„Industrie 4.0“ ist in der Wirtschaft in aller Munde. Was aber verbirgt sich genau dahinter?

Das Thema hat viele Facetten. In der Produktion etwa lässt sich eine höhere Effizienz erzielen, indem bestehende Maschinen besser ausgelastet werden. Möglich wird das, indem wir verstärkt Daten sammeln und nutzen. So lassen sich viel mehr Bereiche als zuvor detailliert analysieren, um die Produktivität insgesamt zu steigern. Maschinen reagieren zunehmend flexibler.

Auch die Qualitätskontrolle kann hier bei jedem Arbeitsschritt durchgeführt werden. Früher geschah das meist nur am Anfang und am Ende.

Wie macht sich Österreich bei dieser Entwicklung?

Wir stehen gut da: Österreich befindet sich hier auf einem Niveau mit Deutschland und der Schweiz. Es tut sich viel in der Forschung wie auch bei der Aus- und Weiterbildung. Dazu trägt eine Reihe von bundesweiten Initiativen in den Ländern bei. Dass von öffentlicher Seite die notwendige Infrastruktur in dieser Form zur Verfügung gestellt wird, bringt im Blick auf die digitale Transformation schon vieles weiter.

Wenn aber Maschinen immer intelligenter und produktiver werden, bedeutet das nicht auch, dass man weniger Arbeitsplätze braucht?

Es gibt eine ganze Reihe von Prognosen, in welche Richtung es geht. Unsere Annahme aber ist, dass durch diese Entwicklung 12 Prozent der bestehenden Arbeitsplätze wegfallen, aber insgesamt wiederum mehr Jobs entstehen werden. Mithilfe von digitalen Assistenzsystemen können etwa Menschen mit Behinderung in Arbeitsprozesse integriert werden, die ihnen vorher nicht offen standen. Besonders wichtig ist es, die Weiterbildung effizient zu gestalten.

Der generelle Trend in einem digitalen Umfeld zeigt in Richtung Höherqualifizierung. Es ist aber auch klar, dass man jemanden aus der Produktion nicht von heute auf morgen zum IT-Spezialisten umschulen kann.

Ist das der Grund, warum nicht jedes Unternehmen diesen Prozess mit offenen Armen aufnimmt?

Insbesondere kleinere Firmen ohne eigenen IT-Spezialisten fassen das Thema nicht so gern an. Dabei muss sich insbesondere um das Thema Datensicherheit jedes Unternehmen kümmern. Die tägliche Auftragsbearbeitung hat jedoch meistens Vorrang gegenüber strategischer Planung. Das hat auch damit zu tun, dass vielfach immer noch die Meinung besteht, dass die Digitalisierung eines Unternehmens von 0 auf 100 geschehen muss. Dabei ist das ein Prozess mit vielen Phasen.

Was raten Sie denn auf diesem Weg?

Sich nicht zu fürchten. Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen, wie mit vielen kleinen Schritten auch mittelständische Unternehmen eine sehr erfolgreiche Digitalstrategie erarbeitet haben. Und das bedeutet auch nicht, dass die Technologie die ganze Firma übernimmt. Maschinen sind weiterhin vor allem gut darin, monotone Tätigkeiten auszuüben. In vielen anderen Bereichen kann es aber immer noch der Mensch deutlich besser.