Mag. Dr. Andreas Köttl
ÖGNI Vizepräsident, ÖGNI Auditor

Nachhaltigkeit ist IN. Nachhaltigkeit ist ein MUSS.

Nachhaltigkeit macht uns zu besseren Menschen. Das ist mein Eindruck aus den vielen Publikationen der Immobilienbranche, die laufend auf meinen Schreibtisch landen. Es scheint, als hätte die Marketing- und Kommunikationsbranche sehr erfolgreich einen weiteren Weg gefunden, unsere Emotionen anzusprechen und bei uns das Selbstbild zu erzeugen, wir täten ohnehin alles, um unseren Nachkommen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen.

Nachhaltigkeit nur ein Modewort ?

Sind wir nun lernfähig und innovativ, somit modern im Sinne unserer echten Weiterentwicklung oder ist die Nachhaltigkeit nur eine Modeerscheinung, die wir uns leisten, solange uns nicht Krisen beuteln?

In dieser Ausgabe von Mediaplanet zum Thema Modern Office stehen Unternehmen immer mehr Möglichkeiten offen, Produkte besser und das Arbeitsumfeld der Mitarbeiter attraktiver zu machen. Macht uns das nachhaltiger? Und was treibt ein Unternehmen überhaupt dazu, nachhaltig zu agieren ?

Die Antwort ist hier recht einfach: Die Entscheidung eines Unternehmens zur Nachhaltigkeit wird immer dann eine positive sein, wenn dieses Unternehmen darin einen wirtschaftlichen Vorteil (z.B. in Form eines verbessertes Produktes) sieht. Und das ist gut so. Denn ein Unternehmen, das rechtzeitig(er) erkennt, dass die Nachhaltigkeit ein essentielles Produktmerkmal ist, wird einen wesentlichen Vorsprung vor anderen Unternehmen haben und so erfolgreicher sein.

Definition Nachhaltigkeit - Messbarkeit

Unverzichtbar bei einer solchen Produktentwicklung ist es, die erreichte Nachhaltigkeit messbar zu machen. Das, um selber laufend einen Überblick zu behalten, ob die gesteckten Ziele realistisch sind, aber auch, um später einschätzen zu können, ob diese Ziele erreicht wurden. Aber auch in der externen Kommunikation ist die Messbarkeit notwendig, um das eigene Produkt vom Mitbewerb differenzieren zu können.

Diese Messbarkeit – und damit auch die Vergleichbarkeit - ist der Vorteil von Zertifizierungen, wie sie OEGNI für Immobilienprodukte anbietet. Der Zertifizierungsprozess begleitet idealerweise die Entwicklung und Realisierung des Produktes. Er liefert laufend Feedback zur Zielerreichung. Ist die Zertifizierung abgeschlossen, ergeben in der Endbewertung „Gold“, „Silber“ etc. plakativ das Gesamturteil und ermöglichen damit jedem Kunden die Einschätzung der erreichten Nachhaltigkeit.

Treiber der Nachhaltigkeit

So sehr es natürlich wünschenswert ist, dass schon diese Marktmechanismen alleine zu einer verstärkten Durchdringung des Marktes mit nachhaltigen Produkten führen, scheint es doch unvermeidlich, parallel allgemeine Standards vorzugeben, die eine raschere Umsetzung gewährleisten. Für den Immobilienbereich erfolgt diese Regelung z.B durch die jeweiligen Landesbauordnungen.

Zuletzt hat die Novelle der Wiener Bauordnung per 15.7.2014 Neuerungen auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit gebracht (Umgang mit Regenwasser, Verfahrenserleichterungen bei der Wärmedämmung, Abdeckung Energiebedarf durch solare Strahlung oder andere umweltschonende Energieträger).

Natürlich sind solche, in Gesetzesnovellierungen gegossene Regelungen, immer politische Kompromisse und der kleinste gemeinsame Nenner der Gesellschaft. Umso wichtiger, dass NGOs wie ÖGNI bei der Begutachtung eingebunden sind. Es ist u.a. deren Aufgabe, das gesammelte Know-how aus dem Kreis der breiten Mitgliederbasis aus dem Immobilienbereich einzubringen.