Sie sind mit "Insider Navigation Systems" ein Shootingstar der heimischen Start-up-Szene. Können Sie beschreiben, was Sie genau machen und wie es dazu kam?

Dem ist vorauszuschicken, dass ich vor nunmehr 13 Jahren ein Unternehmen gegründet habe, das auf innovative Lösungen speziell im Bereich Augmented und Virtual Reality fokussiert ist. Vor drei Jahren kamen wir mit unserem heutigen Forschungspartner zusammen, der gerade ein System für Feuerwehrmänner entwickelte, das durch eine Kamera im Helm deren Standort tracken sollte.

Zur Idee kam es dann sehr schnell: wir haben uns gefragt, ob es möglich ist, in einem großen Gebäude wie einem Flughafen oder einer Shoppingmall eine Person über ihr Smartphone zu orten ohne zusätzliche Hardware einzusetzen. Daraus wurde ein Forschungsprojekt, das wir erfolgreich abgeschlossen haben.

Wie ging es danach weiter?

Im nächsten Schritt habe ich eine Tochterfirma gegründet – es war Venture Capital in der Sache drin und wir konnten ein Patent auf den Prozess anmelden. Vor Weihnachten war ich noch dienstlich in Las Vegas und New York, wir haben Projekte in Asien – wie es aussieht, gibt es derzeit weltweit keine vergleichbaren Lösungen.

Wir sind die einzigen, die eine millimetergenaue Indoor-Navigation ohne zusätzliche Hardware anbieten und auch so augmentieren können, dass es für den Kunden ein echtes Erlebnis ist.

Stichwort Kunde – was verstehen Sie unter einem echten Erlebnis für ihn?

Wir sprechen längst von einer Indoor-Experience und nicht mehr von reiner Indoor-Navigation. Alles, was der Kunde mit dem Auge sieht, können wir am Smartphone augmentieren und mit Informationen versehen. Für den Kunden bedeutet das, dass der Weg vom Start bis zum Ziel wie Check-in zum Gate am Flughafen facettenreich und zum Erlebnis wird.

Unser System, das Mitte 2016 live gehen wird, weist dem Kunden nicht nur den schnellsten Weg, sondern versorgt ihn auch rundherum – etwa, wo es Rabatte in Shops oder Facility-Einrichtungen wie Toiletten gibt. Über die App sind dann auch der Gutschein für einen Discount und der Payment-Prozess bereits direkt am Smartphone.

An welche Partner richtet sich ihr Produkt?

Gerade Flughäfen investieren viel in Innovation, daher haben wir viele als Kunden – etwa Wien, München, Hongkong, London, hoffentlich auch bald Dubai. Unser erster großer Kunde ist das Landesmuseum Zürich: dort gibt es dann über Augmented Reality eine innovative Führung, bei der sich die Route individuell nach der Zeit und dem Interesse des Besuchers richtet. Auch der Wiener Flughafen ist ein sehr wichtiger Partner für uns. Das System ist in jeder gewünschten Sprache verfügbar, sodass sich jeder Besucher verstanden und willkommen fühlt.

Welche Rolle spielt der Kundennutzen in Ihrer Arbeit?

Das Produkt muss für den Endkunden, also den Anwender, einen Mehrwert haben, sonst bringt es auch unserem Kunden nichts. Der Endkunde wiederum profitiert vor allem davon, dass er sich auch in riesigen Shoppingmalls in Asien oder auf Flughäfen und Bahnhöfen schnell zurechtfindet. Dazu kommt das Erlebnis, weil das ganze Gebäude interaktiv wird.

Ein Beispiel ist ein Test, den wir mit den ÖBB am Wiener Hauptbahnhof durchgeführt haben. Wie können wir Reisende durch den Bahnhof navigieren? Wie findet eine ausländische Mutter, die vielleicht nicht deutsch spricht, am schnellsten einen Wickeltisch? Der Kunde profitiert durch Usability und Informationsgewinn.

Gleichzeitig können die Operator Angebote besser auf die Kunden und Besucher abstimmen, weil sie Feedback erhalten. Dazu kommt der Wissensgewinn über Besucherströme, was bei großen Menschenmengen auch ein Sicherheitsaspekt ist.

Mit welchen Herausforderungen hatten Sie bei der Gründung besonders zu kämpfen?

In Österreich ist für ein Start-up die Finanzierung eine besondere Hürde. Wir sind stark in der Forschung und finden sehr gute Mitarbeiter, aber wer um die Finanzierung kämpft, der denkt schon öfter ans Silicon Valley. Auf diese Probleme wurde medial schon hingewiesen.

Wir haben hier aber wirklich gute Partner und auch die geeigneten Mitarbeiter. Ein ganz großes Plus ist in Österreich die Förderlandschaft, ohne welche wir nicht soweit gekommen wären. Künftigen Gründern empfehle ich vor allem: Traut euch mehr.