Ing. Andreas Horvath
Experte für Büroraumplanung

Offener kommunizieren am Arbeitsplatz

„Die Ära der Büroschluchten ist vorbei. Moderne Arbeitsstätten stellen auch architektonisch die Kommunikation in den Mittelpunkt.“ Andreas Horvath hat schon zahlreiche Unternehmen neu eingerichtet. Er weiß, dass die neuen Arbeitsrealitäten auch zu einem Paradigmenwechsel in Sachen Büroeinrichtung und -gestaltung geführt haben.

„Transparenz steht im Vordergrund, Räume werden größer, Gänge werden aufgebrochen“, sagt der Mann, der etwa die klassischen Zellenbürostruktur des traditionsreichen Wiener Schnittenproduzenten Manner neu gestaltet und so ins 21. Jahrhundert überführt hat.

Patentrezept freilich gebe es keines, betont der Experte. Selbst das Großraumbüro sei kein Allheilmittel. „Für manche Abteilungen ist es sogar schlicht ungeeignet. So müssen etwa in börsennotierten Unternehmen laut Aktiengesetz die Finanzabteilung und der IT-Bereich zutrittsgesichert sein.“

Am Anfang steht die Kommunikationsanalyse

Die Bedürfnisse eines jeden Unternehmens seien unterschiedlich – dadurch müsse man mit jedem Kunden eine ganz eigene Marschroute vereinbaren. Zu Beginn einer Zusammenarbeit stehe dabei eine Struktur- und Kommunikationsanalyse: „Wir sehen uns genau an, wie das Unternehmen arbeitet, wie externe Mitarbeiter und Kunden eingebunden sind und wer mit wem zusammenarbeitet.

Dann untersuchen wir, wie in dem Unternehmen Kommunikation funktioniert.“ Viele Unternehmen verfügten etwa, so Horvath weiter, über einen großen Besprechungsraum. Oft wären aber mehrere kleine Meeting-Räume besser geeignet. Denn: „Bei den meisten Meetings nehmen drei bis vier Personen teil.“ Überhaupt verlagere sich der Büroalltag immer stärker weg vom Schreibtisch und hinein in Besprechungsräumen, sagt Horvath: „Es gibt Studien, wonach Führungskräfte bereits 70 Prozent ihrer Arbeitszeit für Meetings aufwenden.“

Sogenannten Begegnungszonen gehört darum die Zukunft, weiß Horvath: „Die schnelle Kommunikation ist entscheidend. Wir versuchen kurze Wege für Mitarbeiter zu schaffen und gleichzeitig Räume so zu gestalten, dass sich Menschen gern darin aufhalten und austauschen. Es gibt heutzutage mehr als die klassischen Stehtische als Kommunikationsmöbel, die hier eine immer wichtigere Rolle spielen.“ Zudem müsse es gerade in Großraumbüros Rückzugsräume für die Mitarbeiter geben, um etwa kurzfristig ungestört und konzentriert arbeiten oder ein wichtiges berufliches als auch privates Telefonat zu führen zu können.

Zukunft Wohlfühl-Büro

Für die kommenden zehn Jahre ortet Horvath einen Trend zu noch mehr Wohnlichkeit. „Das bedeutet, dass sich Büros zusehends in Wohnzimmer verwandeln. Angenehme Loungemöbel und Sitzgelegenheiten werden eine stärkere Rolle spielen. Mehr Farben, Pflanzen und Stoffe werden die Optik dominieren.“ Überhaupt wird die Bürogestaltung laut Horvath in Zukunft eine viel größere Rolle bei der Wahl des Arbeitsplatzes spielen, als bisher: „Die gut ausgebildeten Fachkräfte werden sich nicht nur fragen, wo sie am meisten verdienen, sondern vor allem auch, wo sie sich am wohlsten fühlen.“