Die heimischen Gemeinden sind Eigentümer von mehr als 60.000 Gebäuden. Von Schulen, über Kindergärten, Bauhöfen, Rathäusern, Gemeindeämtern, Pflegeheimen und Wohngebäuden oder Freizeitzentren. Die Kommunen haben eine große Vielfalt bei ihren Immobilien. „Bei einem so großen Bestand gibt es natürlich immer wieder Sanierungsbedarf“, sagt Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer, der selbst 28 Jahre lang Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Hallwang gewesen war. „Viele unserer Gebäude kommen jetzt in den ersten Sanierungszyklus. Das betrifft vor allem auch Schulen oder Kindergärten aus den 70er Jahren. Da geht es um thermische Sanierungen, aber auch um Anpassungen an den technischen Stand von heute“, so Mödlhammer.

Insgesamt sind die Gemeinden die größten öffentlichen Investoren des Landes. Mehr als zwei Milliarden Euro investieren sie jährlich in verschiedene Bereiche der Infrastruktur. Inklusive der Sanierungen ist das Volumen noch größer. „Wir haben eine schwere Zeit hinter uns“, sagt Mödlhammer. „Die Finanzkrise hat unsere Investitionsspielräume massiv beschnitten. Wir nähern uns erst jetzt wieder langsam dem Niveau an, das wir vor der Krise investieren konnten.“ Dringend nötige Investitionen seien in den letzten Jahren oft dem Spardruck zum Opfer gefallen. „Wir mussten unsere Budgets in Ordnung bringen“, so Mödlhammer. „Das ist erfreulicherweise gelungen, inzwischen haben wir wieder Überschüsse, die wir investieren können.“

Notwendig ist das nicht nur im Hochbau. Auch im Tiefbau sind die Gemeinden wichtige Auftraggeber. Fast 90.000 Kilometer Gemeindestraßen bilden mehr als 70 Prozent des gesamten österreichischen Straßennetzes. Dazu kommen noch 45.000 Kilometer Güterwege, 15.000 Kilometer Radwege. „Auch hier haben wir Sanierungen zum Teil aufgeschoben, weil einfach das Geld dafür nicht da war“, so Mödlhammer. Das 90.000 Kilometer lange Kanalnetz oder die 80.000 Kilometer Trinkwasserleitungen sind ebenso wartungsintensiv. „Hier ist wichtig, dass wir nun endlich eine Förderzusage des Bundes bekommen haben“, sagt Mödlhammer. „In den nächsten Jahren müssen hier Milliarden investiert werden.“

Für die Bauwirtschaft sieht der Gemeindebund-Chef Licht am Ende des Tunnels. „Die Qualität unserer Infrastruktur ist ein starker Standortfaktor im internationalen Wettbewerb“, so Mödlhammer. Wir müssen und werden wieder investieren, immer noch mit Maß und Ziel allerdings.

 

Kommentar:

Man hat es als Bürgermeister/in nicht immer leicht. Jeder Ortschef in Österreich kann aus dem Stegreif zumindest fünf Bauprojekte in seiner Gemeinde nennen, die er dringend angehen wollen würde. Die Herausforderung liegt darin, dass einer die Prioritäten setzen muss, in der Regel eben der Bürgermeister. Das ist nicht immer lustig, wenn man den Bürger/innen sagen muss, dass nicht alles im heurigen oder nächsten Jahr geht. Leichter wird es durch den Hinweis, dass es Steuergeld ist, von dem gesprochen wird, also das Geld jener Menschen, die in der Gemeinde leben.

Trotzdem: Die Qualität der kommunalen Infrastruktur ist wichtig. Intakte Schulen, vorhandene Kinderbetreuungseinrichtungen, aber auch ein Straßennetz in gutem Zustand, das sind Dinge, auf die Menschen sehr achten, bevor sie sich wo niederlassen.  Deshalb müssen und werden die Gemeinden weiterhin investieren. Nach budgetbedingten Rückschritten in den letzten Jahren ist es nun höchste Zeit. Die kommunalen Haushalte sind konsolidiert und weitgehend in Ordnung, die Gemeinden machen wieder Überschüsse. Ein Teil davon wird vermutlich in Bauprojekte fließen. Und das ist gut so.