Welche Gründe waren ausschlaggebend dafür, den Erste Campus zu bauen?

Es haben verschiedene Faktoren zusammengespielt. Generell ist die Bankbranche im Umbruch: Digitalisierung, neue Technologien und neue Wettbewerber machen es notwendig, dass man anders zusammenarbeitet, um auf diese Herausforderungen reagieren zu können. Bislang waren wir allein in Wien auf über 20 Standorte verteilt. Uns ist es aber wichtig, dass man kurze Wege hat, um Ideen und Gedanken rasch weiterentwickeln oder verwerfen zu können.

Daher war relativ rasch klar; wir wollen uns auf einem Standort zusammenfinden. Es hat natürlich auch wirtschaftliche Überlegungen gegeben, 20 Standorte zu erhalten ist nicht sehr sinnvoll, alles an einem Standort zu vereinen ist ganz einfach kosteneffizienter. Dazu kam, dass mit dem Areal des Ost- und Südostbahnhofs ein geschichtsträchtiger Ort freigeworden ist.

Im 19. Jahrhundert war dieser quasi das Ellis Island der Monarchie, wo Menschen aus Ost- und Südosteuropa in Wien angekommen sind. Nachdem wir sehr stark in zentral- und osteuropäischen Ländern aktiv sind, passt dieser Standort auch durchaus zur Geschichte des Instituts als einer der führenden Finanzdienstleister in diesem Raum.

 

Was bedeutet das neue Headquarter für die Kultur, die Philosophie des Unternehmens?

Ganz wichtig sind uns Modernität, Transparenz und Zugänglichkeit. Das zeigt sich deutlich mit dem Glasbau, der nicht als Block dasteht, sondern durchlässig ist – und das nicht nur von der Bauweise her. Beim Erste Campus handelt es sich nicht um ein hermetisch abgeschlossenes Gebäude, denn die Erdgeschosszone ist für jedermann zugänglich und bietet ein Café, ein Restaurant und eine Filiale der Erste Bank.

Für die MitarbeiterInnen gibt es ein großes Gartendeck im zweiten Obergeschoss. Der Campus besticht außerdem durch kurze Wege. Auch hier wollen wir Zugänglichkeit und Transparenz zeigen. Im Vergleich zu vielen anderen Bürogebäuden ist es kein Glasturm. Das Gebäude überzeugt durch geschwungene Formen, der höchste Bauteil hat zwölf Stockwerke.

Der Erste Campus ist nicht protzig, sondern lädt ein, sich mit der Architektur und mit der Form zu beschäftigen. Das war ein wesentlicher Grund, weshalb wir uns für dieses Modell entschieden haben. Es fügt sich wunderbar in die Umgebung, den Schweizergarten, ein. Mit dem jetzt im Bau befindlichen Quartier Belvedere ist es ein verbindendes Element in der Stadtarchitektur.

 

Welche Herausforderungen haben sich bei diesem Projekt im Laufe seiner Verwirklichung aufgetan? Wie ist man diesen begegnet?

Wichtig ist, dass man sich mit dem Gebäude wirklich beschäftigt. Es sind ca. 4.500 MitarbeiterInnen in den neuen Erste Campus gezogen. Daher war es entscheidend, dass sie auf die Änderungen und Neuerungen, die auf sie zukommen, entsprechend vorbereitet wurden. Die MitarbeiterInnen waren eingebunden in die Auswahl der Möbel und in das neue Arbeitsweltkonzept. Wir haben Testräume installiert, wo Abteilungen sich das neue Konzept genau anschauen konnten.

So haben wir in einem Prozess, der fast drei Jahre lang gedauert hat, gemeinsam mit den MitarbeiterInnen dieses Arbeitsplatzkonzept entwickelt. Bei den Partnern, die mit uns den Erste Campus gebaut haben, war uns wichtig, dass wir auf einer Vertrauensbasis miteinander umgehen und die Kosten nicht überschreiten. Das ist uns gelungen, wir haben die eingeplanten Kosten sogar deutlich unterschritten.

 

Der Erste Campus bietet Raum für rund 4.500 Arbeitsplätze. Welchen Stellenwert hatten bei der Planung und Umsetzung Themen wie Personenfluss, geregelte Zutrittsparameter und Sicherheitsmanagement?

Es war ein entscheidender Faktor, dass das Facility Management und alles, was Sicherheit betrifft, bereits in der Ausschreibung mit eingebunden waren. Uns war von Beginn weg klar, dass die Anforderungen an das Facility Management sehr hoch sein würden. Nur um Ihnen eine Dimension für die Anforderungen zu vermitteln: Mit allein über 4.400 MitarbeiterInnen und vielen KundInnen und Gästen hat der Erste Campus die Dimension einer Kleinstadt.

Aber auch der Datenschutz hat einen speziellen Stellenwert. Was den Personenfluss auf dem Erste Campus betrifft, so war es uns wichtig, für unsere MitarbeiterInnen kurze Wege zu schaffen, die die direkte, interne Kommunikation und Zusammenarbeit erleichtern.

 

Der Erste Campus ist nun seit einigen Monaten im „Vollbetrieb”. Wie sieht die bisherige Bilanz aus?

Praktisch eine Kleinstadt umzusiedeln ist eine große logistische Herausforderung, die guter Vor- und Nachbereitung bedarf. Die 4.500 MitarbeiterInnen sind in vier Tranchen in das neue Headquarter übersiedelt. Das hat einwandfrei geklappt. Wenn man in ein neues Gebäude einzieht, dann gibt es da und dort Anlaufschwierigkeiten, aber bis auf Kleinigkeiten hat das zur Freude aller sehr gut und reibungslos funktioniert.

Insgesamt sind bei diesem Umzug 16.000 Umzugskisten mit übersiedelt worden, von denen keine einzige verloren oder im falschen Stockwerk abgeliefert worden ist. Auch dank der MitarbeiterInnen hat das Gebäude binnen kürzester Zeit begonnen zu funktionieren, sowohl technisch als auch menschlich.