O.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. A Min Tjoa
Vorstand des Instituts für Softwaretechnik und Interaktive Systeme an der Technischen Universität Wien

Cloud Computing bietet Unternehmen aber auch Privatpersonen eine kostengünstige, schnelle und einfache Möglichkeit Dienste und Daten mit hoher Verfügbarkeit über das Internet zu nutzen. Cloud Computing beinhaltet die Teilbereiche „Software as a Service“, wie zum Beispiel die Verwendung von Technologien für das Management von Kundenbeziehungen, „Storage as a Service“ für die Speicherung und Synchronisation von Dateien oder das Erstellen von Backups und „Infrastructure as a Service“ zur Bereitstellung von Rechnerleistung über das Internet.

Studien prognostizieren eine Verdreifachung des Cloud Computing Markts in Westeuropa bis 2014 auf ca. 13 Milliarden Euro.

Cloud Computing ist ein Geschäftsmodell, das insbesondere KMUs die Möglichkeit bietet sich auf ihre Kerntätigkeiten zu konzentrieren, den aufwendigen Betrieb von IT-Services externen Experten zu überlassen und damit erhebliche Kosten, beispielsweise für Personal, Hardware, Speicherplatz und Administration, einzusparen. Studien zeigen, dass insbesondere KMUs oft nachlässig mit der Sicherung ihrer geschäftskritischen Daten umgehen. Beinahe zwei Drittel der KMUs sichern ihre Daten nicht an einem externen Standort. Die Speicherung in der Cloud bietet eine kostengünstige Möglichkeit für die effiziente Datensicherung. Beispielsweise kann das Backup wichtiger Daten in der Cloud erfolgen und ist somit unabhängig von der Verwundbarkeit des eigenen Servers durch physische Bedrohungen wie Wasser, Feuer oder Diebstahl.

 

„Viele Unternehmen werden auf Grund der zahlreichen Vorteile mittelfristig nicht auf Cloud Computing verzichten können.“

 

Die größte Herausforderung für Cloud Computing besteht derzeit in der Lösung von Sicherheitsfragen. Die ungesicherte Speicherung und Verarbeitung von Daten in der Cloud bedeutet die Übertragung vertraulicher Daten in einen Bereich wo der Datenbesitzer, das heißt das Unternehmen, keinen Einfluss mehr darauf hat wo die Daten gespeichert werden und welcher Judikatur sie somit unterliegen, wer Zugriff auf diese Daten hat, beziehungsweise in welcher Weise diese Daten verwendet werden, wie oft die Daten dupliziert werden und wie lange diese Daten gespeichert werden. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben sind diese Fragen für Unternehmen, die ihre Daten in der Cloud speichern oder verarbeiten von höchster Priorität. Beispielsweise konfrontiert der neueste Entwurf der EU Datenschutzverordnung Anbieter und gewerbliche Nutzer von Cloud-Diensten mit neuen weitreichenden Sorgfaltspflichten und Strafen bezüglich Datenschutzverletzungen.

Die Verordnung wird für alle Organisationen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen innerhalb des EU-Raumes anbieten, gelten. Dennoch werden viele Unternehmen auf Grund der zahlreichen Vorteile mittelfristig nicht auf Cloud Computing verzichten können. Aus diesem Grund hat es sich das Institut für Softwaretechnik und Interaktive Systeme an der Technischen Universität Wien zum Ziel gesetzt, Lösungen für die transparente und sichere Datenspeicherung in der Cloud zu entwickeln. Diese Lösungen bieten eine Möglichkeit, Daten auf sichere Weise in der Cloud zu speichern. Der Dateninhaber kann anderen Benutzern den Zugriff auf seine in der Cloud gespeicherten Daten gewähren und diesen bei Bedarf auch wieder entziehen. Des Weiteren ermöglicht es dem Benutzer, seine Daten auf einfachste Weise redundant bei unterschiedlichen Providern zu speichern. Neben der ständigen Verfügbarkeit der Daten sind diese damit auch zusätzlich vor Datenverlust geschützt.