Harald Pichler, MSc
Experte für Internet der Dinge und Datenmanagement/Big Data, Vorstand IoT-Vienna

Dachte man früher bei Internet der Dinge (IoT) daran, den Dingen während der Produktion Daten mitzugeben, wie Farbe oder andere Eigenschaften, wurde in den letzten Jahren daraus ein allumfassender Vernetzungsgedanke. Durch die globale Vernetzung via Internet und den Umstieg auf IPv6 steht dem IoT eigentlich nichts mehr im Wege. Es existieren nun genügend Adressen, um alle Dinge des Lebens über das Internet zu vernetzen.

Die fortschreitende Entwicklung von Mikrocontrollern und deren IP-Stacks ermöglicht eine Integration der Hardware in den Dingen und lässt die Hardware damit quasi unsichtbar werden. Werden nun die Daten dieser Dinge, die sie durch Interaktion mit ihrem Träger, dem Menschen, und seiner Umwelt generieren, durch IoT-Cloudsysteme gesammelt und verarbeitet, entstehen neue Perspektiven und Möglichkeiten für alle Beteiligten wie Mensch, Politik und Industrie.

Keine Branche bleibt verschont

Die digitale Revolution durch das Internet nimmt immer stärker an Fahrt auf. Waren es früher die Softwarebranche, Computerhersteller und Telefonhersteller, die diese Entwicklung zu spüren bekamen, sind nun alle Branchen betroffen. Wer nicht durch Innovationen mithalten kann, geht unter. Es wird also in Zukunft nicht reichen, in der Produktion dem Gedanken der „Old Economy“ nachzugehen, Produkte zu verbessen, und als neue Generation auf den Markt zu bringen.
Industrie 4.0 bedeutet auch, das eigene Geschäftsmodell in Frage zu stellen. Es genügt nicht mehr, nur exzellente Produkte herzustellen, es sind auch entsprechende digitale Dienstleistungen notwendig.

Aus Produzenten werden Dienstleister

Durch die Vernetzung und deren in Cloudsystemen gespeicherten Daten, ergeben sich gepaart mit neuen Softwaresystemen zur Datenanalyse wie „Big-Data-Analysis“ mit „Artificial Intelligence“ neue Möglichkeiten, effizienter zu produzieren, neue Geschäftsfelder frühzeitig zu erkennen, Österreich und Europa durch eine „Digitale-Reindustrialisierung“ auf Augenhöhe zu halten und autarker zu machen. All diese Entwicklungsmöglichkeiten sind weltweit auch in der Logistik, der Nahrungsmittelindustrie, dem Bankwesen, dem Gesundheitswesen und der Landwirtschaft zu beobachten.

All diese Entwicklungen, die den Rahmen von Industrie 4.0 überschreiten, können unter dem Begriff „Economy 4.0“ zusammengefasst werden. Das Konzept Industrie 4.0 wird seine volle Wirkung nur dann entfalten können, wenn es branchenübergreifend analog angewendet wird und sich die Industrie mit diesen vernetzt.

Vernetzung von Maschine und Mensch

Allmählich wird auch den Schwergewichten der europäischen und österreichischen Industrie bewusst, dass sie ihre Unternehmen komplett umbauen müssen. Altes vergeht, Neues entsteht und hier zeigt sich das wahrhaft Revolutionäre am Internet der Dinge: All diese in den letzen Jahren entstandenen „Digitalen Geschäftsmodelle“ der Internetkonzerne machen es vor. Sie stellen den Menschen und dessen Daten in den Vordergrund.

Die Daten sind der Schatz und wer sie kontrolliert, der kontrolliert den Kunden. Werden diese Regeln auch in der produzierenden Industrie angewendet, könnten sich für Unternehmer viele neue Chancen ergeben, wie neue Geschäftsmodelle, neue Vermarktungsformen, stärkere Kundenbindung und daraus auch neue Einnahmequellen erschließen.

Neuartige Technologien

Innovation ist anstrengend. Wie aufwendig es ist, an vorderster Front der Innovationen zu bleiben, lassen die Investionssummen eines großen deutschen Autobauers erahnen. Es wurden 11,5 Milliarden Euro in die Zukunft Investiert. Das Streben nach Innovationen ist auch ein Beschäftigungsmotor. 46.000 Forscher und Entwickler sowie 10.000 Softwareentwickler arbeiten an der Mobilität der Zukunft. Man sollte sich durch solche Zahlen aber nicht abschrecken lassen. Immer öfter zeigen innovative kleine Start-ups in den verschiedensten Branchen den Großen, wie es gemacht wird. Seien es 3-D-Drucker oder druckbare Schaltungen, die über kurz oder lang auch im Internet der Dinge Einzug halten werden. Die Zukunft ist spannend.