Wieder einmal Bewerbungsgespräche: ein junger Mitarbeiter der Innovation und Digitalisierung vorantreiben soll, wird gesucht. Nach zahlreichen Annoncen haben wir nun vier Bewerber. Warum war es so schwer, Leute zu finden? Wir zahlen doch Marktpreise!

Der erste Bewerber verrät es uns: Wir bieten nur klassische Büros, old fashioned. Junge Leute wollen Kooperation, Arbeiten und Auszeit schon im Büro verbinden. Lounges, damit man sich in entspannter Umgebung austauschen kann. Unternehmen als erweiterte Familie.

Arbeitsbedingungen modifizieren

Ein Einzelfall? Nein. Studien beweisen, dass neue Arbeitswelten immer mehr im Kommen sind. Neben der Generation Y und Z sind es aber auch die Babyboomer, die sich ihren Arbeitsplatz aussuchen wollen, je nach dem was sie heute gerade arbeiten müssen. Activity based working ist das Schlagwort. Früher war das Einzelbüro ein Zeichen der Macht, man hat es geschafft.

Heute verliert man dadurch den Anschluss. Was für „Gerüchte“ machen die Runde, wo gibt es Handlungsbedarf? Das erfährt man am besten, wenn man inmitten der MitarbeiterInnen sitzt. Studien unter anderem von Gallup beweisen, dass so die Bindung zum Unternehmen steigt und die Krankenstandstage um rund 40 Prozent gesenkt werden können.

Energieeffizienz ist gut und schön. Bei einer Optimierung kann man höchstens ein Prozent der Gesamtkosten einsparen. Aber Motivation zu steigern und Krankenstände so drastisch zu senken, hat ein wesentlich höheres Potenzial.

Was bedeutet das aber für uns?

Für die Nutzer eine Orientierung zum optimalen Arbeitsplatzmix und zur Förderung der Kommunikation! Weg mit den Einzelbüros, die Kommunikation und damit Innovation hemmen, hin zu einem Mix an Arbeitsplätzen von Denkerzellen über Teambüros zu Lounges, die auf die unterschiedlichsten Weisen genutzt werden können, die Teamgeist und Kommunikation fördern. Gratis Getränke und Essen!? Warum nicht, wenn Ihre Mitarbeiter länger im Büro sind, bringen sie auch mehr Leistung und höhere Einnahmen.

Keine Angst, Sie werden die Kosten im Griff behalten. Denn diese Vielfalt lebt nicht von teuren Möbeln, sondern von Innovation. Der Wandanstrich, der „beschreibbar ist“ kostet weniger als die Whiteboards, die sie sonst benötigen, und diese „Technologie“ macht aus allen Räumen Multifunktionsräume für Besprechungen oder zeigt einfach nur: hier ist das Marketing beheimatet.

Zusammenwerken und zusammenwirken

Außerdem braucht der Mix von Büroarbeit und Homeoffice viel weniger Platz. Er ist zwar pro Quadratmeter teurer, aber in Summe wesentlich günstiger. Dafür sind jedoch Partnerschaften notwendig: FM muss gemeinsam mit Personalabteilung und Organisationsentwicklung sowie IT helfen, die Strategien der Unternehmensführung umzusetzen.

Digitalisierung bedeutet eine wesentliche Änderung des Kerngeschäftes. Dazu müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Und nur das Team HR/FM/IT kann das erfolgreich bewerkstelligen.

Aber auch für Berater tut sich hier ein neues Betätigungsfeld auf. Derzeit kenne ich nur wenige Unternehmen, die ihre Kunden dabei unterstützen können, ihre Kernprozesse in Richtung Digitalisierung zu begleiten und daraus abzuleiten, wie sich die Anforderungen an die Büroumgebungen entwickeln werden.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben. In einem Projekt erarbeiten wir mit einem Wiener Theater gerade, wie sich sein Abonnement­- und Kartenverkauf entwickeln werden. Derzeit ist das Abonnement ein wesentlicher Ertragsfaktor und sehr von persönlichen Beziehungen geprägt. Die junge Generation tendiert aber zum Onlinekauf.

Wie sieht diese Entwicklung in den nächsten Jahren aus, wie müssen daher Kassenräumlichkeiten, Beratung, aber auch das Callcenter durch optimale Infrastruktur unterstützt werden, und wie verändert sich das Verhältnis dieser Bereiche? Wie kann ich einmal eine „Büroumgebung“ gestalten, die dann diesen Wechsel unterstützt? Das ist nicht nur Belegungsplanung, sondern geht weit darüber hinaus.

Sie sehen also, das Thema Arbeitswelten hat viel zu bieten, auch an Chancen für Ihr Unternehmen