Wie verändert sich die Bahnhofs-Infrastruktur mit der Entwicklung der Stadt?

Karner: Durch den Neubau des Hauptbahnhofes hat sich die Gesamtkonfiguration verändert. Aus zwei Bahnhöfen wurde einer. Damit konnte der Flächenbedarf für die Bahn reduziert werden und stand der Stadtentwicklung zur Verfügung. Das neue Bahnhofsgebäude wurde an der Schnittstelle des innerstädtischen Verkehrs situiert.

Hier treffen sich die U-Bahn, die S-Bahn, die Regional- und Fernzüge sowie die innerstädtischen Busse und die Überlandbusse. Als zentraler Verkehrsknotenpunkt bietet es ideale Voraussetzungen für Bürogebäude, Geschäftslokale und Hotels.

Was ist das Besondere am neuen Bahnhof?

Karner: Mit einer Fläche von 109 Hektar Fläche ist das Gesamtprojekt Hauptbahnhof Wien eines der größten Bauprojekte der letzten Jahrzehnte. Dabei wurde der Bahnhofsneubau mit der Entwicklung eines Stadtviertels verbunden. Der Bahn-Infrastruktur-Anteil des Gesamtprojekts erstreckt sich auf ca. 50 Hektar, auf den verbleibenden ca. 59 Hektar entsteht um den Bahnhof bis 2020 ein ganzes Stadtviertel.

Pro Tag bewegen sich durchschnittlich 120.000 Personen am Areal des Hauptbahnhofs.“ - Johannes Karner, Geschäftsführer Geschäftsführer des ÖBB-Immobilienmanagement GmbH

Das südliche „Sonnwendviertel“ ist primär ein Wohnviertel. Im gesamten Areal werden ca. 13.000 Menschen in ca. 5.000 Wohnungen wohnen. Der nördliche Teil, das „Quartier Belvedere“, ist ein Büroviertel. Das neue Stadtgebiet wird Wohnungs- und Arbeitsstätte für 30.000 Menschen sein.

Im Bahnhofsgebäude selbst befindet sich auf rund 20.000m2 die sogenannte „BahnhofCity Wien Hauptbahnhof“ mit rund 90 Geschäften und Lokalen. Unterhalb der Bahnflächen befindet sich eine Garage für mehr als 600 Autos und es gibt zwei Fahrradgaragen.

Wie gewährleistet man in einem so großen Gebäude Sicherheit?

Pirkl: Der Hauptbahnhof verfügt über eine eigene Leitstelle, die redundant ausgelegt ist, damit alle Funktionen im Störfall von einer anderen Leitstelle übernommen werden können. Sie ist mit zwei MitarbeiterInnen permanent besetzt, um das Geschehen am Hauptbahnhof im Überblick zu behalten. Dazu befinden sich im Gebäude über 500 Kameras. Ebenso sind sechs Security-MitarbeiterInnen 24h am Tag, sieben Tage die Woche im Einsatz und es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei.

Des Weiteren gibt es ein umfangreiches Brandschutzkonzept, welches im Brandfall eine automatische Räumung des Bahnhofs vorsieht. Der Bahnhof ist mit einer permanenten TUS-Leitung zur Feuerwehr verbunden, über die sie automatisch alarmiert wird. Das Gebäude selbst ist mit einer Sprinkleranlage, Brandmeldern, Wandhydranten und Feuerlöschern ausgestattet.

Wie stellt man in seinem einem großen Areal einen reibungslosen Personenfluss sicher?

Pirkl: Am Hauptbahnhof Wien wurden im Zuge der Einreichung die Evakuierung mittels Computersimulation geprüft. Personenströme bzw. die Fluchtströme wurden nach einem Parameterschlüssel berechnet. In mehreren Simulationsdurchgängen wurden in weiterer Folge die Personenströme erfasst. So konnten Fluchtwege und -längen optimiert werden.

Wie erleichtert man Shoppern und Fahrgästen die Orientierung?

Pirkl: Am Hauptbahnhof Wien wird stark auf eine intuitive Wegeführung gesetzt. Durch visuell prägnante Orientierungs- und Merkpunkte - wie transparente Fahrstühle, Wegweiser, die Hauptanzeigetafel oder dem Foodcourt - wird die Orientierung unterstützt. Zudem gibt es ein übersichtliches Wegeleitsystem, welches von Werbeelementen getrennt ist. Darüber hinaus wird auf klare Sichtachsen gesetzt – verwinkelte Gestaltung, Nischen und tote Winkel wurden vermieden.