Ing. Reinhard P. Poglitsch MBA
Vice-President, International Facility Management Association, Austrian Chapter; Mitglied der Geschäftsleitung, ISS Austria Holding

War vor zwanzig Jahren der Fokus noch auf die Gebäude gerichtet, so hat sich danach alles um die Anlagen in Gebäuden gedreht. Auch das ist aber mittlerweile Schnee von gestern: Heute steht der Nutzer der Immobilie im Mittelpunkt – der Mitarbeiter im Büro.

Immobilienbesitzer aber auch Unternehmen sind mit einem angespannten Arbeitsmarkt konfrontiert. Speziell im urbanen Bereich wird es immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden. Deshalb steht ein Aspekt im Mittelpunkt: Wie kann ich es schaffen, dass meine Mitarbeiter bei mir bleiben und nicht auf den Arbeitsmarkt abwandern? Dazu zwei Aspekte:. Alles dreht sich um das so genannte „Well-Being“ der Mitarbeiter.

Mitarbeiter, die sich in Unternehmen und deren Immobilien wohlfühlen, werden seltener krank, bringen Höchstleistungen und werden den Job seltener wechseln. Durch das Verschwimmen von Privatleben und Beruf erwarten sich Mitarbeiter auch zusätzliche Annehmlichkeiten wie eine gesunde und variantenreiche Betriebsverpflegung, Fitnessangebote, aber auch moderne Arbeitsumgebungen und Büros. Das scheint für Unternehmen wohl der Preis dafür zu sein, dass Mitarbeiter bereit sind, nicht mehr auf die Uhr zu schauen und gerne Mehrwert für Firmen zu bringen.

Facility Management: Der Mensch im Mittelpunkt

Am Markt wird vermehrt vom „War for Talents“ gesprochen. Aber keine Angst, es geht nicht um Krieg im herkömmlichen Sinne, sondern es handelt sich um einen neudeutschen Begriff. “War for Talents“ soll nichts anderes bedeuten, als dass Unternehmen um die besten und hellsten Köpfe am Markt rittern und bereit sind, viel Geld für Top-Performer in die Hand zu nehmen.

Es ist in oberen Managementebenen nicht mehr immer der Fall, dass sich ein Unternehmen aussucht, welchen Bewerber es einstellt. Auch hier gibt es eine Umkehr. Gute Mitarbeiter suchen sich aus, bei welchem Unternehmen sie zukünftig arbeiten wollen. Und es bleibt spannend.

Das skandinavische Zukunftsforschungsinstitut Copenhagen Institute for Future Studies (kurz CIFS) hat sich in seiner Studie „New Ways of Working - The Workplace of the Future“ sehr intensiv mit all diesen Aspekten beschäftigt. Unternehmen befinden sich in einer ständigen Business-Transformation. Märkte ändern sich und deshalb haben sich Unternehmen an die sich verändernden Bedingungen anzupassen. Umso wesentlicher ist es, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen und so der Fokus voll auf diese Transformation gelegt werden kann.

Bis zu vier Generationen in einem Büro

Die Studie beschäftigt sich mit acht Themen, die Arbeit schon heute oder in naher Zukunft beeinflussen werden. Innovation, Technologiewandel, demografische Entwicklung, Arbeitsplatzgestaltung und das Thema Nachhaltigkeit spielen dabei eine zentrale Rolle.

Nehmen wir uns beispielhaft die demografische Entwicklung heraus. Was hat denn diese mit dem Arbeitsplatz der Zukunft zu tun? Sehr viel. Durch das stetige Steigen der Lebenserwartung sind mitunter vier Generationen unter einem Firmendach tätig. Sämtliche Einrichtungen und Technologien müssen darauf Rücksicht nehmen.
Der zweite Teil der Studie behandelt die Rolle des Facility Managements im Kontext von New Ways of Working.

Vier Aspekte beeinflussen einander gegenseitig, wenn es darum geht, wie wohl sich Mitarbeiter in Unternehmen und deren Gebäuden fühlen.

Die strategische Ausrichtung eines Unternehmens, dessen Kultur, das Ansehen oder die Attraktivität der Firmenmarke und des Arbeitsplatzes spielen für potentielle und bereits vorhandene Mitarbeiter eine wesentliche Rolle. Das ist alles nachvollziehbar – aber wer kann nun am besten mit diesen Aspekten umgehen und diese unter einen Hut bringen?

Laut Studie hat Facility Management naturgemäß die besten Einblicke und kann daher als Drehscheibe herangezogen werden. Somit hat Facility Management unmittelbar Einfluss auf das Wohlbefinden von Mitarbeitern in Unternehmen und Gebäuden. Am Ende der Studie stellt das CIFS noch vier Archetypen von Gebäude- und Büroumgebungen in Form einer Matrix zur Verfügung.

Die vier Archetypen werden dabei mit den oben angeführten Aspekten überkreuzt. So hat der Interessierte die Möglichkeit, sein Arbeitsumfeld einzuordnen, aber auch gleichzeitig einen Zukunftsarchetyp auszusuchen.
Zukunftsmusik? Nein! Wir sind schon längst inmitten dieses Paradigmenwechsels.