Veränderungen durch "Digital Natives"

Es gibt sie bereits. Unternehmen, die den Bedürfnissen der so genannten „Digital Natives“ entsprechen – wie die Generation der bis zu 30-jährigen genannt wird, die mit digitalen Technologien wie dem Internet, Mobiltelefonen und MP3-Playern aufgewachsen ist. Laut DI Michael Bartz macht diese Generation schon bis zu einem Drittel der Belegschaft eines Unternehmens aus.

Er bemerkt in seiner Arbeit als Unternehmensberater das zunehmende Unverständnis dieser jungen Menschen mit engen, bürokratischen Strukturen. “Ein junger Mensch, der damit aufgewachsen ist, dass er auch über die Entfernung mit seinen Freunden in Kontakt ist, empfindet es als Freiheitsbegrenzung, gezwungen zu werden, jeden Tag in ein Büro zu kommen.”

Michael Bartz
Professor am Institut für Exportmanagement der IMC Fachhochschule Krems.
Artikel über seinen Forschungsschwerpunkt „The New World Of Work“ wurden bereits in zahlreichen Medien publiziert.

Dazu kommt laut dem Wissenschaftler auch eine Art Neidfaktor. Jedes vierte Unternehmen in Europa bietet bereits Heimarbeit an. Macht es der eigene Betrieb nicht, wächst der Neid – und die Attraktivität des eigenen Arbeitgebers sinkt.

Freiheitsgewinn auf beiden Seiten

Doch nicht nur die Seite der Arbeitnehmer drängt immer stärker in die Richtung der mobilen Arbeitsplatzgestaltung. Auch Unternehmer wittern ihre Chancen Kosten zu sparen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen. Wer sich in der Cloud trifft, muss physisch nicht mehr am selben Ort sein.

Desk-Sharing und mobile Kommunikation machen es möglich, dass das Büro vermehrt als Platz für Meetings fungiert und nicht mehr primär zum Arbeiten genutzt wird. Die Voraussetzung für diese Art des neuen Arbeitens war das Internet. Am Anfang noch schwerfällig und teuer, wurde es ab dem Sprung ins neue Jahrtausend dank technologischer Veränderungen für jedermann leistbar.

Heute kann praktisch jeder im Internet kostenlos telefonieren oder große Datenmengen über einen externen Server verschieben. Kommunikation ist flach geworden.

Die Revolution für kleine und mittlere Unternehmen

Waren kleine Unternehmen zuvor noch gezwungen die Strukturen großer Betriebe mit eigenen Servern, individuellen Arbeitsplätzen und einer unternehmenseigenen IT-Abteilung zu kopieren, übernimmt das heute die Cloud. Beliebige Lösungen, die großen Unternehmen bisher vorbehalten waren, kommen jetzt aus der Steckdose zu einem kleinen Monatsbeitrag. Der benutzte Server steht extern, vielleicht sogar in einem anderen Land, die Sicherheit und Wartung des Systems übernimmt der Betreiber, die Software erfährt in regelmäßigen Abständen automatisch ein Upgrade.

“Das ist eine Revolution,” sagt der Experte. “Plötzlich wird superprofessionelle Software flach und für alle verfügbar zu einem Preis, der beinahe bei null liegt.” Bisher kleine Fische können so erstmals in der Liga der Großen mitspielen. Wohin das führt, ist noch nicht absehbar.

„Neues Arbeiten“ braucht neues Denken

Drei Dinge sind laut DI Michael Bartz jedoch unverzichtbar, wenn ein Unternehmen diesen Weg gehen möchte.

  • Eine adäquate Kulturumstellung

“Wenn innerhalb des Unternehmens eine Kontrollkultur gelebt wird, funktioniert neues Arbeiten nicht. Es ist unvereinbar.” weiß Michael Bartz.

  • Das Führungsinstrument der Zielvereinbarung

Auch „Management by Objectives“, wie es gerne genannt wird. Dabei wird nicht der Arbeitsprozess selbst bewertet, sondern ob das vereinbarte Ziel in der ausgemachten Zeit erreicht wurde. Eine Stechuhr sucht man in diesen Unternehmen vergeblich.

  • Klare „Rules of Engagement“

Die Art und Weise wie miteinander gearbeitet werden soll, muss klar vereinbart und definiert sein.

Gemessen wird der Fortschritt im Wandel des Unternehmens in Richtung neuer Arbeitsformen beispielsweise mittels einer Balanced Scorecard. Der Experte meint: “Es ist wichtig, neue Arbeitsformen klar strukturiert einzuführen und jeden Veränderungsschritt mit Zahlen, Daten und Fakten zu bewerten.” Nur so wird die Veränderung nachhaltig und von der Belegschaft mitgetragen.