DI Margot Grim
Arbeitsgruppenl-eiterin, IG Lebenszyklus Hochbau

Nach dem technologischen Boom und der damit verbundenen Fortschrittsgläubigkeit um jeden Preis, die rund um die 1960er-Jahre vorherrschte, entstand spätestens in den 1980ern ein Umdenken. Nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl und diversen alarmierenden Klimaberichten setzte sich in Westeuropa zunehmend die Überzeugung durch, dass mit Energie und Umwelt deutlich umsichtiger und verantwortungsvoller umgegangen werden muss als zuvor üblich.

Nachhaltigkeit als ökologischer und ökonomischer Faktor

Schlüsselbegriff wurde dabei bald „Nachhaltigkeit“, also die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit. Dieses Prinzip besteht heute in vielen Bereichen, seit einigen Jahren auch in der Gebäudeentwicklung und im Gebäudemanagement. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Aspekte: Ein nachhaltig geplantes und betriebenes Gebäude ist unterm Strich oft massiv günstiger.

Margot Grim ist als führende Expertin und Beraterin im Bereich erneuerbare Energietechnik und Energieeffizienz europaweit gefragt. Ihre Spezialitäten sind Konzepte zur nachhaltigen Gebäudeentwicklung und Gebäudenutzung mit Erfolgskontrolle. Das Ziel: Nachhaltig geplante Gebäude sollen tatsächlich nachhaltig betriebene Gebäude werden.

Das Grundproblem: Die Kommunikation

Besondere Bedeutung kommt, so Grim, der Kontrolle und Funktionsprüfung zwischen Bauabschluss und dem Betrieb der Immobilie zu. „Die Vorbereitung dieser Phase beginnt aber nicht erst am Schluss, bei der Inbetriebnahme, sondern hat den Ursprung meist schon beim Bauherrn selbst.

Oft bestellen Bauherren ein nachhaltiges Gebäude, aber es ist noch nicht gesagt, dass Architekt, Techniker oder ausführendes Unternehmen auch wirklich verstehen, was er meint. Oft bleibt viel zu viel Interpretationsspielraum“ weist die Expertin auf das grundlegende Problem hin.

Die ersten Ansätze: Wissensaufbau und genaue Definitionen

Bauherren müssen also äußerst genau definieren, was die Zielvorgaben wirklich sind. „Allerdings sind Bauherren dafür selten Experten und können gar nichts dafür, dass diese Probleme auftreten.

Daraus folgt, dass die Schnittstellen zwischen den in der Projektabwicklung involvierten Akteuren oft unzureichend definiert sind – genauso wie einzelne Zwischenziele“, erklärt Grim weiter, denn „die in der Baubranche notorische Zeitknappheit verlangt fast immer ihren Tribut“. Neben einer genauen Kommunikation ist daher Wissensaufbau beim Bauherrn nötig, der erkennen muss, auf welche Themen zu achten ist.

Zentrale Wichtigkeit: Genaue Erfassung von Schnittstellen

„Wenn dieser Wissensaufbau erfolgt ist, können Schnittstellen und Zwischenziele exakt festgelegt werden. So wird es möglich, diese auch genau zu überwachen“, rät die Expertin aus langjähriger Erfahrung. „Dafür braucht es eine kontrollierende Oberaufsicht“.

Um zu gewährleisten, dass haustechnische Gewerke auch tatsächlich so energieeffizient betrieben werden, wie vom Bauherrn erwünscht und vom Haustechnikplaner beabsichtigt, ist die Rolle eines Inbetriebnahme-Managers sinnvoll, der in Margot Grims Konzepten während des gesamten Prozesses eine zentrale Stellung innehat und auf das Thema Energieeffizienz und Nachhaltigkeit achtet. In Österreich ist diese Funktion zwar bisher unbekannt, aber auch hier findet ein Lernprozess der Branche statt.

Durchgehend wichtig: Führung und Analyse

Wer die Rolle des Inbetriebnahme-Managers ausfüllt, kann je nach Projekt variieren. Wichtig ist aber, dass bei ihm alle Informationen für eine ausreichende Funktionsprüfung im Zuge der Inbetriebnahme-Phase zusammenlaufen, so dass etwaige Mängel und Stolpersteine rechtzeitig identifiziert werden können. „Es muss eine klare Linie über das gesamte Projekt, von der Planung über die Durchführung bis zur Finalisierung geben“, betont Grim.

„Das muss auch vertraglich festgehalten werden, dann ist alles wasserdicht und man erspart sich viele im Nachhinein auftretende Probleme und damit Kosten.“ Teil dessen ist unter anderem das permanente Prozessmonitoring, eine gewissenhafte Funktionsprüfung im Zuge der Inbetriebnahme aller Komponenten und bedarfsgerechte Einstellung aller Systeme. Auch das hilft, die Kosten deutlich zu senken.