Wenn wir bei der Betrachtung der Zukunft mit den Megatrends beginnen, müssen wir uns auf die Städte konzentrieren. Der Zuzug in die Städte ist ungebrochen und freier Raum zum Bauen nicht unendlich verfügbar. Aufgrund der stark steigenden Grundstücks- und Baupreise laufen wir allesamt Gefahr, Wohnen zum Luxusgut verkommen zu lassen.

Bauen in Stadt und Land

Die gute Tradition, z.B. in Wien, den Wohnungsbedarf durch öffentliche, halböffentliche und private Investitionsvorhaben abzudecken, wird weiterhin sinnvoll sein, die Bauordnung wird sich aber rasch ändern müssen, um mit Verdichtungen und Erhöhungen der bestehenden Bausubstanz mehr Raumbedarf zu schaffen und damit die bestehende Infrastruktur nutzen zu können.

Die bisherige Bebauung der Speckgürtel ist weder aus ökonomischer noch aus ökologischer Sicht sinnvoll und zielführend. Dringend gebraucht werden Stadtentwicklungspläne, die auch das Umland miteinbeziehen – eine spannende Aufgabe, wenn Umland und Stadt zwei verschiedene Bundesländer an den Verhandlungstisch bringen.

Erweiterung von Kompetenzen

Das wir der Erreichung der Pariser Klimaziele nur schleppend nahekommen, ist allgemein bekannt. Ein sehr wichtiger Punkt auf dem Weg zur Erreichung ist die Sanierung der alten Bausubstanz. Die Bundesregierung plant eine 3-prozentige Sanierungsquote bis 2030 – ein Ziel, das ohne massive Änderung des Mietrechtsgesetzes nicht erreichbar ist.

Für die Bauwirtschaft und die mit der Immobilienwirtschaft verbundene Industrie bedeutet das, neben der Kompetenz für Neubau auch Verdichtungs- und Sanierungskompetenz aufzubauen.

Daten im Bau

Die Digitalisierung bringt für die Bauwirtschaft viele Neuerungen, Vereinfachungen und Chancen. An erster Stelle ist hier sicher BIM (Building Information Modeling) zu nennen. Planung, Errichtung und Betrieb können mit BIM höchst effizient und transparent abgewickelt werden. Nachhaltigkeit wird hier nicht nur geplant und gebaut, sondern im Betrieb auch wirklich umgesetzt.

Um BIM richtig einzusetzen gibt es aber zwei wichtige Voraussetzungen: Die Daten, die für BIM benötigt werden, müssen erfasst und analysiert werden, und es ist eine sehr exakte Wartung dieser Daten nötig. Falsche Daten bringen falsche Ergebnisse.

Gebäude in Gemeinschaft

Nicht alles, was digitalisiert werden kann, ist sinnvoll. Zur Zeit schießen neu gegründete Unternehmen mit digitalen Geschäftsideen wie die Pilze aus dem Boden, doch viele von ihnen werden in den nächsten Jahren wieder verschwinden. Andere Ideen werden hingegen Bestand haben und die Bauwirtschaft verändern. Vor allem im Bereich des Gebäudebetriebs bietet die Digitalisierung große Chancen, das Geschäftsmodell zu erweitern.

Die reine Zurverfügungstellung von Gebäudehüllen wird zukünftig kein ausreichendes Geschäftsmodell mehr sein, weder im Wohn- noch im betrieblichen Bereich. Dienstleistungen, wie beispielsweise die Digitalisierung der Funktion des Hausmeisters oder die Vernetzung von mehreren Gebäuden, um ein gemeinsames Mobilitätskonzept anzubieten, werden in zunehmendem Maße den wirtschaftlichen Erfolg von Immobilieninvestments mitbestimmen.

Auch die Produktion und Verwendung von Energie kann und wird durch die Digitalisierung verändert werden und effizienter gestaltbar sein. Voraussetzung dafür ist, verschieden genutzte Gebäude zu Quartieren zusammenzufassen. Eine Herausforderung für alle Projektentwickler, die zukünftig über den Tellerrand einer einzigen Immobilie hinausblicken müssen.

Vier Wände für den Menschen

Es sind viele spannende Themen, bei deren Diskussion wir ob aller Begeisterung für Architektur, Klimaschutz oder technische Innovation nie vergessen dürfen, dass Häuser in erster Linie für Menschen gemacht werden.

Wir verbringen ca. 80 Prozent unserer Lebenszeit innerhalb von vier Wänden und es muss selbstverständlich sein, dass wir uns in diesen vier Wänden, sei es in der Wohnung oder im Büro, wohlfühlen, dass wir von Baustoffen umgeben sind, die uns gesund erhalten und dass wir nicht durch Architektur, Größe oder kommunikative Gestaltung in unserer Entfaltung eingeschränkt werden.