Friedrich Szukitsch
Industrie 4.0 Coach und IT-Sprecher des UBIT-Arbeitskreises zur Industrie 4.0

Was bedeutet das Thema Industrie 4.0 für die Aus- und Weiterbildung?

Es kommt eine Fülle an bestehenden und neuen Technologien auf die Industrie und das produzierende Gewerbe zu. Aber welche Qualifikationen werden benötigt? Und welche Auswirkungen wird dies auf das Ausbildungsangebot haben? Wenn wir uns die Technologien rund um Industrie 4.0 ansehen, werden wir schnell feststellen, dass der Schwerpunkt bei den sogenannten MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) -Fächern bzw. Berufen liegt. Und wenn wir mit Industrie 4.0 erfolgreich sein wollen, werden wir qualifizierte MitarbeiterInnen in diesen Bereichen brauchen. Die Angst, dass die vierte industrielle Revolution unsere Fabriken menschenleer machen wird, scheint nach letzten Erkenntnissen eher unbegründet zu sein. Die Anzahl an MitarbeiterInnen im Produktionsbereich wird zwar gleich bleiben, die Arbeitskräfte werden aber höhere Qualifikationen haben.

Was werden die Herausforderungen sein?

Die durchgehende Digitalisierung, einer der Kernpunkte von Industrie 4.0, fordert in Zukunft andere Arbeitsweisen und damit veränderte Berufsbilder in der Produktion. Der Umgang mit Robotern und selbstorganisierenden Systemen erfordert ein höheres Automatisierungs- und Informatikverständnis der beteiligten MitarbeiterInnen. Der verstärkte Einsatz von Assistenzsystemen zur Unterstützung des Produktionspersonals verlangt veränderte Arbeitsweisen und ein grundlegendes Systemverständnis. Nicht zuletzt wird zudem die Fähigkeit zum vernetzten Denken sowohl unternehmensintern als auch zwischen den Unternehmen (Supply Chain) gefragt sein.

Was geschieht im Bereich der Aus- und Weiterbildung?

Die im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) angesiedelten Arbeitsgruppen zum Thema Industrie 4.0 machen sich auch Gedanken, wie wir in Österreich zu den benötigten qualifizierten Arbeitskräften kommen werden. Denn dass hier ein Manko entsteht, ist bereits jetzt spürbar. Zudem wird die demographische Entwicklung die Situation noch verschärfen. Aber sind unsere Ausbildungseinrichtungen für die zukünftigen Anforderungen gerüstet? Die Universitäten sind vor allem auch durch ihre Forschungstätigkeiten mit dem Thema bereits beschäftigt. Um die Awareness bei den berufsbildenden höheren
Schulen zu steigern, versuchen wir gerade, das Thema in die Wiener HTLs zu tragen. Dabei steht am Anfang vor allem die Information und Sensibilisierung des Lehrkörpers. Ein erster Versuch mit der HTL Donaustadt in Zusammenarbeit mit der TU Wien ist am Laufen. Bei der FacharbeiterInnenausbildung wird die Erstellung entsprechender Ausbildungskonzepte in nächster Zeit im Fokus stehen. Denn das zukünftige Fachpersonal wird mit den neuen Technologien und Methoden umgehen müssen. Wir benötigen aber auch entsprechende Weiterbildungsangebote der Erwachsenenbildungs-Institutionen für unsere aktiven MitarbeiterInnen.
Wir müssen aufpassen, dass wir beim Thema Industrie 4.0 sowohl im europäischen als auch im asiatischen und amerikanischen Wirtschaftsraum den Anschluss nicht verlieren. Das chinesische Ausbildungsniveau z.B. hat dramatisch an Qualität gewonnen, von der Anzahl der AbsolventInnen erst gar nicht zu reden. Die USA haben unter dem Thema „Industrial Internet“ auch im Forschungs- und Bildungsbereich massiv investiert.

Konklusion

Wenn man das Thema in seiner Gesamtheit und den Ausbildungsbereich im Speziellen betrachtet, so wird klar, dass wir dringend Fahrt aufnehmen müssen. Sonst laufen wir Gefahr, den Anschluss im europäischen, aber auch im internationalen Wettbewerb zu verlieren. Alle auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung tätigen Institutionen sind daher aufgerufen, in ihren Ausbildungsplänen und -angeboten dem Thema Industrie 4.0 den nötigen Platz einzuräumen.