Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Michael Bartz
Professor for International Business and Export Management IMC Fachhochschule Krems; Leiter New World of Work Forschungszentrum

Der Wirtschaftsprofessor Michael Bartz erforscht seit Jahren die Zukunft des Arbeitens und begleitet Unternehmen bei Change-Prozessen. An der Fachhochschule Krems leitet er das Forschungsprojekt „New World Of Work“.

Seine These: Das Büro ist überall, Flexibilität und Mobilität werden starre Arbeitsverhältnisse mittelfristig ablösen.

Sie leiten in Krems das Forschungsprojekt „New World of Work“. Was genau muss man man sich unter diesem Begriff vorstellen?

Die Neue Arbeitswelt hat viele Facetten. Zwei wichtige Aspekte sind die zeitliche und die räumliche Flexibilität. Mobiles Arbeiten und Arbeitszeiten, die auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt sind, gehören in die Zukunft. Menschen verfügen heutzutage über die technischen Möglichkeiten, von überall aus zu arbeiten. Das Gute daran ist: Wenn ich mobil arbeiten will, kann ich das, muss es aber nicht. Ich kann trotzdem jeden Tag ins Büro gehen.

Welche Auswirkung hat die Flexibilisierung auf die Beschäftigungsverhältnisse?

Die Vollzeitbeschäftigung geht zurück und wird durch alternative Beschäftigungsmodelle wie Zeitarbeit oder Teilzeit ersetzt. Gerade Menschen, die man der Digital Natives-Generation zurechnet, sind aus Gründen der Selbstverwirklichung immer weniger dazu bereit, 40 Stunden pro Woche für ein Unternehmen zu arbeiten.
Manche werken 20 Stunden für eine Firma, verdienen nebenbei Geld als Freelancer und entwickeln obendrein mit Freunden ein Startup.

Verändern diese neuen Arbeitsrealitäten auch Unternehmen?

Die Organisation von Unternehmen verändert sich. Früher waren Firmen meist hierarchisch strukturiert. Heute handeln Unternehmen eher projektorientiert. Und ihre Struktur zeigt das auch. Dazu kommt, dass bereits 70 Prozent aller Unternehmen einzelne Bereiche outsourcen. Auch schließen sich vor allem kleinere Firmen zu Clustern zusammen, um am globalisierten Markt gemeinsam zu bestehen. Österreich hat hier eine Vorreiterrolle übernommen. Man denke etwa an den Autocluster in der Steiermark.

Kommen wir zum physischen Büro. Was unterscheidet das moderne vom traditionellen Büro?

Die alte Bürowelt funktionierte als Behausung für Schreibtische. In der neuen Arbeitswelt ist das Büro eine soziale Plattform. Es dominieren Meetingräume und „Social Areas“ wie Cafeterias. Menschen kommen heutzutage vor allem ins Büro, um mit anderen Menschen zu interagieren.

Was bringt Unternehmen die Umstellung auf neue Arbeitsmodelle?

Wir bieten Unternehmen eine wissenschaftliche Begleitung bei diesem Prozess und messen auch die Veränderungen. Die Mitarbeitermotivation steigt um bis zu 15 Prozent. Die Produktivität nimmt um 5 bis 10 Prozent zu.

Welche Praxistipps geben Sie Unternehmen, die diese „New World of Work“ in Ihrem Unternehmen umsetzen wollen?

Den ersten Schritt nenne ich „Envisioning“. Das heißt: Die Unternehmensführung überlegt sich, was sie mit der Umstellung der Arbeitsbedingungen eigentlich erreichen will. Wenn ich das Unternehmen berate, gehe ich daher mit den Vorständen meist eineinhalb Tage lang in Klausur. Dort entwickeln wir dann gemeinsam ein Zielbild.

In einem zweiten Schritt erstellen wir eine Transformations-Landkarte. Das bedeutet, dass die unterschiedlichen Geschwindigkeiten für den Change-Prozess festgelegt werden. Dann beginnt der dritte Schritt – die Detailarbeit. Man muss sich etwa fragen: Welche Unternehmensbereiche sollen künftig wie mobil und wie flexibel arbeiten?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Das Team am Empfang wird weniger mobil arbeiten als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Marketing-Abteilung. In einem vierten Schritt werden die Spielregeln, die sogenannten „Rules Of Engagement“ festgelegt und niedergeschrieben. Und der fünfte Schritt ist dann der Roll Out.

Wichtig ist: Alle Veränderungen müssen so implementiert werden, dass sie messbar sind. Und am Ende des Prozesses müssen die Ergebnisse evaluiert und ausgewertet werden. Während der gesamten Umstellungsphase ist es übrigens wichtig, dass auch Fehler passieren. Denn daraus können wertvolle Rückschlüsse gezogen werden. Eine neue Fehlerkultur ist für den Prozess entscheidend.