Die schönste Inneneinrichtung, die praktischste Raumaufteilung, die intelligenteste Wegplanung: Das alles bringt in einem modernen Büro nicht viel, wenn das Klima im Zimmer nicht stimmt und dadurch die Konzentration massiv beeinträchtigt wird. Wissenschaftler der Cornell University haben herausgefunden, dass bereits geringe Abweichungen von der Idealtemperatur im Büro die Schreibfehlerquote unter den MitarbeiterInnen schnell vergrößern.

Das ist aber nicht der einzige unsichtbare physische Faktor, der dem Angestellten auf das Gemüt schlagen kann. Da jeder Mensch anders ist, empfiehlt es sich auf seinen Körper zu hören: Wer ständig vor Kälte klappert, ist noch kein Faulpelz, und wem ständig der Schweiß herunterrinnt, der ist nicht automatisch ein Arbeitstier. Tränende Augen und ein verspannter Nacken bedeuten auch nicht zwingend, dass jemand übertrieben produktiv vergessen hat, den Blick vom Bildschirm zu lösen.

Zahlen für den Konsens

Auch Muskelzittern, Hautreizungen, mangelnde Durchblutung, Kreislaufbeschwerden oder gereizte Nasen-, Mund und Rachenschleimhäute sind nicht ungewöhnlich: Das alles sind nämlich klare Anzeichen dafür, dass die Klimaverhältnisse im Büro für den Organismus nicht gemacht sind. Wichtig ist es deshalb, sich mit den Kollegen klar auf seine Bedürfnisse zu verständigen, aber vielleicht auch einmal nachzugeben, um Kompromisse zu finden.

Auch wenn jeder andere Vorstellungen hat, gibt es dennoch ein paar Grundregeln, auf deren Basis man einen Konsens mit den Kollegen finden kann, sodass für alle im Raum ein möglichst gutes Raumklima herrscht. Dabei ist zum Beispiel auch zu beachten, dass Männer und Frauen häufig ein etwas anderes Temperaturempfinden haben.

Natürlich muss man sich da auch an der Jahreszeit und der Außentemperatur orientieren, aber grundsätzlich sollte es im Büro nicht kälter als 18 Grad Celsius und nicht wärmer als 26 Grad Celsius sein. Dabei kommt es auch darauf an, welcher Tätigkeit im Büro nachgegangen und wie sehr sich bewegt wird.

Tückische frische Luft

Jedoch nicht nur auf die Temperatur, sondern auch auf die Luftfeuchtigkeit kommt es für ein angenehmes Raumklima an: Die sollte nicht unter 40 Prozent fallen und insbesondere im Sommer sogar um einiges höher liegen – durchaus bei bis zu 70 Prozent. Im Winter dagegen sollte man es bei höchstens 50 Prozent belassen, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Grundsätzlich ist es zu empfehlen, regelmäßig zu lüften, damit man nicht in abgestandener Luft herumwerkelt. Jedoch kann man es auch damit übertreiben – insbesondere im Winter senkt ein geöffnetes Fenster die Luftfeuchtigkeit sehr schnell, wenn es zu lange geöffnet bleibt – stattdessen sollte man lieber in kürzeren, aber häufigeren Intervallen lüften.

Ohnehin kann frische Luft auch tückisch sein: Wer permanent in der Zugluft sitzt, der wird sich im Büro selten in seiner Haut wohlfühlen. Auch eine Klimaanlage ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Falsch eingestellt sorgt sie ebenfalls für unangenehmen Zug oder senkt die Luftfeuchtigkeit zu tief. Das gilt es im Auge zu behalten und Körpersignale zu beobachten, damit die Anlage ihren Zweck erfüllt.

Kleine Helfer oder Gesamtsystem

Über all diese Werte kann man sich mit entsprechenden Messgeräten informieren, im Fall der Zugluft kann man sogar bereits mit einer Kerze ermitteln, woher der Wind weht. Auch mit Rollos und Jalousien kann man schon ein wenig zur Regulierung beitragen.

Jedoch sollte ein modernes Büro im Idealfall mit einem Klimasystem ausgestattet sein, das transparent über diese Werte informiert und ein einfaches Management von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Büro erlaubt.

Häufen sich dennoch die Beschwerden, dann ist es dringend notwendig, mit dem Arbeitgeber zu sprechen und eine Überprüfung der Räumlichkeiten zu veranlassen. Nicht umsonst stehen die entsprechenden Werte auch im österreichischen ArbeitnehmerInnenschutzgesetz. Und zudem sind MitarbeiterInnen auch viel produktiver, wenn sie gesund und zufrieden sind.