Die heutige Generation junger Manager und anderer Verantwortung tragender Arbeitnehmer lebt und werkt in einer völlig anderen Umgebung, als es noch ihre Eltern im selben Alter taten. Ein Beispiel? Eine kurze Dienstreise in eine beliebige europäische Stadt.

Schnell ist online der Flug gesucht, das Hotel vom Anbieter gleich dazu empfohlen – wenige Mausklicks später ist die Reise unter Dach und Fach. Noch vor 20 Jahren musste ein Reisebüro zwischengeschaltet werden, die Prozedur war länger und kostenintensiver.

Was wie ein banales Beispiel wirken mag, ist in Wahrheit Symptom einer massiv veränderten Lebens- und Arbeitsweise. Für den flugbuchenden Arbeitnehmer hat sich hier konkret eine Vereinfachung ergeben, doch das ist nicht immer für alle gleichermaßen der Fall. Denken wir nur an die andere Seite: Wo noch 1990 eine relativ einfach zu qualifizierende Arbeitskraft saß (eine Matura war, mit einer gewissen Einlernphase, für diesen Job ausreichend), ist heute ein Computer am Werk.

Arbeitsplätze verschieben sich

In der Konsequenz bedeutet das den Wegfall vieler Arbeitsplätze, die im Grunde Routineaufgaben erledigt haben. Sie sind automatisierbar, was Kosten spart und auch die Effizienz erhöht. Doch, betonen internationale Experten, das bedeutet nicht, dass es in Zukunft automatisch weniger Jobs geben muss.

Sie werden nur anders aussehen. Das lässt auch ein Blick in die Geschichte vermuten: Die Industrialisierung kostete zwar viele Manufakturarbeiter den Arbeitsplatz, doch rasch entstanden neue Jobs und in Summe profitierten alle davon: Der Wohlstand in Mitteleuropa ist heute wesentlich höher als vor 150 Jahren.

Was aber bedeutet das konkret für die ReisebüromitarbeiterIn von 1990? Bleiben wir bei ihrem Beispiel: Damals war die Reiseorganisation von 9 bis 17 Uhr möglich, heute online rund um die Uhr. Das bedeutet aber, dass die Onlinesysteme, die Computer, die Abrechnungsprogramme und vieles mehr ebenfalls rund um die Uhr funktionieren müssen.

Was früher ein Reisebüro mit drei MitarbeiterInnen war, braucht heute mindestens genausoviele Profis, die für die Betreuung und Wartung der Systeme zur Verfügung stehen.

Höhere Qualifikation als Gebot der Stunde

Hier liegt auch des Pudels Kern. Eine einfache Pflichtschule oder Matura wird dafür nicht genügen, es braucht Fachausbildungen. Nicht umsonst spricht man auch vom durch die Digitalisierung vorangetriebenen Wandel zur Wissensgesellschaft. Das gilt umso mehr für Führungskräfte.

Wo früher ein BWL-Studium ausreichte, braucht der Team- oder Abteilungsleiter von heute auch vertiefte Sachkenntnis jenes Bereiches, für den er zuständig ist. Oder anders: Wo früher der Wirtschaftler den Informatiker führte, leitet heute der Wirtschaftsinformatiker mit höherer Qualifikation den mit weniger hoher an.

Das gilt umso mehr im Bereich der produzierenden Industrie. Maschinen funktionieren heute im Wesentlichen nicht anders als vor 100 Jahren, was die Grundlagen betrifft – die Gesetze der Physik, der Mechanik oder der Mathematik haben sich nicht verändert. Solides technisches Know-how ist absolut unumgänglich, denn eine Maschine braucht tiefergehendes Verständnis der Grundlagen

Leadership – dazu braucht es einiges

Damit ist die Führungskraft aber noch lange nicht fertig. Sie braucht auch wirtschaftliche Kenntnisse – und zwar ebenfalls sattelfest. Allein das sind zwei Bereiche, die es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen gilt. Neben social skills kommt auch noch vernetztes Denken hinzu. Es empfiehlt sich daher, bereits bei der Ausbildung auf einen Querschnitt dieser Bereiche zu achten, aber auch, eine gewisse Spezialisierung zu erlangen.

Insbesondere die geistige Komponente, also das erwähnte vernetzte Denken, braucht Praxis. Während des Studiums Erfahrungen zu sammeln, ist wichtig wie nie zuvor – sie schafft den Unterschied, der den weiteren Karriereweg massiv beeinflusst. Nur wer sein erworbenes Wissen anwenden kann, wird nach Abschluss des Studiums attraktive Positionen anstreben können.

Im Idealfall kann über eine Kooperation zwischen Hochschule und Unternehmen die Abschlussarbeit in einem konkreten Tätigkeits- oder Forschungsfeld des Unternehmens geschrieben werden. Davon profitieren Unternehmen und StudentIn durch den Erkenntnisgewinn, was nicht selten zu einem Berufseinstiegsangebot nach Studienabschluss führt.

Für Studieninteressierte gilt es also, sich die Ausbildungsstätte nach diesen Kriterien auszusuchen. Wichtig sind Vernetzungen mit der Realwirtschaft, idealerweise konkrete Kooperationsprogramme. Dazu kommt das Lernumfeld: Die Ausstattung sollte modern sein, vor allem aber ist das Betreuungsverhältnis wichtig.

Je weniger Studenten auf einen Lehrenden kommen, desto besser kann sich dieser ihnen konkret widmen und dabei Talente fördern und entdecken. Letzten Endes ist es eben auch Aufgabe einer guten Hochschule, die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Arbeitsleben zu schaffen.