Die Stille im Wald täuscht: Zwischen den hiesigen Bäumen herrscht nämlich viel mehr Betrieb als man denkt. Laut AMS sind circa 17.500 Menschen als Vollzeitarbeitskräfte in der Forstwirtschaft tätig, in der gesamten Wertschöpfungskette sollen es sogar rund 300.000 sein.

Das zu bewirtschaftende Areal ist nämlich nicht unbedingt klein: Mit vier Millionen Hektar besteht fast die Hälfte der Gesamtfläche Österreichs aus Wald – das sind zehn Prozent über dem Durchschnitt der Europäischen Union. In Kärnten und in der Steiermark ist der Anteil sogar noch größer.

Solche reichen Ressourcen werden natürlich nicht unberührt gelassen: Die österreichischen Wälder sind ein wichtiger Faktor in der heimischen Wirtschaft. So erreichte die Holzindustrie 2014 eine Exportquote von 4,78 Milliarden Euro. In den Statistiken der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schafft es Österreich unter den Schnittholzexporteuren aktuell weltweit auf den sechsten Platz.

Ein konstant begehrtes Gut

Österreichisches Holz wird stark nachgefragt, trotz eines hohen Kostenniveaus und relativ geringer Werte pro Mengeneinheit: Das ist einer Branchenanalyse der Bank Austria zufolge ein Zeichen für überdurchschnittlich effiziente Produktionsmethoden und hohe Produktqualitäten.

Bevor aber ein Baum auf große Fahrt in die weite Welt geht, ist erst einmal die Forstwirtschaft gefragt, die im Gegensatz zur Landwirtschaft über viele Jahre stabil einen konstanten Wert zur Wirtschaftsleistung beiträgt. Um die 143.000 Waldeigentümer teilen sich 85 Prozent der Gesamtfläche, den Rest bewirtschaften die Österreichischen Bundesforste. Letztere verkündeten unlängst eine Umsatzrendite von 11,8 Prozent.

Dem Gegenwind wird getrotzt

Das ist nicht nur aufgrund des zurückliegenden stürmischen Jahres mit seinen vielen Baumschäden erstaunlich, denn schließlich hat zuletzt die Konjunkturschwäche an der Waldgrenze keinen Halt gemacht. Das Schadholz nahm zu, die Preise fielen. Einbußen waren die Folge.

Aber langsam regt sich wieder Optimismus. Insbesondere von den sich abzeichnenden Anstiegen im Wohnbau erhofft sich die Forstwirtschaft positive Impulse. Ein bereits länger anhaltender Trend, von dem die Holzbetriebe profitieren, ist zudem die Energiewende. Der erneuerbare Brennstoff ist bei den Verbrauchern wieder mehr gefragt. Der Anteil von Holz am Gesamtaufkommen an erneuerbarer Energie beträgt nach Schätzungen der Landwirtschaftskammer aktuell 45 Prozent, Tendenz vermutlich steigend.

Der Nachwuchs macht Sorgen

Geht es nach dem AMS, wird auch der Arbeitsmarkt von dieser Entwicklung profitieren. In Rücksprache mit Experten kommt man zu dem Schluss, dass in der Forstwirtschaft in Zukunft wohl mehr Arbeitskräfte benötigt werden. Insbesondere Fachkräfte werden bald noch mehr als jetzt gefragt sein – es sei jedoch zu befürchten, dass dieser Bedarf dann nicht gestillt werden könne.

Dass das Know-how von Fachleuten stark gefragt ist, zeigt auch die Arbeit des Bundesforschungszentrums für Wald: Die Expertise des bereits seit 2002 in dieser Form bestehenden öffentlich-rechtlichen Forschungsinstituts wird auch immer wieder von externen Partnern aus der Wirtschaft gesucht.

Insbesondere auf eigenen Versuchsflächen beschäftigt man sich etwa mit der Einschleppung invasiver Arten, der Schädlingsbekämpfung oder den Auswirkungen des Klimawandels und bietet Fortbildungen in diesen Bereichen an. Obwohl derzeit noch nicht genügend qualifiziertes Forstpersonal nachwächst, will man so den Fortbestand der heimischen Wälder sichern.