Die Holzforschung Austria ist ein gemeinnütziger Verein. Worin bestehen seine Aufgaben?

Wir haben drei große Aufgabenbereiche: Einer davon ist, österreichische Unternehmen im Bereich Forst- und Holzwirtschaft bei der Entwicklung und Markteinführung von neuen Produkten zu unterstützen. Das Spektrum reicht dabei von der Materialforschung und Produktentwicklung über Anwendungsfragen bis hin zu Ökobilanzierung und Recyclingfähigkeit. Der zweite Bereich betrifft Qualitätssicherung und Produktzertifizierung.

Wir prüfen, ob die Produkte und Dienstleistungen, die auf dem Markt angeboten werden, den jeweiligen Standards entsprechen und zertifizieren diese. Unsere dritte wichtige Aufgabe ist der Wissenstransfer. Unsere MitarbeiterInnen bereiten Spezialwissen für die Praxis auf, welches im Zuge von Seminaren, Broschüren, Vorträgen und auch online zur Verfügung gestellt wird.

Welche wirtschaftliche Bedeutung kommt dem Baustoff Holz zu?

Holz hat in Österreich eine sehr große wirtschaftliche Bedeutung, vor allem im Sinne von Arbeitsplätzen. Österreich ist fast zur Hälfte mit Wald bedeckt, dadurch steht die Ressource Holz in großem Maße zur Verfügung. Insgesamt verdienen etwa 300.000 Personen in Österreich zumindest einen Teil ihres Einkommens aus dem Umfeld der Holzwirtschaft.

Der Schwerpunkt unserer Arbeiten liegt im Bereich der Holzindustrie. Wir unterstützen hier Betriebe, die sich auf den Baubereich spezialisiert haben und Bauprodukte herstellen bzw. ganze Gebäude errichten.

Wie kann man sich den Holzverarbeitungsprozess vorstellen?

Der Prozess beginnt im Wald mit dem Ernten des Stammes. Darauf folgt die normale Transportkette, die bei einem Produkt, welches in den Bau- oder Möbelbereich geht, in der Regel über das Sägewerk führt. Dort wird das Holz inspiziert und vermessen, ehe es weiterverarbeitet wird.

Aus dem Holz werden dabei unterschiedliche Produkte hergestellt, welche dann einen Trocknungs- und Veredelungsprozess durchlaufen. Manche davon werden wieder zu größeren Produkten wie z. B. Brettschichtholz oder Brettsperrholz verleimt. Diese werden dann von Holzbaufirmen, Zimmereibetrieben oder Möbelbetrieben entsprechend verarbeitet.

Lässt sich ein Trend in Richtung Bauen mit Holz erkennen?

Gerade im mehrgeschossigen Bauen mit Holz lässt sich derzeit ein Trend erkennen. Grundsätzlich bemerkt man eine positive Wahrnehmung durch die Bauherren und Bauträger. Architekten schätzen vor allem die individuellen Möglichkeiten und vielen Vorteile, die der Baustoff Holz bietet.

Man hat einen nachhaltigen Baustoff zur Verfügung, der in der Regel aus der Region kommt und sich natürlich erneuert. Die Werkstättenvorfertigung bietet eine trockene und dank einer hohen Vorfertigung auch schnellere Bauweise.

Welche Hölzer eigenen sich als Baustoff?

Für den Bau eignen sich vor allem die leichteren Nadelhölzer. Die Standardholzart in Bezug auf Konstruktion ist in Österreich Fichtenholz. Was den Innenausbau betrifft, werden hauptsächlich Laubhölzer verwendet. Im Außenbereich sind es wieder Nadelhölzer wie die Lärche, die gerne für Fassaden und Terrassen verwendet wird. Diese hat eine höhere Dauerhaftigkeit und ist dadurch gegenüber Witterungseinflüssen besser gerüstet.

Wie stehen Sie zu Holz als Energiegewinnung?

Zu diesem Thema habe ich eine differenzierte Meinung. Eigentlich ist das ja eine äußerst traditionelle Form der Energiegewinnung, die derzeit eine gewisse Renaissance erfährt. Grundsätzlich sehe ich das auch aus ökologischer Sicht positiv. Denn die Energie, die im Holz steckt ist, ist nichts anderes als gespeicherte Sonnenenergie.

Andererseits ist Holz sehr vielfältig einsetzbar und kann als Baustoff, als Textilrohstoff oder für die Papier- und Zellstoffproduktion verwendet werden. Diese stofflichen Verwendungen haben von der volkswirtschaftlichen Seite her einen Vorteil gegenüber der energetischen Verwertung. Holz nur zu verheizen, ist eigentlich zu schade. Dass man bestimmte Restprodukte, die bei der stofflichen Verarbeitung anfallen, energetisch verwertet, finde ich vernünftig und sinnvoll.