DI Dr. Andreas Dankl
GF MFA – Maintenance and Facility Management Society, Initiator des ersten FH Lehrgangs für Instandhaltung und Produktion in Österreich – AMMT, Studienautor internationale Instandhaltungsstudie in Österreich, Deutschland und der Schweiz

Instandhaltung ist unbestritten ein wichtiger Erfolgsfaktor für Gebäudebetreiber, Produktionsbetriebe und anlagenintensiven Unternehmen (z.B. Krankenhäuser). Wurde die Instandhaltung in der Vergangenheit oftmals als Kostenfaktor wahrgenommen, hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine strategisch ausgerichtete Instandhaltung wesentlich zum Unternehmenserfolg beiträgt. Die Sicherstellung der geforderten Anlagenverfügbarkeit zu wirtschaftlich optimalen Instandhaltungskosten ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor in allen Branchen.

Wobei die Substanz- und Werterhaltung der Anlagen und Gebäude, sowie die Erfüllung von Qualitätsstandards und Einhaltung behördlicher Vorschriften bei der Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen als K.O.-Kriterien gesetzt sind.

Was zeichnet eine strategische Instandhaltung aus?

Moderne Instandhaltungsorganisationen zeichnen sich durch einen Fokus auf Eff ektivität aus, dh. sie minimieren Anlagenstörungen und Ausfälle auf Basis von Risikobetrachtungen mit den richtigen Instandhaltungsstrategien auf ein Minimum. Wichtig ist die Abstimmung von Eigen- und Fremdleistungsbereichen (z.B. Zukauf von Reinigungsleistungen), effiziente Prozesse und klare Schnittstellen, eine hohe Planbarkeit der technischen Maßnahmen und vor allem die Berücksichtigung von Lebenszykluskosten bei Investitionsprojekten. Durch entsprechende Software-Tools wird die Auswertung von Kennzahlen zum Kinderspiel. Aufgabengerecht qualifizierte Instandhaltungsmitarbeiter haben die Fäden in der Hand. Sie verfügen neben Fach- und Methodenwissen auch über Sozial- und Führungskompetenzen.

Wie kann die Leistungsfähigkeit der Instandhaltung bewertet werden?

Eine Möglichkeit für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Instandhaltungsorganisation stellt beispielsweise die internationale Benchmarking-Datenbank AMIS (Asset Management Information Service) dar. Mit AMIS können in standardisierter Form die Instandhaltungsprozesse, -methoden und -organisation bewertet und mit derzeit etwa 4.400 Unternehmen aus 25 Branchen verglichen werden. Dies ermöglicht somit einen objektiven Vergleich der Kennzahlen eines Unternehmens mit den Durchschnittswerten aller Unternehmen bzw. mit dem jeweils besten Unternehmen in der jeweiligen Branche.

Aus diesen Erkenntnissen ist ersichtlich, dass z.B. je nach Betrieb und Branche etwa 3 - 15 Prozent der Fertigungskosten auf die Instandhaltung entfallen oder die Instandhaltungskosten bezogen auf den Wiederbeschaffungswert der Anlagen zw. 1,5 - 7 Prozent betragen.

Welche Bedeutung hat der Mensch in der Instandhaltung?

Der Faktor Mensch ist erfolgsentscheidend für eine moderne Instandhaltung. 65 - 75 Prozent der Instandhaltungskosten entfallen auf interne oder externe Personalkosten. Es ist also unumgänglich, die Instandhaltungsmitarbeiter so zu qualifizieren, dass diese möglichst effektiv und effi ient arbeiten können; eine systematische Qualifizierung in Fach-, Methoden-, Sozial- und Führungskompetenz ist unverzichtbar.

Moderne Instandhaltung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für alle Unternehmen. Eine strategische Herangehensweise und ein verstärkter Fokus auf Aus- und Weiterbildung des Personals ist gerade in der Instandhaltung vor dem Hintergrund des absehbaren Fachkräfte- und Technikermangels erfolgsentscheidend!

Voraussetzung dafür ist, die Mitarbeiter als betriebliche Erfolgsfaktoren zu sehen und in diese strategisch zu investieren. Es gilt, Instrumente der Personalentwicklung wie Karrierepläne, Mitarbeiterförderungsprogramme und Weiterbildungskonzepte zu forcieren und neben dem obligatorischen Fachwissen bedarfsgerecht Führungs-, Sozial und Methodenkompetenzen zu trainieren.

Durchgängige Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten mit anerkannten Abschlüssen für die Instandhaltung sind in Österreich gerade erst im Entstehen. Mit Projekten, wie dem ersten akademischen FH-Lehrgang für Instandhaltung und Produktion oder dem Lehrgang zum Supervisor für Instandhaltung wurden erste Schritte gesetzt. Die Lehrgänge orientieren sich an europäischen Ausbildungsstandards und ermöglichen die internationale Anerkennung von Abschlüssen.

Welcher Nutzen entsteht durch eine moderne Instandhaltung?

Modernes Instandhaltungsmanagement zielt darauf ab, nachhaltig zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beizutragen. Erstens wird die Leistungseffizienz der Handwerker erhöht und damit die Kosten für eigenes und externes Personal reduziert.

Zweitens werden durch Effektivitätsverbesserung die Kosten für Reparaturen und Ersatzteile reduziert und Ausfallkosten aufgrund von Anlagenstillständen drastisch minimiert. Dieser Effekt ist für das Betriebsergebnis i.d.R. ein Vielfaches höher als die Effekte der Effizienzsteigerungen.

Der dritte Nutzenpunkt ist die Vermeidung bzw. das zeitliche Hinausschieben von Ersatzinvestitionen in Anlagen(teile) und die verminderte Kapitalbindung in Ersatzteile, redundante Anlagen oder Pufferbestände bei Produkten.

Ein vierter Aspekt – wenn auch nicht monetär exakt quantifi zierbar – sind die positiven Auswirkungen einer modernen, vorausschauenden Instandhaltungsorganisation auf die Arbeits- und Einsatzbedingungen der Mitarbeiter.

Untersuchungen haben gezeigt, dass in (reagierenden) Instandhaltungseinheiten mit geringem Organisationsaufwand die Fehlerhäufigkeit und insbesondere die Unfallhäufigkeit das 4 - 5-Fache beträgt.