Der Anspruch, berufliche Ziele und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten möglichst gut zusammenzubekommen, lässt sich bei fast jeder Eröffnung eines neuen Gebäudes feststellen. Bürokonzepte, die Möglichkeiten konzentrierter Einzelarbeit mit Kommunikationszonen und Kreativbereichen verbinden, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Möglichkeiten mobiler und flexibler Arbeit nehmen zu und werden vermehrt von Bewerbern eingefordert.

Arbeit soll Spaß machen – und im besten Fall die jeweilige Lebenswirklichkeit aufnehmen und erweitern. Denn gerade hier lassen sich die Motive für den Wandel der Arbeitswelt finden. Sichtbarer Teil sind technische Hilfsmittel, die mobiles und flexibles Arbeiten zuerst ermöglicht und mittlerweile stark erleichtert haben. Smartphone, Internet und Social Media sind schon wesentlich länger Teil unserer Freizeit als unseres Berufslebens.

Neue Führungskonzepte

Natürlich ist es mit einem bunten Multi-Space-Büro und einem Smartphone nicht getan. Langfristig wichtiger sind Organisationskonzepte, die Vertrauen und Verantwortung der Mitarbeiter fördern und Führungskräfte, die sich reflektiert damit auseinandersetzen, wie die Bedürfnisse von Unternehmen und MitarbeiterInnen am besten erfüllt werden können.

Gerade für Führungskonzepte gilt schon heute: Je mobiler und flexibler MitarbeiterInnen arbeiten, desto wichtiger wird der persönliche Austausch. Nur über eine ausgeprägte und ehrliche Feedback-Kultur lässt sich eine Organisation überhaupt steuern. Der aktuelle Hype um das Thema Agilität ist nur die Zuspitzung dieser Veränderung.

Starke Vernetzung

Der Wandel bleibt aber längst nicht auf Büros und Wissensarbeit beschränkt. Längst ziehen Digitalisierung und Vernetzung auch in Fabriken ein und durchdringen Dienstleistungsbereiche. Unter dem Titel „Industrie 4.0“ werden Produkte und Produktionsprozesse miteinander vernetzt und gänzlich neue Geschäftsmodelle entwickelt.

Dazu gehört auch, dass sich Arbeitsplätze in diesen Bereichen massiv verändern. Physisch und kognitiv werden Assistenzsysteme eingesetzt – vom schutzzaunlosen Assistenzroboter bis zur Datenbrille. Nutzerprofile ermöglichen die Anpassung von Arbeitsplätzen an individuelle Parameter und Präferenzen.

Smartwatches bringen mobiles Arbeiten in die Fertigung. Für die Aussage, dass WLAN-Verfügbarkeit und Smartphone in naher Zukunft auch in der Produktion so notwendig sind wie Elektrizität und Schraubenschlüssel, wird man schon lange nicht mehr ausgelacht.

Veränderte Anforderungen

Natürlich wird dieser Wandel nicht nur Gewinner hervorbringen. Nicht nur die Arbeitswelt, auch die Arbeit wird sich verändern. Schon stehen Technologien der Künstlichen Intelligenz und der Mobilen Robotik zur Verfügung und mit ihr die Drohung, viele unserer heutigen Arbeitstätigkeiten zu übernehmen.

Im Gegensatz zu den vielen gesellschaftlich artikulierten Jobverlustszenarien denke ich aber, dass uns die Arbeit in den nächsten Jahrzehnten nicht ausgehen wird. Wohl aber wird sich die Art der Arbeit verändern und mit ihr die dafür notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen. Hier liegt es an uns Allen und jedem Einzelnen, durch lebenslanges Lernen, einen offenen Geist und persönliches Engagement fit für eine zukünftige Arbeitswelt zu werden, die viel stärker digitalisiert und vernetzt ist.

Gesunde Balancen

Bis dahin stehen die meisten Organisationen vor der Herausforderung, gleichzeitig Bestehendes zu bewahren und das Neue vorzubereiten. Das gilt neben den eigenen Produkten und Prozessen natürlich auch für die Arbeitsgestaltung. Häufig lässt sich heute noch gar nicht wissenschaftlich fundiert über Auswirkungen und mögliche Nebeneffekte der Nutzung neuer Technologien im Arbeitskontext berichten.

Umso wichtiger sind betriebliche Experimentierräume und der Mut, Neues auszuprobieren. Gleichzeitgig darf natürlich nicht passieren, dass wir die Arbeit unseren individuellen Bedürfnissen optimaler Arbeitsgestaltung anpassen und darin vergessen, dass es noch eine Welt neben der Arbeit gibt.