Können Sie uns einen kurzen Abriss Ihrer geschäftlichen Aktivitäten mit „Twingz“ geben?

Wir betreiben eine Kommunikationsplattform für Menschen und Dinge, also eine Internet-of-Things-Plattform, bei der Menschen mit Dingen kommunizieren und etwas über sie herausfinden können. Dazu haben wir seit 2011 Technologiekomponenten entwickelt, etwa das Zusammenbinden von Beschreibungsinformation und inhaltlichen Messwerten aus dem Inneren eines Gerätes.

Wie gut haben die Anfänge funktioniert?

Damals waren wir noch zu früh dran, zumindest für Europa, also haben wir Anwendungsfelder gesucht. Dazu haben wir mit 10.000 Menschen in Europa, Nordamerika und Südostasien über Smartphones und Tablets eine Studie durchgeführt und herausgefunden, dass diese Menschen den Wunsch nach einem Remote Monitoring haben – also Kenntnis zu einem Status, über Wartungsbedarf und ähnliches.

Daraus haben wir ein Geschäftsfeld entwickelt und damit gearbeitet, erneuerbare Energiequellen optimal nutzbar zu machen, zu monitoren und damit besser zu verstehen. Das ist aber nur eine unserer Tätigkeiten.

Können Sie noch andere nennen?

Vor rund zwei Jahren haben wir uns an ein ähnliches, aber doch anderes Feld gewagt. Dazu haben wir das vorherige Modell verallgemeinert: Jeder, der über seine Energieverbräuche genaueres wissen will, kann mit unserer Technologie vom Zählerdatenstrom weg analysieren, was hinter dem Zähler passiert, welche Geräte im Haushalt wie aktiv sind. Er braucht nicht mehr für jedes ein eigenes Messgerät und kann über unser Tool die Volumina genau abschätzen.

Wie war die weitere Entwicklung?

Vor einem Jahr haben wir uns bei Startupbootcamp beworben, einem Accelerator, woraus die Gründung unseres holländischen Standortes erwuchs. Mittlerweile haben wir auch die EnergyChallenge gewonnen und arbeiten heute mit innovativen Energieversorgern in Österreich eng zusammen.

Wie kam es bei Ihnen überhaupt zur ursprünglichen Gründungsidee?

Ich habe Nachrichtentechnik an der TU studiert, danach ein Postgraduate-Studium in Wissensmanagement absolviert und während des Studiums immer wieder in Sensor- und Übertragungstechnologieprojekten mitgearbeitet. Eines dieser Projekte war mit einem Medizintechnikhersteller, wo Kräfte- und Drehmomentmesseinheiten für die Raumfahrt hergestellt und dann im Austromir/Motomir-Projekt eingesetzt wurden.

Danach folgten Stationen im Software- und im Mobilfunkbereich. Ab 2009 habe ich darüber nachgedacht, wann das Internet der Dinge so weit sein würde. Außerdem war für mich als Familienmenschen das Thema Energie immer wichtig, weil man auch darüber nachdenken muss, wie man diese Welt überlässt. Dazu kommt, dass Energie am Markt eigentlich zu billig ist. Aus diesem Cocktail, um es so zu nennen, entstand die Idee.

So banal die Frage auch wirken mag: Warum braucht der Markt solche Lösungen?

Der wichtigste Punkt ist die Day-Ahead-Planung, also die Vorausplanung der Energieversorger. Diese handeln auf den Strombörsen jeweils Stromlieferungen für den folgenden Tag basierend auf aktuellen Verbrauchsprognosen aus, die von uns kommen. Da ergeben sich Effekte wie etwa, ob Kraftwerke gedrosselt oder gar nicht hochgefahren werden müssen.

Wir erhöhen die Planungssicherheit für Day-Ahead massiv. Aber auch für Sachversicherer, Immobilienentwickler oder Altenbetreuer sind unsere Produkte interessant, weil sie ein De-Risking für Gastronomiekunden anbieten können.

Zurück zum Haushaltsbeispiel: Vor wenigen Jahren gab es in Österreich Datenschutzbedenken wegen des Smart Meterings. Wie beurteilen Sie das?

Ich sehe das so: Wer unsere Applikationen einsetzt, der tut das so, wie er auch eine Fitness-App verwendet. Das postet man dann auch auf Facebook. Wenn man die Datensicherheit über lokale Verschlüsselung auf einer Qualitätsstufe wie beim E-Banking gewährleistet, damit Dritte nichts ausspähen können, dann existiert eigentlich kein Problem. Bei unseren Applikationen ist ausschließlich der Nutzer Eigentümer der Daten.

Informationen wie Verbrauchsprognosen, auf Basis der anonymisierten Daten generiert, können von Energieversorgern eingesetzt werden, um Kostenvorteile zu generieren, die dann im Wettbewerb an Kunden weitergegeben werden – und eine Menge CO2 einsparen. Es gibt aber Menschen, die keine Informationen über sich selbst geben wollen, z.B. diejenigen, die nie zum Arzt gehen, das soll unbenommen bleiben.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht in heute das Image einer Marke?

Gegenüber dem Kunden sind wir ein White Label, aber für die Stimmung im Unternehmen und die Gewinnung neuer Mitarbeiter ist das auch für uns sehr wichtig.

Haben Sie Ratschläge für jüngere Menschen, wie man sich heute aufstellen kann?

Neuen Trends offen gegenüberzustehen, ist glaube ich wichtig, weil sich in unserer Welt viel tut. Ich sehe einige Mankos im Bildungssystem – meine Kinder werden genauso unterrichtet wie ich vor 30 Jahren, bis auf eine ganz leichte Anzuckerung mit IT. Das genügt natürlich nicht, denn IT-Kenntnisse werden heute zur Kulturtechnik.

Ich empfehle daher, sich selbst Weiterbildungen zu suchen – das kann vom Fachkolleg über Online-Bildungsangebote gehen, die Auswahl ist ja mittlerweile riesig. Das auch durchaus ergänzend zur Schule oder Uni.