Ob Internet of Things oder Industrie 4.0: Welche Chancen bietet die fortschreitende Digitalisierung Unternehmen?

Beim Thema Digitalisierung können wir von einer Arbeitsplatzsicherung in Österreich und Europa sprechen. Das mag komisch klingen, aber Tatsache ist, dass es die Möglichkeit gibt, hochqualifizierte Arbeitsplätze zu sichern bzw. zu schaffen, weil wir in der Lage sind, aus der bestehenden Infrastruktur und den bestehenden Fertigungsprozessen Mehrwerte zu liefern.

Die Digitalisierung gibt uns die Möglichkeit, ernsthaft in Konkurrenz zu treten mit Ländern, die eine andere Gehaltsstruktur aufweisen. Das gelingt, weil einfache Tätigkeiten automatisiert werden können, auf der anderen Seite aber vermehrt Fachkräfte für hochqualifizierte Tätigkeiten benötigt werden. Dabei sind Hochschulen und Universitäten ein wichtiger Teil dieses digitalen Wandels, da sie neue Ausbildungsmöglichkeiten für diese zukünftigen Fachkräfte schaffen müssen.

Für welche Unternehmen sind diese Entwicklungen besonders wichtig?

Das Interessante an der Diskussion ist, dass wir immer von einer industriellen Revolution sprechen, aber eigentlich ist es vielmehr eine Revolution in der Gesellschaft. Sowohl die Konsumenten werden sich ändern, als auch die Produzenten und die Lieferanten. Im Grunde genommen kann sich niemand zurücklehnen und sagen, das geht mich nichts an, das betrifft mich nicht.

Es betrifft sowohl die produzierenden Bereiche als auch die Telekommunikationsbereiche sowie die Logistikbereiche. Ich selbst arbeite gerade an Projekten in zwei ganz unterschiedlichen Bereichen, nämlich Retail und Tourismus, und auch die sind von diesen Entwicklungen betroffen.

Wie wichtig sind Themen wie Datenschutz und Cybersecurity, gerade in Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung?

Themen wie IoT oder Industrie 4.0 ohne den Aspekt von Datenschutz und Cybersecurity zu diskutieren, ist fahrlässig. Hier sieht man auch von Unternehmerseite das Bestreben, entsprechend vorbereitet zu sein und Lösungen zu finden. Als Vater eines Teenagers sehe ich aber auch, dass die kommende Generation das Thema ganz anders betrachtet als wir heute.

Man muss damit rechnen, dass die kommenden Generationen mit Themen wie Datenschutz ganz anders umgehen werden. Die Diskussion, was sind schützenswerte Daten und was nicht, wird auch in Zukunft verstärkt zu führen sein. Ich denke, dass auch hier ein gesellschaftlicher Wandel bevorsteht, der tiefgreifende Auswirkungen haben wird.

Welche Lösungen im Bereich Datenschutz und Cybersecurity gibt es für Unternehmen?

Auf der einen Seite gibt es Gesamtlösungen, auf der anderen Seite gibt es eine Digitalisierungsinitiative, die momentan vonstattengeht. Da sieht man ganz deutlich, dass jeder Anbieter seine Nische sucht, da es oft keinen Sinn macht, alles im Gesamtpaket anzubieten. Dazu fehlen einfach die Kompetenzen und Möglichkeiten.

Es geht vielmehr darum, offene Plattformen zur Zusammenarbeit über Standardschnittstellen zu schaffen, die die Anbindung an verschiedene Systeme ermöglichen. Ein Teil meiner Aufgabe ist es, Kooperationspartner in Europa aus den unterschiedlichsten Bereichen zu finden, weil der Kunde erstens meistens bereits eine Installation irgendwelcher Art hat und zweitens der Kunde verschiedene Stärken von unterschiedlichen Anbietern nutzen möchte.

Worauf sollten Unternehmen beim Datenschutz besonders achten?

Man spricht beim Datenschutz meist über die Daten, aber nicht über den Weg, den die Daten gehen müssen. Natürlich müssen zum einen die Information in den Datenbanken selbst geschützt werden, zum anderen muss aber auch die Sicherheit in der ganzen Kette gewährleistet sein. Es muss also sichergestellt werden, dass ich das Endgerät, welches ich verwende, ebenfalls sicher mache.

Dabei ist es wichtig, die Datenübertragung selbst genauso zu sichern wie die Applikationen, die ich verwenden möchte. Dann muss ich noch sicherstellen, dass die richtigen Personen die richtigen Informationen in den Datenbanken nutzen können. Da ist es natürlich unsere Aufgabe, Kunden und potenzielle Kunden darauf hinzuweisen, dass das Thema umfangreich und komplex ist, wir aber gute Lösungen zur Verfügung stellen können.

Welche Entwicklungen und Digitalisierungstrends lassen sich für die Zukunft erkennen?

Eines ist klar, wir lieben zwar unsere Smart Phones und Tablets, aber in Wirklichkeit sind sie schon tot. Wozu brauche ich ein Smart Phone, wenn ich ein anderes Gerät habe, das die gleichen Funktionen bietet? In Las Vegas wurden bereits Autos präsentiert, die unsere Smart Phones ersetzen können. Ein weiterer wesentlicher Trend ist das Thema Tragbares.

Hier sprechen wir von Integration in Kleidung und Brillen. Wenn ich kein mobiles Endgerät mehr mitschleppen möchte, dann muss ich eben das nutzen, was ich ohnehin am Körper trage. T-Shirts lassen sich als Ein- und Ausgabegerät verwenden, um Informationen zu sammeln und abzurufen.

Das dritte Thema, das kommen wird, ist das intelligente Haus, nicht mehr in der Form von Smart Home, sondern auch um hier wieder den Zugang zum Internet zu gewährleisten. Häuser bieten bespielbare Oberflächen und es gibt bereits Prototypen von Wänden, auf denen man Inhalt aufspielen, anpassen und ins Internet stellen kann.

Wie steht es um Innovationen in Fertigungsprozessen?

An die Effizienzsteigerung im Fertigungsprozess glaube ich nicht mehr. Da wurde in den letzten Jahren schon sehr viel geleistet und es gibt aus meiner Sicht nicht mehr viel herauszuholen. Es geht mittlerweile weniger darum, effizienter zu werden, sondern vielmehr darum, ganz neue Modelle im Fertigungsbereich zu entwickeln.

Da kann es sein, dass man wieder weg vom Fließband und hin zur Modulbauweise geht, wo es eine Kooperation von Robotern und Menschen gibt. Dadurch wird die Schwerstarbeit erleichtert und die Arbeitsbedingungen werden für die Menschen verbessert.