Das Gut Hardegg ist ein Familienbetrieb mit jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Tradition. Warum sind Sie in die Fußstapfen Ihrer Vorfahren getreten und Landwirt geworden? Lieben Sie Ihren Job?    

Natürlich liebe ich meinen Beruf, trotz aller Herausforderungen wie zum Beispiel den Umgang mit Missernten aufgrund klimatischer Extremereignisse wie Frost und Dürre. Die Arbeit mit und in der Natur, das intensive Erleben der Jahresabläufe sowie die Vielfalt meiner Tätigkeiten machen den Alltag spannend.

Für mich war immer klar, dass ich einmal den Familienbetrieb fortführen werde und meine Ambition ist, dies nach bestem Wissen und Gewissen zu tun. Ich stecke viel in den Betrieb, ich bekomme aber auch sehr viel zurück, die Bilanz ist positiv.

Wie wird ein solcher Traditionsbetrieb modern? 

Wir haben in der Landwirtschaft das Glück, dass wir uns als buchführender Betrieb mit den Besten vergleichen können. Ein unabhängiges Beratungsbüro in Deutschland analysiert den Betrieb und wertet wichtige Kennzahlen aus – so kenne ich meine Stärken und Schwächen und bekomme auch ein gutes Gefühl für anstehende Investitionen und Modernisierungsschritte.

Heute kann ich mit Stolz sagen, dass wir ein straff geführtes Unternehmen sind wie viele andere auch und gleichzeitig besonderen Wert auf Tierschutz, Hochwasserschutz, Boden- und Artenschutz legen. Zeitgemäß gemacht hat uns der unternehmerische Ansatz und die Offenheit, kritische Punkte anzusprechen und Beratung zuzulassen. Wenn ich hier im Plural rede, dann spreche ich hier den Anteil der MitarbeiterInnen am Erfolg an.

Haben Sie sich bereits auf den Weg in die Ära der Landwirtschaft 4.0 (Digitalisierung) gemacht? Falls ja, inwiefern? 

O ja, die Digitalisierung hat in der Landwirtschaft Einzug gehalten, allein schon bei der Flächenerfassung, aber auch in der Präzisionslandwirtschaft und auch in der Tierhaltung. Durch die bei mir im Einsatz befindliche Abruffütterung kann ich eine kleine Einzelbiographie pro Muttertier anlegen und so ganz genau feststellen, wie es den Tieren geht, ob sie gefressen haben oder nicht. Zukünftig werden wir noch viel mehr wissen, etwa über Bewegungsverhalten, Körpertemperatur, Gewicht.

So werden wir sicherstellen können, dass es den Tieren gut geht und schneller da sein, sollte einmal etwas nicht passen. Präzisionslandwirtschaft und Präzisionstierhaltung sind angewandter Ressourcen- und Tierschutz.

Welchen Traditionen Ihrer Vorfahren schreiben Sie Erhaltenswert zu und folgen ihnen deshalb bis heute? 

Das Beeindruckendste für mich war das Durchhaltevermögen. Häuser und Betrieb können wirklich auf eine bewegte Geschichte zurückblicken und trotzdem ist es gelungen, einen Flecken Erde zu erhalten und von einer Generation an die nächste weiterzugeben.

Diesem auf Langfristigkeit ausgelegten Modell müssen ganz wichtige Einstellungen zugrunde liegen, wie die Sparsamkeit oder das Denken an morgen und die nächste Generation. Eine Gesellschaft, in der nur das Heute den Tag bestimmt und nicht das Morgen, ist aus meiner Sicht eine arme. Familienbetriebe geben hier eine andere, zeitlos wichtige Botschaft.

Gut Hardegg vereint drei Standbeine: Ackerbau, Schweinezucht und Weinbau. Wo liegen die Stärken dieser drei Arbeitsfelder im Einzelnen und wie gelingt es Ihnen, alle drei auch noch so erfolgreich zu realisieren?

Eigentlich sind es ja mittlerweile vier Bereiche, denn die Biodiversität, also die Erhaltung eines hochwertigen Gleichgewichtes des Ökosystems und der Artenvielfalt, sind mir ein besonderes Anliegen. Die Stärken dieser betrieblichen Vielfalt liegen sicherlich in den positiven Wechselbeziehungen zueinander, man kann dazu auch Kreislaufwirtschaft sagen.

Die Futtermittel kommen großteils von den eigenen Feldern, der organische Wirschaftsdünger kommt wieder auf die Felder zurück und bildet so die Basis für unsere Bodenqualität und Ertragsfähigkeit. Der Grünschnitt der Biodiversitätsflächen dient zur Bodenverbesserung im Weingarten.

Der Betriebserfolg muß täglich hart erarbeitet werden, motivierte MitarbeiterInnen sind dafür Voraussetzung. Ich bemühe mich stets zu erklären, warum wir gesamtheitlich und groß denken, und versuche, alle am Betriebserfolg teilhaben zu lassen.

Sie tragen Verantwortung für gut 30 MitarbeiterInnen: Was bedeutet das für Sie in Zeiten, in denen Landwirte nach wie vor die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln sichern sollen, dies aber zu möglichst günstigen Preisen sowie unter möglichst umweltschonenden Verhältnissen?

Arbeit zu geben ist wirklich eine große Verantwortung, und zwar wechselseitig. Da Arbeit durch die Nebenkosten in Österreich sehr teuer – eigentlich zu teuer – ist, müssen wir streng haushalten. Ich sehe es als die Aufgabe eines größeren Betriebes, die Grundnahrungsmittel zu erzeugen, und zwar zu leistbaren Preisen für die KonsumentInnen. Um diese Leistbarkeit auch zukünftig sicherstellen zu können, brauchen wir Reformen, vor allem im Arbeitsrecht, von Teilzeitjobs bis zur Arbeitszeitflexibilisierung.

Sie haben drei Wünsche frei: Was wünschen Sie sich von …

… der Politik (EU/Österreich)?
Eine Reformregierung mit dem Ziel, den Staatshaushalt zu sanieren, Unternehmen in Ruhe zu lassen und Freiheit und Glück für die Menschen zu ermöglichen. Gehemmt fühle ich mich von der Politik und den Behörden. Die Politik verfolgt keine klaren fachpolitischen Ziele und die Behörden sind vielfach wirklich eine Bremse, können nicht mehr unterscheiden zwischen wichtig und unwichtig.

… den Landwirten?
Mehr unternehmerisches Denken und das Einfordern einer Fachpolitik.

… den Verbrauchern?
Uns weiterhin die Treue zu halten und gleichzeitig den gesunden Hausverstand zu erhalten.