Wir ahnen, dass die Digitalisierung unser Leben noch intensiver umkrempeln wird als seinerzeit die Industrialisierung. Dennoch darf man optimistisch sein, was die im Grunde humane Natur auch dieses menschgemachten Umwälzungsprozesses betrifft: Unsere archaische mentale Struktur verfügt (im Gegensatz zu unseren volatilen Kulturleistungen) über starkes evolutionäres Korrekturpotenzial.

Letztlich werden wir nichts Existenzgefährdendes zulassen, auch wenn wir oft an dessen Grenzen gehen. Die größte Bedrohung erblickt man derzeit in der künstlichen Intelligenz (artificial intelligence, AI). Ihre Verselbstständigung jenseits aller Kontrollierbarkeit wirkt so apokalyptisch wie seinerzeit die (hoffentlich überwundene) nukleare Bedrohung.

Der Vergleich passt wohl nicht in allen Details, aber die Botschaft ist, dass fast nichts unumkehrbar ist. Vielleicht ist sogar unser ruinierter Planet durch großtechnischen Einsatz angsteinflößender AI doch noch sanierbar. Apokalyptik war schon in der Antike ein einträgliches Geschäftsmodell, sie ist als Korrektiv auch evolutionär nötig. Die Geschichte ging aber trotz Kassandra weiter und sie wird auch mit der Digitalisierung nicht enden.

Unser Thema der Arbeitswelten ist massiv davon betroffen, AI definiert „Arbeit“ völlig neu.

Was bedeutet das für die Architektur? Unser Thema der Arbeitswelten ist massiv davon betroffen, AI definiert „Arbeit“ völlig neu. Produktion, Distribution und Administration funktionieren heute komplett anders als noch vor zwanzig Jahren. Fortschrittspessimisten leugnen zu Unrecht, dass wir dem Ideal sinnstiftender Beschäftigung (statt bloß zu „arbeiten“) in entwickelten Weltregionen durchaus nähergekommen sind.

Architekten haben das besser verstanden als der vulgäre politmediale Komplex. Glücklicherweise bauen engagierte Unternehmer und Planer evidenzbasiert (siehe unsere gelungenen Beispiele auf den folgenden Seiten) schon längst an der angenehmen und zugleich verantwortungsbewussten neuen Welt, über die andere nur stumpf polemisieren. Verlass ist auf Menschen, nicht auf Institutionen.