Mag. Karl Friedl
Sprecher der IG Lebenszyklus Hochbau

Nachhaltigkeit von Bürogebäuden

Der Lebenszyklus eines Gebäudes umfasst zahlreiche Phasen und Prozesse: von Strategie, Initiierung und Planung über Ausführung und Nutzung bis hin zum Rückbau der Immobilie. Dem Strategie- und Initiierungsprozess ist dabei besonders große Bedeutung beizumessen. Denn in dieser ersten Phase werden die Grundlagen für ein lebenszyklusorientiertes Objekt gesetzt.

Für Mag. Friedl ist vor allem die Einbeziehung sämtlicher Entscheidungsträger wichtig: „Alle am Prozess beteiligten Verantwortlichen - Bauherr, Nutzer, Planer, Errichter, Finanzierer und Bewirtschafter - müssen gleichwertig und gleichberechtigt arbeiten.” Auch die Entwicklung einer langfristigen Perspektive ist nötig, um die Identität eines Unternehmens in die Nachhaltigkeitsziele für ein Objekt einbeziehen zu können.

Dabei gilt es von Unternehmerseite her die kulturellen, organisatorischen, sozialen und wirtschaftlichen Ziele zu berücksichtigen. Da sich diese jedoch im Verlauf des Lebenszyklus eines Gebäudes, der immerhin 30 bis 50 Jahre beträgt, ändern, „muss sich das Gebäude wie eine Bühne für die immer neuen Anforderungen eines Unternehmens inszenieren lassen”, erläutert Mag. Friedl. Dabei ist es wichtig, dass die einzelnen Gewerke wie beispielsweise Wandanschlussmöglichkeiten, haustechnische Anschlüsse oder die IT-Verkabelung in einem reversiblen System angelegt sind und somit ohne Zerstörung verändert werden können. Denn das Gebäude muss genauso wandlungsfähig sein wie das Unternehmen selbst.

Einfluss auf Entwicklungsmöglichkeiten

Betriebe, die einen Neubau oder eine Generalsanierung ihres Gebäudes planen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass das Firmengebäude selbst einen wesentlichen Einfluss auf ihr Unternehmen hat. Die Entwicklungsmöglichkeiten hängen stark vom Gebäude und dessen Standort ab, was auch die Produktivität und den wirtschaftliche Erfolg eines Betriebs stark beeinflusst.

So sieht es auch Mag. Friedl: „Jedes Gebäude, jeder Raum ist Teil und Ausdruck einer Unternehmenskultur.” Dabei ist das Gebäude nicht nur die Erlebniswelt der Marke und der Identität eines Unternehmens, sondern auch jener Raum, der auf die aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse der eigenen MitarbeiterInnen eingehen muss, um so positiv direkten wie auch indirekten Einfluss auf deren Engagement und Produktivität auszuüben. Auch hier spielen die Effektivität und die Effizienz des Unternehmensstandortes eine besondere Rolle.

Kostenfestlegung und nachhaltige Bewirtschaftung eines Bürogebäudes

Bei der Planung eines neuen Firmengebäudes sollten Betriebskostenoptimierung und Werterhaltung von Anfang an im Fokus stehen. Dabei spielen nicht die Investitionskosten, sondern die Vollkosten im Lebenszyklus des Gebäudes eine wichtige Rolle. Entscheidungen sollten deshalb nicht auf Basis reiner Investitionskosten, sondern auf jener von abschätzbaren Folgekosten gefällt werden.

Da ein Großteil der Lebenszykluskosten bereits in der frühen Projektphase festgelegt wird, ist es von großer Bedeutung, sich für die Initiierungs- und Strategiephase Zeit zu nehmen. Der Bauherr übernimmt dabei von Anfang an eine zentrale Rolle im Projektmanagement. Er muss für einen integralen Planungsprozess sorgen und die Errichtungs- und Bewirtschaftungskompetenz von Beginn an berücksichtigen. Dabei sollte von vorherein klar sein: „Die Aufgabe in der Planung ist es nicht, die einzelnen Gewerke zu optimieren. Das Ziel ist vielmehr, ein integrales, auf den Bedarf ausgerichtetes Gebäudesystem zu entwerfen.” erklärt Mag. Friedl.