Zu Hause ist es doch am schönsten. Und besser arbeiten lässt es sich dort angeblich auch: Eine Studie der US-Universität Stanford von 2013 kam zu dem Ergebnis, dass Heimarbeiter produktiver sind. Sie machen kürzere Pausen, fallen nur halb so oft aus und kündigen auch seltener als die Kollegen im Büro.  

Kein volles Haus

Das scheinen auch immer öfter die Arbeitgeber zu bemerken. Statt das „Home Office“ als Synonym für's Blaumachen zu beargwöhnen, motivieren die Chefs selbst zunehmend ihre MitarbeiterInnen dazu, vermehrt von zu Hause zu arbeiten. 

So kommt zum Beispiel die Wiener Zentrale von Microsoft mit erheblich weniger Platz aus als für die rund 300 MitarbeiterInnne normalerweise angebracht wären. Die Kalkulation: Bei einer Flexibilisierung der Zeiten und vermehrtem Arbeiten von zu Hause ist die Belegschaft zum selben Zeitpunkt nie vollständig anwesend.

Familie statt Kollegen

Kostenersparnisse bei steigender Produktivität freuen Unternehmer, aber vor allem für den Arbeitnehmer hat das Vorteile. Stressige Anfahrten fallen weg und der Ärger des Unternehmensalltags bleibt einem zu Hause weitgehend erspart. 

Eine selbstbestimmte Einteilung des Arbeitspensums erlaubt es zudem, punktuell mehr Zeit der Familie oder sich selbst zu widmen, anstatt dafür den Feierabend reservieren zu müssen. Das sorgt insgesamt für einen größeren Erholungseffekt. Und zusätzlich bleibt einem daheim die Einrichtungstristesse vieler Unternehmen erspart, da man hier leicht sein eigener Innenarchitekt sein kann.

Offen für neue Wohnkonzepte

Wer behauptet, früher sei alles besser gewesen, möge mal einen Blick in altbekannte Raumsituationen werfen: Da wurden Arbeitszimmer in lichtlosen Kellern untergebracht, es gab Nasszellen statt Wohlfühlbäder und Küchenschläuche, in denen man sich zum Kochen von Familie und Gästen abkapseln musste.

Daneben gab es kinderfreie Wohnzimmer, die nur selten genutzt wurden, und Esszimmer, die zu nichts anderem dienten. Das ist lange her, aber so lange nun auch wieder nicht. Seither fielen die trennenden Wände nicht nur zwischen Küche und Wohnbereich – auch zwischen Bett und Badezone braucht heute nicht jeder eine Wand. So weit kann, aber muss man nicht gehen, um das Prinzip des offenen Wohnens als nachahmenswerten gesellschaftlichen Trend anzuerkennen.

Kommunikatives Wohnen

Sich mitzuteilen gilt heute als ebenso zeitgeistig, wie das Teilen von Dingen und Räumen. In offenen Wohnkonzepten ist kommunikatives Miteinander angesagt und die gegenseitige Teilnahme am Leben ist willkommen. Zeit gemeinsam zu verbringen, wo diese oft so knapp ist, hat einen hohen Stellenwert sei es mit Familie und Partner oder im Freundeskreis.

Dem Wunsch nach gemeinschaftlichen Wohn- und Lebensräumen werden die zunehmend offeneren Grundrisse gerecht. Die kommen mit geringstmöglichen starren Vorgaben aus, können je nach Bedarf umgestaltet und von allen Altersgruppen genutzt werden. Der Lebensraum wirkt großzügiger, weil viele kleine Räume zu wenigen größeren verschmelzen.

Das Allroundtalent

Das stellt auch besondere Anforderungen an die Entwicklung von Möbeln: Sie müssen einerseits in konventionellen Räumen funktionieren und anderseits der neuen Offenheit begegnen. Die findet ja gleich auf zwei Ebenen statt: Die Menschen werden offener, zu teilen und zu tauschen und sie leben in offener gestalteten Räumen.

Ein typisches Möbel für solch wechselnde Anwender ist der Schreibtisch und Bürostuhl. Morgens genutzt als Stehpult um eben schnell die Post zu lesen, nachmittags als Lernplatz für die Kinder, die hier ihre Hausaufgaben machen und am Wochenende mit dem Anspruch an ein professionelles Büromöbel, weil komplett als „Home Office“ genützt.

Möbel müssen deshalb sowohl flexibel nutzbar sein, als auch eine Designsprache sprechen, die altersunabhängig ankommt. Altersunabhängigkeit heißt aber auch, dass sie sich an unterschiedlichste Körpergrößen – vom Kleinkind bis zum Erwachsenen – anpassen lassen. Und sie müssen sich visuell verändern lassen – schließlich werden einzelne Bereiche als Zonen gestaltet, die optisch miteinander harmonieren sollten. Fließende Übergänge können auch durch einzelne Möbel geschaffen werden, die Farben oder Formen von anderen Einrichtungsgegenständen wiederholen.