„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, lautet ein onkelhafter Spruch aus der Vergangenheit. Was an dieser Weisheit aber dran ist: Junge Frauen und Männer in Ausbildung dürfen nicht erwarten, sofort das ganze Geschäft zu führen. Da heißt es: Sich hinten anstellen, aufpassen, anstrengen, Augen und Ohren offen halten.
Wer also vom hohen akademischen Ross absteigt und alternative Ausbildungswege betrachtet, sieht, dass auch hier einiges dazu gelernt wird. Ohnehin war die Ausbildung abseits der Universität vor einer Weile noch statt einer Karriereimprovisation eine anerkannte Normalität. Und auch einem Lehrling bleiben heute die Pforten der Hochschule nicht verschlossen: Schließlich kann er sich später immer noch akademisch weiterbilden.

Von der Lehre zur Dynastie

Früher brauchte es das aber gar nicht. Es galt als völlig selbstverständlich, dass man auch mit einer Lehre eine große Laufbahn starten konnte. Eines der frühesten und berühmtesten Beispiele für den Berufsweg vom Gesellen zum Millionär ist vermutlich Johann Jakob Astor: Der gebürtige Heidelberger begann 1779 in London eine Lehre als Instrumentenbauer und wurde nach seiner Auswanderung in die USA als Pelz- und Immobilienhändler durch den wirtschaftlichen Aufstieg von New York ein reicher Mann. Die von ihm begründete Dynastie war im 19. Jahrhundert eine der reichsten Familien der Vereinigten Staaten.

Später kamen die Millionen

Für solche Erfolgsgeschichten braucht man aber im Geschichtsbuch gar nicht so weit zurückzublättern. Wenn man von dem gelernten Fernsehtechniker Gerd Brachmann aus Essen hört, wird man mit diesem Namen vermutlich nicht viel anfangen können. Bei seiner Firma „Medion“ sieht das aber schon ganz anders aus: Die bekannte Computermarke ist ein börsennotiertes Unternehmen, das im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro umgesetzt hat.
Aber nicht nur bei unseren deutschen Nachbarn, auch in Österreich werden solche Karrierewege eingeschlagen – wie man am Beispiel von Ronny Pecik sehen kann: Der Investor besitzt ein geschätztes Vermögen zwischen 100 und 250 Millionen Euro, womit er unter den reichsten Österreichern auf Platz 82 liegt. Pecik ist gelernter Starkstromelektriker und fing als Techniker an, wo er noch eine weitere Ausbildung zum Informatiker machte. So gut eine Lehre für eine erfolgreiche Karriere sein kann, doppelt hält anscheinend noch ein bisschen besser.