Wie hat das alles angefangen, wie kam es zu der Idee?

Die Plattform entstammt einer Kindheitsidee von mir und war als Handbuch der Lebensgeschichten gedacht, in dem jeder Mensch kurz und knackig anhand eines Vier-Augengesprächs über Beruf, Werdegang und Lebenserfahrung spricht. Vor knapp drei Jahren habe ich eine Kamera geschenkt bekommen und mit meinem Kindheitsfreund Jubin begonnen, aus der Idee ein Konzept zu machen.

Am Anfang hatten wir nicht mal ein Business-Modell, sondern haben die Plattform quasi für uns selbst gemacht und auch finanziert. Am Tag des Online-Gehens hat das staatliche Fernsehen einen kurzen TV-Bericht österreichweit ausgestrahlt.

Und was geschah dann?

Danach ging es rund – innerhalb von 72 Stunden haben sich gleich fünf Unternehmen gemeldet, die mit ihren Mitarbeitern bei uns vertreten sein wollten. Da haben wir beschlossen, dass es Sinn macht, unsere bisherigen Jobs hinzuschmeißen und die Idee größer zu machen.

Wie und wann weiß man als junger Mensch, was man beruflich machen will, und was kann einem dabei helfen, von selbst darauf zu kommen, welcher Beruf spannend ist?

Es gibt keine Garantie für den richtigen Job. Wichtig ist, und das ist das Fundament des Ganzen, dass man sich selbst klar darüber wird, was man will und – das ist noch wichtiger – was man nicht will. Die eigenen Stärken und Vorlieben zu kennen und zu verstehen, was einem echt Spaß macht, ist die halbe Miete. Es gibt eine Faustregel: Ausprobieren, neugierig sein – sich in der eigenen Umwelt, bei der Familie, Freunden etc. umsehen – und sich nie damit zufrieden geben, dass man halt irgendeinen Job gefunden hat.

Was macht den persönlichen Erfolg eines Start-Up-Gründers aus?

Persönlicher Erfolgt ist subjektiv und verschiebt sich von Phase zu Phase. Heute ist persönlicher Erfolg für mich dann gegeben, wenn ich sehe, dass Bereiche, die ich anfangs selbst aufgebaut und selbst betreut habe, quasi von alleine laufen und wenn wir etwas schaffen, an das vor zwei Jahren noch niemand geglaubt hat – das ist ein bisschen so wie Legospiele, an deren Ende man dann vor der eigenen Burg steht. Sieht man dann noch in die Gesichter von Wegbegleitern, ist das Glück perfekt.

Wie haben Sie selbst zu Ihrem Traumziel gefunden und was hat Sie dabei bewegt und begleitet – welche Gefühle, Gedanken oder Hilfestellungen?

Ob ich mein Traumziel erreicht habe, weiß ich gar nicht – nur, dass das, was ich jetzt tue, echt Spaß macht und einem größeren Ziel folgt. Zum ersten Mal in meinem Leben erkenne ich, dass alles, was ich bisher gemacht habe – ob schöne oder traurige Momente – zusammen fließt und Sinn ergibt. Es ist so, als hätte ich mich die letzten 15 Jahre meines Lebens auf diese Rolle vorbereitet. Geholfen hat mir dabei eine recht große Portion Naivität und eine gewisse Risikobereitschaft, die ich immer mit der Frage „Was ist das Schlimmste, das dir passieren kann?“ begonnen habe. Zudem bin ich Berufsoptimist und als gebürtiger Perser sowieso immer von Dingen begeistert, die Sinn ergeben.

Als Flüchtlingskind habe ich früh gelernt, dass alles im Leben nur geborgt ist. Kombiniert man diese Erkenntnis mit der Tatsache, dass wir uns nie ausgesucht haben, wo wir geboren worden sind, kommt man recht schnell drauf, dass man nur ein Leben lang Zeit hat, glücklich zu sein.  Arbeit macht dabei nun mal einen Großteil unseres Lebens aus – daher sollte es besser der richtige Job sein.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, worauf sollten sie bei ihrer Berufsauswahl besonders achten?

Wichtig ist, dass man die Arbeits- und Lebenswelt als ein Lernfeld sieht. Ein Job sollte immer ein Wegbegleiter sein, mit dem man wachsen kann. Eigentlich ist es recht simpel, wenn man sich immer wieder die Frage stellt, ob man mit dem Job und der Tätigkeit auch zufrieden wäre, wenn man kein oder weniger Geld erhalten würde.

Die einen nennen es Spaß, die anderen Erfüllung – am Ende des Tages kommt es darauf an, dass man stolz auf die eigene Leistung ist und zwar unabhängig davon, was andere Menschen von dem Job halten. Zu denken, dass der Job, der Spaß macht, erst später im Leben kommt, ist eine Selbstlüge – auch Praktika oder Nebenjobs können schon Spaß machen und einen echt weit bringen, sowohl charakterlich als auch beruflich.