen Lösung gesteckt werden. KMU können sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren.

Bürger: Ich sehe die Vorteile ebenfalls im Kostenbereich, da hier die Synergien der gemeinsamen Nutzung für kleinere Unternehmen am höchsten sind. Ein weiterer Vorteil ist die Skalierbarkeit, weil der Kunde nicht extra teure Hardware anschaffen muss, die eventuell nur kurz benötigt wird.

 

Worauf müssen Start-ups bei Cloud-Services achten – Stichwort: Datenschutz?

Bürger: Natürlich ist für viele Unternehmen Datenschutz eine heikle und kritische Sache. Aus rechtlicher Sicht ist hier zu beachten, ob es gegebenenfalls Vorgaben gibt, dass Daten ein bestimmtes Land nicht verlassen dürfen.

Molzberger: Am Thema Datenschutz kommt kaum ein Start-up noch sonst ein Unternehmen vorbei, wenn es um Cloud-Services geht. Firmen sollten sich fragen, welcher Anbieter ihre Anforderungen erfüllt und die entsprechenden Regularien einhält.

 

Sollten bestimmte Branchen beim Thema Cloud zurückhaltend sein?

Molzberger: Mir sind nur wenige Start-ups, mit denen ich in Kontakt war, bekannt, die eine eigene Infrastruktur aufgebaut haben. Eine gewisse Zurückhaltung, was die Cloud betrifft, gab es im Bereich Gesundheitswesen und Finanzdienstleister. Aber auch dort erfüllen Anbieter wie IBM die Anforderungen, etwa den Code of Conduct der EU-Kommission.

Bürger: Unserer Erfahrung nach ist das meist eine Frage der Philosophie des IT-Verantwortlichen. Start-ups neigen eher dazu, Daten außer Haus zu lagern, und bei KMU ist es oft eine Hybridlösung.

 

Unter welchen Voraussetzungen lohnt sich der Einsatz einer Cloud-Lösung?

Bürger: Um mit der Cloud arbeiten zu können, gibt es keine Hindernisse. Ich bin überzeugt, dass es kein Unternehmen gibt, das nicht in irgendeiner Art und Weise bereits mit einer Cloud-Lösung arbeitet.

Molzberger: Für Start-ups, die IT-basierte Lösungen, Software oder Services, über das Netz anbieten wollen, lohnt sich der Einsatz einer Cloud-Lösung definitiv. Bei mittelständischen Unternehmen steht die Frage im Mittelpunkt, wie es gelingen kann, Freiraum für Wachstum und Weiterentwicklung zu schaffen. Das kann bedeuten, dass KMU ihr Portfolio mit angrenzenden Themenfeldern erweitern und dabei auf digitale Lösungen setzen – etwa in der Cloud.

 

Welche Cloud-Lösungen würden Sie am ehesten empfehlen?

Bürger: Dies pauschal zu beantworten, halte ich nicht für seriös. Es kommt immer darauf an, was der Kunde benötigt oder was ihn in seinem Vorhaben weiterbringt. Dafür ist es wichtig, sich bei einem Gespräch kennenzulernen, um die Anforderungen und die heutigen Pain-Points zu verstehen. Wir arbeiten mit standardisierten Prozessen. Dennoch gleichen wenige Lösungen unserer Kunden komplett jenen anderer Kunden.

Molzberger: Wichtig ist es, sich mit sich selbst zu beschäftigen, sprich: in Form eines Design-Thinkings den eigenen Unternehmensstand neu zu betrachten und Innovationspotenzial zu identifizieren. Darauf aufbauend kann dann die passende Lösung und Cloud-Strategie für den Kunden identifiziert werden. IBM und seine Partner bieten Kunden dann eine Begleitung der Transformation durch entsprechende Consulting-Dienste an.

 

Wie geht die Einführung eines Cloud-Dienstes in einem Start-up vonstatten? Muss eigenes Personal bereitgestellt, Infrastruktur eingekauft werden?

Molzberger: Gerade Start-ups, die neu starten, haben zum überwiegenden Teil einen IT-Background. Dann reichen ein gut ausgestatteter Rechner zum Programmieren und MitarbeiterInnen, die die Umsetzung gestalten, aus, um mit der Entwicklung in der Cloud zu starten.

Bürger: Wir setzen uns mit den Kunden zusammen und führen ein persönliches Gespräch, um herauszufinden, was der Kunde genau möchte oder braucht, und was seine Ziele und Erwartungen sind. Personal muss nicht notwendigerweise eingestellt werden und es bedarf im Normalfall auch keiner neuen, teuren Infrastruktur.

 

Nach welchen Kriterien sollten heimische Start-ups bzw. KMUs ihren Cloud-Anbieter wählen?

Bürger: Bei der Auswahl würde ich auf Folgendes achten: Mit welchem Unternehmen kann ich mich am besten identifizieren? Mit einem großen Unternehmen mit vorgefertigten Produkten und Prozessen oder einem kleineren Unternehmen, das mit Produkten arbeitet, die für die eigene Lösung adaptiert werden können, und das mich persönlich betreut? In jeder Partnerschaft – privat wie im Berufsleben – sind Vertrauen und Respekt am wichtigsten.

Molzberger: Kunden nutzen genau die Services, die sie für die Entwicklung ihrer Produkte benötigen und bezahlen dann auch nur dafür. IBM unterstützt Start-ups gezielt und bietet etwa einen kostenfreien Zugriff auf die Cloud für zwölf Monate, um Unterstützung bei der Unternehmensentwicklung und Skalierung zu leisten. Auf unserer Cloud-Plattform findet sich ein reichhaltiges Angebot, von Infrastruktur- über Platform-as-a-Service-Leistungen bis hin zu Datenbanken und kognitiven Diensten, das individuell bepreist ist.