"Old hardware companies will have to fight extinction.“ - meinte Werner Vogels, CTO von Amazon. (20.6.2012 gigaom.com)

Cloud-Computing ist der Supermarkt der Informationstechnologie bzw. wird es werden. Die Schere zwischen IT von der Stange und maßgeschneiderten Services wird immer weiter aufgehen. Damit auch die Abhängigkeit von den Providern und Standardlösungen. Dies ist ein schwer reversibler Vorgang. Cloud-Computing bedeutet zwangsläufig immer stärkere Standardisierung. Damit werden auch die Skills in Betrieben, aber auch in der öffentlichen Verwaltung laufend geringer.

Prof. Dr. Reinhard Posch
Chief Information Officer der Bundesregierung

Die Herausforderung ist es, dennoch das Know-how zu besitzen, neue Entwicklungen - die über Cloud-Computing hinausgehen - zu bewerten. Standardisierung in der Cloud ist aber in einem beachtlichen Umfang Hersteller spezifisch – im Datenhaltungs- und Zugriffsmodell, bei der Zugangssicherung, bei der Kommunikation mit dem Benutzer und mit anderen Services etc.

Neue Herausforderungen

Wir tauschen Angreifbares gegen vertraglich Abgesichertes, dem müssen die Geschäftsmodelle Rechnung tragen und insbesondere Veränderungen und neue Entwicklungen stand halten. Das bedeutet die Wiederausstiegsszenarien berücksichtigen, was den CRM-Modellen der Cloud Provider entgegenläuft, die in einem Kampf um die Marktanteile große Vorleistungen bis hin zu kostenlosen Services erbringen und diese wieder zurück bekommen wollen.

Das rechtliche und vertragliche Umfeld ist spannend. Insbesondere in der öffentlichen Verwaltung sind Verträge nach inländischem Recht der Standard. Dieses Modell lässt sich in der Cloud nicht aufrechterhalten. Datenschutz und Patriot Act stellen zusätzliche Herausforderungen dar. Dies gerade auch deswegen, weil Verschlüsselung ohne Zugang durch den Cloud Provider kaum praktikabel ist. „Das National Security Telecommunications Advisory Committee des US Präsidenten warnt die Regierung davor, Daten vorschnell in die Wolken zu verlagern.“ (16.7.2012 heise online)

Es geht um Vormachtstellungen nicht nur von Firmen, sondern von Wirtschaftsräumen. Kommissarin Kroes versucht in diesem Umfeld durch die „European Cloud Partnership“ und entsprechenden Projekten bzw. Fördermaßnahmen, den Standort Europa zu positionieren.

Vom Nutzer zum Systemadministrator

Die Situation wird durch die Verbreitung und den Komfort von mobilen Geräten zusätzlich angeheizt und die Wünsche und Erwartungen der Nutzer verstärken dies in einem Umfeld, wo jeder ohne sein Wissen zum Systemadministrator wird. Mobile Geräte sind aus Sicht der Integration vollwertige Endgeräte - mit allen Möglichkeiten und Gefahren. Dennoch haben sie keine “Anschlüsse“ und erfordern daher neue Konzepte im Bereich des Faktors Sicherheit. Österreich ist auch hier mit der „Handy-Signatur“ und dem „Bürgerkartenkonzept“ in der vordersten Linie und damit im Punkt Sicherheit gut aufgestellt.

Das Bewusstsein und damit die Bereitschaft bei den Endbenutzern bedarf allerdings eines wesentlichen Anschubes. Wissen und Werte von Firmen und Behörden wandern in das Netz. Damit wird eine qualitätsvolle elektronische Identifikation eine Grundvoraussetzung. Der nächste Schritt Internet und Prozessorplattformen haben gezeigt, dass der Markt nach einer Phase des Sturm und Drang auch die Großhersteller früher oder später in eine standardisierte Landschaft drängen wird.

Standards, Kryptographie und Sicherheit, Service Levels und Consumer-orientierte Vertragssituationen werden früher oder später Cloud-Computing als die nächste Abstraktionsstufe in der IKT standardisieren und damit neuer Wein in neuen Schläuchen sein.