Österreich zählte in der Monarchie zu Zeiten von Handwerk und der ersten industriellen Revolution zu den weltweiten „Innovation Leaders“ und hat zahlreiche Erfindungen hervorgebracht, die mit Fug und Recht als disruptive Neuerungen zählen.

Mit Josef Ressel's Schiffsschraube, Josef Madersperger's Nähmaschine und – da bin ich als Alumnus der TU Wien besonders stolz – Heinz Zemanek's Mailüfterl, dem ersten Transistor-Computer auf dem europäischen Festland, haben wir an der Weltspitze der Innovation nicht nur mitgemischt, sondern dazumals die Zukunft geprägt.

Novitätenorchester

Heutzutage spielen wir im weltweiten Konzert der Innovationen bestenfalls eine Nebenrolle, abgesehen von einzelnen Hidden Champs, die auf dem internationalen Markt beachtliche Erfolge feiern. Wir sind bekanntermaßen bereits bei der vierten industriellen Revolution angelangt, die von den USA, China und Israel dominiert wird. Fundamentale Rolle bei allen Innovationen und Forschungen von Gentechnik bis zu intelligenten Materialien spielte stets die IT.

Ein Blick in die globale Werkstatt der Innovationen zeigt: Die Künstliche Intelligenz hat die kognitive Intelligenz des Menschen in vielen Teilbereichen überflügelt, unsere emotionale und soziale Intelligenz harren noch der Ablösung durch AI, dies ist offenbar nur mehr eine Frage der Zeit. Chatbots sind bereits so ausgeklügelt, dass wir gar nicht mehr unterscheiden können, ob uns eine Maschine oder ein Mensch bei einem Chat antwortet.

Datenbörse

Die Blockchain-Technologie disruptiert die gesamte Finanzbranche, ICO's (Inicial Coin Offerings) haben das Potenzial, Börsengänge als führendes Kapitalbeschaffungsinstrument abzulösen und sorgt für erhebliche Veränderungen in ganzen Branchen, beispielsweise für Zwischenhändler in der Energie- oder Versicherungsbranche.

Im Silicon Valley durchstreifen bereits hunderte selbstfahrende E-Autos testweise die Straßen mit dem Zweck, Daten im großen Ausmaß zu sammeln und zu verarbeiten. Die Technologie für selbstfahrende Autos kommt aber auch aus Österreich.

Fassen wir zusammen: Die IT hat schon längst nicht mehr den Rang eines Freifaches am Rande einer Schulausbildung, sondern treibt Fortschritt, Forschung und Wachstum an. Sie ist nicht nur der Motor für Innovation, ohne sie ist Innovation schlichtweg nicht mehr möglich. Und es herrscht ein weltweiter Kampf um die besten Köpfe und IT-Talente: Wer kann die dringend benötigten „Human Ressources“ ausbilden, ins Land holen und halten?

Teamplay

Ein Blick auf die Liste der weltweit wertvollsten Unternehmen macht die Schlagkraft der IT-getriebenen Start-ups deutlich. Haben die Ölbarone und Banken vor 15 Jahren noch klar die Liste der weltweit wertvollsten Unternehmen angeführt, mussten sie längst den „Silicon Valley Kids“ weichen. Apple, Google, Facebook und viele weitere IT-Konzerne, die allesamt von Pionieren und Visionären im Alter von Anfang 20 (!) gegründet wurden, dominieren heute klar die „Biggest Market Caps“.

Dabei sollte das Match nicht lauten: Unternehmen gegen Start-ups, die Tanker sollten vielmehr die Innovationsgeschwindigkeit der Start-up-Schnellboote nutzen und diese könnten wiederum vom Netzwerk und Know-how der Corporates profitieren. Die beiden konträren Unternehmenskulturen zu vereinen, bedarf es Fingerspitzengefühls und Erfahrung. Das Zusammenführen der beiden Welten birgt viele Chancen für die Zukunft des österreichischen Standorts.