Eine Frage drängt sich gleich zu Beginn auf: Warum eigentlich Holz und nicht Stahlbeton?

 

Kerbler: Beton ist einfach unsympathisch. Im Ernst: Einerseits hat das damit zu tun, dass ich schon in diesem Segment tätig war, insbesondere bei Dachausbauten in Leichtbauweise. Auch habe ich in Hotels aus Holz gelebt und allein von der Atmosphäre her hat mir das schon immer gefallen.

 

Warum gibt es eigentlich nicht mehr Hochhäuser aus Holz? Dass es machbar ist, zeigen Sie ja ganz deutlich.

 

Palfy: Das liegt an den Gesetzen in Österreich. Ein herkömmlicher Wohnbau ist ohne Probleme in Holz durchführbar. Bei Hochhäusern liegt die Herausforderung aber in der Höhe. Von der Statik ist das zwar überhaupt kein Thema, aber der Brandschutz macht den Unterschied. Gerade im Hochhausbereich. Und Holz ist zwar ein brennbares Material, verhält sich aber im Falle eines Feuers sehr positiv. Gerade im Vergleich zum Stahlbeton. Denn Holz versagt im Brandfall nicht augenblicklich, sondern glost vor sich hin.

Kerbler: Da fallen mir die Zwillingstürme des World Trade Centers ein. Von einem Moment auf den anderen einfach zusammengebrochen.

Palfy: Und alle rätseln, ob das Absicht war und ergehen sich in Verschwörungstheorien. Ich als Bautechnikerin weiß aber, dass Stahl von einer Sekunde auf die andere einfach versagt. In persönlichen Gesprächen haben mir schon viele Feuerwehrmänner gesagt, dass sie den sichtbaren Holzbau deutlich lieber haben.

Beim Holz sieht man, ob es brennt und wie dick es noch ist. Bei beplanktem Stahl weiß niemand, ob er schon glüht oder nicht. Denn meistens brennt es ja in Hohlräumen. Weil wir keine Hohlräume machen, haben wir eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Bei uns ist alles sichtbar, es brennt nichts im Verborgenen.

 

Und Ihr Holzhochhaus soll mit 84 Metern Höhe das höchste der Welt werden?

 

Kerbler: Angefangen haben wir mit unseren Planungen bei knapp 60 Metern oder, Caroline?

Palfy: Genau. Und dann ist er immer höher und höher geworden. Wobei mit unserem System auch noch mehr Höhe möglich gewesen wäre. Das Baufeld gibt aber nur 84 Meter her.

 

Welche Schritte sind bei der Planung und dem Bau von Holzhäusern besonders zu beachten?

 

Palfy: Man braucht viel mehr Konsulenten und viel mehr Budget. Der Herr Kerbler initiiert da ein Vorzeigeprojekt für Österreich, das muss man schon so sagen. Auch die Entwicklungsphase ist deutlich länger. Wir haben allein vier Monate gebraucht, um zu wissen, ob dieses Projekt in Österreich überhaupt durchführbar ist. Und trotzdem war's ein Risiko bis zum Schluss.

Kerbler: In Wahrheit ist es immer noch eines.

Palfy: Stimmt, ja. Die Frage ist, ob sich dieser Mehrwert in der Vermarktung auszahlt und ob die Leute das auch annehmen. Und natürlich ist die Qualität des Baus enorm wichtig. Uns geht's auch bei den Verhandlungen mit den Baufirmen nicht nur um den Bestbieter, sondern primär um die höchstmögliche Qualität.

Kerbler: Wobei es einfacher wäre, nicht ganz so hoch und mit Beton zu bauen. Insbesondere die Gewinnmarge wäre dann deutlich höher. Aber ich glaube, es ist auch wichtig, hin und wieder ein Zeichen zu setzen und quer zu denken. Auch weil Holz, wie ich schon gesagt habe, einfach was Schönes ist.

 

Ich nehme an, das Bauen mit Holz wirkt sich auch positiv auf's Klima aus, oder?

 

Kerbler: Klar. Und zwar auf's Raum- genauso wie aufs Weltklima. Holz hat einfach einen eigenen Duft. Das Wohlbefinden ist höher als in einer Betonburg. Egal, ob das jetzt ein Hotel ist oder ein Geschäft oder die eigenen Wohnung. Und natürlich ist Holz nicht nur für's Raumklima, sondern auch für die Umwelt gut. Allein, wenn man sich den Lebenszyklus eines Hauses inklusive Abbruch ansieht, ist eine fachgerechte Entsorgung von Holz wesentlich einfacher. Wobei natürlich nichts dagegen spricht, dass unser „Türmchen“ einige hundert Jahre steht.

 

Erlauben Sie uns einen Blick in die Glaskugel. Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Trends im modernen Holzbau?

 

Kerbler: Immer mehr Menschen leben und arbeiten in Holzbauten. Daher glaube ich, dass der Holzbau sicherlich noch eine große Zukunft vor sich haben wird.

Palfy: Klar ist Holz nicht unter allen Umständen der einzig wahre Werkstoff. Aber warum sollte ich ihn nicht überall dort einsetzen, wo es ohne Probleme machbar ist?