Das Ziel steht fest: Für 2050 peilt das Land Salzburg an, klimaneutral, energieautark und vollkommen nachhaltig zu wirtschaften. Einen wichtigen Beitrag, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, liefert der Baustoff Beton: Durch Bauteilaktivierung können Gebäude errichtet werden, deren Decken und Wände als Batterien für erneuerbare Energieträger wirken.

Ein erstes Pilotprojekt steht in Hallwang – dabei ist das Kultur- und Veranstaltungszentrum Hallwang aber eine österreichweite Pionierleistung. Die gesamte Energieversorgung des Gebäudes erfolgt ausschließlich über die Sonne, daher gibt es weder CO2-Emissionen noch laufende Energiekosten für die Gemeinde. Für Heizung und Warmwasser sorgt eine Anlage mit thermischen Solarkollektoren verbunden mit dem „Akku“ im Beton.

So können 15 Prozent des Energieüberschusses im Sommer für die kühle Periode gespeichert werden. Das hilft, auch im Winter den solaren Deckungsgrad mehr als zu erfüllen – denn zusammen mit der Wintersonne kann auch im Winter genügend Wärme produziert werden, selbst bei eisigen Temperaturen. Die überschüssige Energie geht auch nicht verloren, sondern wird an den benachbarten Gasthof Kirchbichl abgegeben.

Ein Regenwasserspeicher zur Kühlung

Aber nicht nur Warmwasser und Heizwärme in der kalten Jahreszeit werden in Hallwang mittels Bauteilaktivierung erzeugt, sondern auch Kälte an den Hitzetagen: Ein Regenwasserspeicher funktioniert als natürlicher Löschwasserteich und übernimmt zugleich die Kühlung des Gebäudes im Sommer.

„Wir sind nun beinahe vier Jahre in Betrieb und ich kann sehr stolz darüber berichten, dass bislang in der Energieversorgung überhaupt keine Betriebskosten angefallen sind“, sagt Bürgermeister Johannes Ebner. „Das ganze Jahr über wird das Kulturzentrum Hallwang mit Hilfe der Sonne versorgt. Und auch bei extremen Minusgraden im Winter haben wir durch die Bauteilaktivierung und das hervorragende Speichermedium Beton stets angenehme Temperaturen im Gebäudeinneren.“

Ebner plant bereits die Errichtung einer neuen Volksschule mit Bauteilaktivierung und empfiehlt das auch anderen Gemeinden. Denn neben der Brieftasche des Gebäudeeigentümers wird dank Bauteilaktivierung auch die Umwelt geschont: Der CO2-Ausstoß ist gleich null und Emissionen wie Feinstaub oder Stickoxide entfallen.

Dazu kommt, dass der Baustoff Beton aus natürlichen und recyclingfähigen Materialien besteht und damit an sich schon nachhaltig ist; durch die regionale Produktion der Baustoffe entfallen zudem lange Transportwege.

Modern und sparsam: Energieautarkes Einfamilienhaus

Dass ein Kulturzentrum ohne Betriebskosten auskommt, ist eine technische Meisterleistung. Doch die Bauteilaktivierung ist nicht nur bei großen kommunalen Bauten, sondern auch bei Wohnhäusern umsetzbar – mit den gleichen positiven Auswirkungen. So etwa in einem Einfamilienhaus in Pfaffstätten in Niederösterreich: In diesem Gebäude mit 330 Quadratmetern Wohnfläche braucht es im Winter keine Gastherme und im Sommer keine Klimaanlage.

Eine konventionelle Heizung hat das energieautarke Passivhaus nicht. Die Temperierung der Räume erfolgt mit der bauteilaktivierten Betonplatte des Fundaments in Verbindung mit einer 50 Quadratmeter großen Photovoltaik-Anlage auf dem Flachdach.

Die Speichermasse der 50 Zentimeter dicken Bodenplatte aus Beton unter dem Haus sowie den Zwischendecken reicht, um selbst bei langen Kälteperioden oder bei wochenlanger Hitze eine konstante Raumtemperatur zu halten – die Bewohner sind begeistert und loben das angenehme Raumklima. Das vor fünf Jahren errichtete Haus wird seitdem im Rahmen einer Langzeitstudie laufend überwacht – das liefert „massive Argumente“ für die positiven Auswirkungen der Bauteilaktivierung.

Mit Bauteilaktivierung auf Nullenergie-Standard saniert

Nicht nur bei Neubauten, auch bei Sanierungen bestehender Häuser können ähnliche Erfolge erzielt werden. So hat Energieberaterin Inge Straßl ihr eigenes Haus im Salzkammergut zu einem Nullenergie-Gebäude umgebaut. Dabei wurde eine verfaulte Zwischendecke aus Holz abgetragen und als aktivierte Betondecke neu errichtet.

Weil die Wohnfläche des aus den 1950er-Jahren stammenden Hauses durch einen Zubau vergrößert wurde, konnte darunter auch ein komplett neuer Keller errichtet werden – samt Betonplatte mit Energiespeicherung, die im wahrsten Sinne des Wortes das Fundament des Nullenergiehauses bildet.

Das Resultat: Keine Heizkosten mehr – aber ein stets angenehmes Raumklima, das von der gleichbleibenden Temperatur der großen Speichermassen profitiert. Wie beim Neubau in Pfaffstätten, braucht es auch bei diesem Einfamilienhaus keine Klimaanlage, um im Sommer stets angenehme Raumtemperaturen zu haben. „Es zahlt sich aus, auch bei einer Sanierung das große Ziel im Auge zu haben und dann gleich eine „g’scheite“ Lösung anzustreben“, resümiert Straßl.

Massivbau ist Wirtschaftsmotor der Regionen

Österreich besteht nicht nur aus Wien – und die Wirtschaftskraft der Regionen wird vor allem von lokalen Produktionsbetrieben geprägt. Weil sowohl Zement als auch Beton und Betonfertigteilprodukte zum größten Teil dort hergestellt werden, wo sie später zum Einsatz kommen, ist die Bedeutung des Massivbaus für die Regionen enorm.

So bewegt laut einer aktuellen Studie des Forschungs- und Analyseinstituts Studia ein Umsatzeuro der österreichischen Zementindustrie in der heimischen Wirtschaft weitere 1,50 Umsatzeuros. Die Wertschöpfung erfolgt dabei regional: 80 Prozent der Mitarbeiter der Zement- und Betonwerke wohnen in der Umgebung.

„Das Zement- oder Betonfertigteilwerk in der jeweiligen Gemeinde ist damit auch für den lokalen Bäcker, Fleischer oder für das Wirtshaus ein wichtiger Umsatzbringer“, sagt Gernot Brandweiner, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB).