„Endlich Führungskraft!“ – das neue Büro ist bezogen, den Mitarbeitern wurde man ebenso schon vorgestellt. Ein angenehmes, repräsentatives Ambiente, eine fähige Assistenz, schöne Aufgaben und natürlich auch ein besseres Gehalt. Im Grunde alles erreicht, was man sich schon in frühen Studententagen vorgenommen hat.

Wären wir bei Grimms Märchen, käme jetzt der schöne Satz „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ – doch so einfach geht das im realen Leben leider nicht. Ebensowenig wie die Hochzeit das Ende der Geschichte darstellt, ist die Beförderung das Ende der Karriere. Jetzt geht’s erst so richtig los.

„Eine Karriere lässt sich heute nicht mehr so einfach planen wie früher“, kann man häufig hören. Obwohl es sich kaum so plakativ sagen lässt, ist an diesem Satz durchaus etwas dran. Unsere Welt hat sich verändert, die Parameter sind andere geworden, die Konkurrenz größer, die Pflichten vielfältiger. Neben der reinen Ausbildung, sei sie akademisch oder nicht, werden noch andere Dinge erwartet: Auslandserfahrung, Mehrsprachigkeit, Teamfähigkeit, soziale Aspekte – um nur einige Beispiele zu nennen.

Führung als Managementkompetenz

Führungskraft und Manager – zwei Begriffe, die oftmals gleichgesetzt werden. Dabei unterscheiden sie sich inhaltlich stark: Führung ist ein Teilbereich des Managements, denn Manager benötigen auch Führungskompetenzen. Unter Managementkompetenzen versteht man Funktionen wie Planung, Organisation und Kontrolle. Schnell wird klar, dass beides einander bedingt, sobald Mitarbeiter im Spiel sind.

Ist das der Fall, werden Führungskompetenzen gefragt. Wer zur Führungskraft aufsteigt, entschwindet oftmals der Expertenebene – er koordiniert diese nunmehr. Dazu ist sein Fachwissen hilfreich, aber nicht mehr allein entscheidend. Dabei gibt es einige Grundregeln zu beachten, um nicht außer Tritt zu kommen. Eine Führungskraft benötigt die Anerkennung ihres Teams, um gute Ergebnisse erzielen zu können. Ein reiner Kommandoton und einzig die Berufung auf den höheren Rang funktionieren nicht einmal beim Militär.

Der Schlüssel: Gesundes Führen

Gesund führen ist als Begriff noch relativ jung, inhaltlich aber schon länger bekannt – und eben dieser Inhalt erfährt derzeit eine Art Renaissance. Er beruht auf dem Grundsatz, dass gute Führung eine Kombination von Ergebnisorientierung und Inspiration ist. Das A und O jedes erfolgreichen Unternehmens sind motivierte und leistungswillige Mitarbeiter. Damit es diese gibt, müssen die Führungskräfte für die Förderung und den Erhalt psychischer Gesundheit sorgen.

Dazu gehört an erster Stelle Authentizität. Die Mitarbeiter müssen merken, dass ihr Chef die gesunde Work-Life-Balance ernst meint, weil er es auch vorlebt. Wer mitten in der Nacht Mails schreibt, weckt den Eindruck, er erwarte sich gleiches von der Kollegenschaft. Das ist nicht hilfreich – die Pausen müssen nicht nur in der Weihnachtsansprache, sondern auch im realen Leben existieren.

Verantwortung leben – Sicherheit geben

Zentraler Punkt einer gesunden Führung ist das Wahrnehmen der übertragenen Verantwortung. Eine Führungskraft muss in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen und so die Marschroute vorgeben. Ein überlastetes Team ist oft ein Anzeichen für mangelnde Führung. Wenn das Team nicht weiß, wohin es gehen soll, wachsen Anspannung und Konfliktpotenzial.

Gleichzeitig gehören Mut und Offenheit dazu. Ein Chef darf nicht davor zurückschrecken, seinen Miitarbeitern auch unangenehme Entscheidungen zu kommunizieren. Wenn diese merken, dass sie sich auf ihren Chef verlassen können, werden sie in Auftreten und Arbeit sicherer. Damit wird auch das gesamte Arbeitsklima gesünder – was letztlich eindeutig eine Win-win-Situation für Mitarbeiter, Führungskräfte und das gesamte Unternehmen darstellt.